Lehrmittellisten

Mille feuilles-Debatte: Lehrmittelfreiheit an der Baselbieter Volksschule kommt in Raten

Die ab kommendem Schuljahr geltende Lehrmittelfreiheit in der Volksschule bringt im Französisch der 3. und 4. Primarstufe noch keine Alternative zu «Mille feuilles». (Symbolbild)

Die ab kommendem Schuljahr geltende Lehrmittelfreiheit in der Volksschule bringt im Französisch der 3. und 4. Primarstufe noch keine Alternative zu «Mille feuilles». (Symbolbild)

«Mille feuilles» ein Jahr alternativlos. Viele Fächer folgen später.

Gestern bestätigte der Kanton Baselland, was die bz bereits Anfang Monat berichtet hatte. Die ab kommendem Schuljahr geltende Lehrmittelfreiheit in der Volksschule bringt im Französisch der 3. und 4. Primarstufe noch keine Alternative zu «Mille feuilles». Auf der gestern offiziell vorgestellten Lehrmittelliste, die der Bildungsrat beschlossen hat, ist das umstrittene Passepartout-Lehrmittel das einzige, das Lehrer dieser Stufe als Hauptlehrmittel wählen dürfen. Auch empfohlene Ergänzungslehrmittel gibt es abseits eines Wörterbuchs keine.

«Dass es für das Schuljahr 2020/21 in diesem Bereich noch keine Alternativen geben wird, ist zweifellos ein Manko», sagt der Leiter des Amts für Volksschulen, Beat Lüthy. An einem Mediengespräch gibt er offen zu, dass «Mille feuilles» Defizite hat. Unbestritten ist, dass das Stimmvolk vergangenen November vor allem wegen der Kritik an «Mille feuilles», «Clin d’Oeil» und «New World» der Lehrmittelfreiheit zugestimmt hatte. Daher dürfte sich auch Bildungsdirektorin Monica Gschwind ärgern, die treibende Kraft hinter der neuen Regelung. Doch sie versucht, zu beschwichtigen: «Man kann die Situation auch positiv sehen: Für fünf von sieben Volksschuljahren, in denen im Baselbiet Französisch unterrichtet wird, liegen bereits kurze Zeit nach dem Volksentscheid geprüfte, lehrplankompatible Alternativlehrmittel vor. Das ist meines Erachtens ein grosser Erfolg», schreibt sie auf Nachfrage.

Kanton schaut sich «Léo et Théo» nochmals an

Lüthy betont, dass Baselland mit der Lehrmittelfreiheit über alle Fächer «meilenweit vor den anderen Kantonen» liege und versichert, dass mit «Ça roule» vom Klett-Verlag ja ab 2021/22 eine Alternative zur Verfügung stehen werde. Was gestern zudem klar wurde: Die Lehrmittellisten sollen sich explizit weiterentwickeln und verändern. Jederzeit werden Lehrpersonen die Prüfung eines neuen Lehrmittels beantragen können. Stimmt die neu zusammengesetzte Lehrmittelkommission dem zu, kann es während rund einem Schuljahr getestet und am Ende beurteilt werden.

Abschliessend entscheidet dann der Bildungsrat, ob es auf die Liste aufgenommen wird. Vielleicht schafft es auch «Léo et Théo» vom italienischen Eli-Verlag auf die Liste. Hatte der Schweizer Vertriebspartner, der Ingold Verlag, der bz erst noch gesagt, es brauche eine aufwendige Adaption, bat er in einem Brief Gschwind nun doch um die direkte Aufnahme für die 3./4. Primar. Lüthy macht aber wenig Hoffnung, dass es noch für diesen Sommer reicht.

Eine weitere Erkenntnis der gestrigen Präsentation ist, dass die Lehrmittelfreiheit in Raten umgesetzt wird: Der Bildungsrat publizierte zwar Listen für Französisch, Englisch, Deutsch und Mathematik, doch neu geprüfte Bücher gibt es 2020/21 erst für die beiden erstgenannten Fächer. Die Lehrmittelkommission wird als Nächstes neue Lehrmittel der Fächer Mathematik, Biologie, Chemie und Physik überprüfen. Diese könnten dann frühestens auf das Schuljahr 2021/22 den Lehrern zur Wahl stehen. Wann die Lehrmittelfreiheit wirklich für alle Fächer bestehen wird, konnte die Bildungsdirektion gestern noch nicht sagen.

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