Strafgericht

Mit 192 km/h auf der Autobahn – «Mir war nicht bewusst, dass ich so schnell unterwegs war»

(Symbolbild)

«Wer sich in ein Auto setzt, muss korrekt fahren – egal, ob Porsche oder Käfer», quittiert Strafgerichtspräsidentin Monika Roth.

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Die Polizei stoppte 2017 auf der A2 einen Autofahrer mit 192 Stundenkilometern. Trotz laufender Revision greift das Gericht zur Raserstrafnorm.

Es sind die umstrittenen Absätze 3 und 4 des Artikels 90 des Strassenverkehrsgesetzes, die im Parlament und in Gerichtssälen regelmässig zu Diskussionen führen: Einfache und grobe Verkehrsregelverletzungen gab es schon immer, für die Stufe «grob» wird eine Gefährdung der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer verlangt.

Doch seit 2013 ist der Raserartikel in Kraft, der Verstösse als «qualifiziert grob» einstuft und dann zur Anwendung kommt, wenn jemand beispielsweise das hohe Risiko von Schwerverletzten eingeht. Davon ist laut Gesetzestext automatisch auszugehen, wenn ausserorts die erlaubte Geschwindigkeit um 80 Stundenkilometer überschritten wird. Als Strafe muss zwingend eine Freiheitsstrafe zwischen einem und vier Jahren in Betracht kommen.

In der Hagnau gilt Tempo 100

Im Mai 2017 fuhr ein heute 25-jähriger, aus Portugal stammender Bauarbeiter von r her auf der Autobahn A2 nach Basel. Es war kurz nach 9 Uhr, man kam von einer durchgefeierten Nacht, zwei Beifahrer schliefen. Der potente Audi A6 gehörte der Mutter von einem der Beifahrer. Die Polizei staunte nicht schlecht, als sie auf Höhe Hagnau den Windstoss beim Überholen spürte. Wie eine spätere Auswertung einer fest montierten Überwachungskamera zeigte, fuhr der Audi mindestens 192 km/h schnell. Dort gilt Tempo 100.

Am Mittwoch musste sich der 25-Jährige deshalb vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz verantworten. Verteidiger Stefan Suter beantragte, den Fall zu sistieren, zumal das Parlament dabei sei, die Mindeststrafenregelung zu revidieren. Das Gericht wollte davon aber nichts wissen, man wende das geltende Recht an.

«Ich war nicht an das Auto gewöhnt. Mir war nicht bewusst, dass ich so schnell unterwegs war», sagte der 25-Jährige im Gerichtssaal. Er wisse, dass er einen Fehler gemacht habe, und er hätte gern den Fahrausweis wieder zurück. Beim letzten Punkt konnte ihm das Gericht indes nicht helfen: Die Administrativbehörde entzieht den Ausweis in solchen Fällen für mindestens zwei Jahre.

«Eine derart hohe Überschreitung der Geschwindigkeit kann nicht mehr fahrlässig begangen werden. Es muss jedem Fahrzeuglenker bewusst sein, dass ein Unfall mit dieser Geschwindigkeit Tote zur Folge haben wird», sagte Staatsanwalt Roland Hochuli. Er beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten.

Verteidiger Stefan Suter hingegen meinte, man wisse nicht, ob an jener Stelle die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen oder wegen der Umwelt reduziert worden sei. «Das Problem bei diesen Fahrzeugen ist ja, dass man gar nicht merkt, hört oder spürt, wie schnell man ist.»

1000 Franken Busse

Das Dreiergericht beliess es bei einer bedingten Strafe von 13 Monaten, dazu kommen eine Busse von 1000 Franken und Verfahrenskosten von über 4500 Franken.

«Es ist zu einigen Überholmanövern gekommen. Bereits daher hätte er auch subjektiv merken müssen, dass er schneller als die anderen ist», kommentierte Gerichtspräsidentin Monika Roth. Auch sei auf den Videos zu sehen, wie andere Fahrzeuglenker weit vor dem Audi auswichen.

Das trügerische Fahrgefühl von Oberklasseautos wertete das Gericht neutral. «Wer sich in ein Auto setzt, muss korrekt fahren, egal, ob Porsche oder Käfer», meinte Roth dazu. Das Urteil kann weitergezogen werden.

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