Reinach

Millionen-Poker um Kabelnetz – sicher ist nur: Die Inter-GGA hat nichts zu lachen

Reinach wechselt per 2021 den Provider, das Nachsehen hat die Inter-GGA. Ob die Gemeinde auch das Kabelnetz verkauft, steht jedoch noch nicht fest.

Reinach wechselt per 2021 den Provider, das Nachsehen hat die Inter-GGA. Ob die Gemeinde auch das Kabelnetz verkauft, steht jedoch noch nicht fest.

Die Gemeinde Reinach hat den Provider-Auftrag fürs eigene Kabelnetz ausgeschrieben – und das Kabelnetz gleich dazu. Ein Unternehmen hat beide Ausschreibungen gewonnen. Es hat die Inter-GGA schon bei zwei anderen Gelegenheiten gepiesackt.

Beim Öffnen der Couverts kam wohl Casinostimmung auf. Da wirft die meistbietende Firma mehr als das Doppelte des Schätzpreises für das Kabelnetz in die Waagschale. Und bei der Offerte fürs Providing ging dasselbe Unternehmen ebenfalls fast doppelt so hoch rein wie die anderen Bieter.

Fast 14,6 Millionen Franken würde sich die Improware AG aus Pratteln das Reinacher Kabelnetz kosten lassen. Dass die Firma die rund 8300 Kundinnen und Kunden mit Internet, Telefonie, TV und Radio versorgen dürfte, ist ihr 841000 Franken an jährlichen Nutzungsgebühren wert.

Angestammter Betreiber wird Auftrag verlieren

Keine Chance hatte da die Inter- GGA, die bisherige Betreiberin, welche die Inhalte vom Provider Quickline bezieht. Die Inter- GGA bot rund 5 Millionen Franken fürs Netz. Ihr Angebot für die Nutzungsgebühren ist halb so hoch wie jenes der siegreichen Improware.

Die fürs Geschäft zuständige Gemeinderätin Doris Vögeli (BDP) sagt, das Erstaunen über die Angebote sei gross gewesen: «Alle Beteiligten seitens Gemeinde waren baff bei der Offertöffnung – durchs Band.»
Ob Reinach sein Kabelnetz überhaupt verkauft, steht noch gar nicht fest. Nur noch eine Formalie sein dürfte aber der Providerwechsel. Der Einwohnerrat wird dem Wechsel am kommenden Montag zustimmen. Per 1. Januar 2021 wird neu die Improware die Reinacher Kabelnetzkundschaft versorgen.

Dass es überhaupt zu den zwei Submissionen gekommen ist, hat mit dem Reinacher Providerstreit zu tun. 2013 entschied die Inter-GGA, ein Gemeinschaftsunternehmen im Besitz von Gemeinden im Birs- und Leimental, den Provider zu wechseln. Quickline löste Improware ab. Viele Kundinnen und Kunden beklagten sich über ein verschlechtertes Preis-Leistungs-Verhältnis. Aufgeworfen wurde zudem die Frage, ob es die Inter-GGA als Händlerin zwischen Endkunde und Provider überhaupt noch brauche.

Schätzpreis liegt viel tiefer als Improware-Offerte

2017 beauftragte das Reinacher Stimmvolk die Behörden mit einer Submission. Das erste Verfahren wurde 2018 abgebrochen – nachdem der Vorwurf aufgekommen war, die Kriterien würden die Inter-GGA bevorzugen. Bei der jetzigen Providersubmission wurde die Netzwerkentschädigung mit 30 Prozent gewichtet. Die Improware AG erreichte mit ihrer Offerte 700 von 1000 möglichen Punkten.

Sacha Gloor, CEO von Improware, sagt, die offerierte Nutzungsgebühr sei angemessen: «Wir können direkt als Provider auftreten und daher der Gemeinde eine höhere Nutzungsgebühr vergüten.» Beim offerierten Kaufpreis für das Netz bewege man sich im Rahmen, der «in der Schweiz für ein qualitativ hochwertiges Kabelnetz geboten wird». Eine von der Gemeinde in Auftrag gegebene Schätzung kam auf einen Wert von 7,7 Millionen. Dass kommunale Kabelnetze veräussert werden, ist selten. In Riehen lehnte das Stimmvolk 2012 einen Verkauf ab.

Die Inter-GGA wollte sich nicht zum Submissionsentscheid äussern. CEO Christopher Lützelschwab schreibt, man müsse das Ergebnis zuerst analysieren. Reinach ist die grösste Gemeinde im Inter-GGA-Kabelnetzverbund, ohne sie verbleiben noch zehn Gemeinden. 2014 waren bereits Binningen und Dornach abgesprungen – deren heutiger Provider: die Improware AG.

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