Sissach

Mit 400 000 Franken gegen eine erneute unliebsame Überraschung

Noch immer warten die Sissacher Eissportfreunde auf die definitive Instandsetzung ihrer Kunsteisbahn.

Noch immer warten die Sissacher Eissportfreunde auf die definitive Instandsetzung ihrer Kunsteisbahn.

Die Sissacher sollen noch nicht über den 8,7-Millionen-Baukredit für den Hallenneubau der Kunsteisbahn abstimmen. Das fordert eine Bürgergruppe mit Ruedi Graf an der Spitze. Stattdessen soll die Gemeinde eine zusätzliche Planungsrunde einlegen.

Kaum ist der Bericht der Geschäftsprüfungskommission zum Sissacher Kunsteisbahn-Debakel erschienen, wird bereits die nächste Runde in diesem leidigen Dauerthema eingeläutet. Eine Gruppe von Sissacher Bürgern wehrt sich dagegen, dass an der kommenden Gemeindeversammlung über einen Kredit von 8,7 Millionen Franken abgestimmt werden soll. Das ist die Summe der Gesamtkosten, welche der Sissacher Gemeinderat als Baukredit für die Sanierung und den Hallenneubau veranschlagt. An vorderster Front mit dabei ist der Sissacher Mediator Ruedi Graf (67), der bereits im Komitee «Eis 13/14» als führender Kopf für die rasche Wiederinbetriebnahme der Kunsteisbahn gekämpft hat.

Graf und seine beiden Mitstreiter Alfred Gunzenhauser und Kathrin Hasler schlagen stattdessen vor, dass am 20. Oktober statt des Gesamtbaukredits bloss über einen Planungskredit von 400 000 Franken abgestimmt wird. Dafür werden sie an der kommenden Gemeindeversammlung einen Änderungsantrag zur Traktandenliste einreichen. Grafs Überlegung dahinter: Die vom Gemeinderat vorgeschlagenen 8,7 Millionen basieren nicht auf genügend umfassenden Abklärungen. Der im Juni 2013 gesprochene Planungskredit von bloss 160 000 Franken sei im Verhältnis zum finanziellen Volumen des jetzigen Gesamtbaukredits zu gering gewesen.

«Uns hat stutzig gemacht, dass der jetzige Kostenvoranschlag auf Schätzungen und nicht auf Unternehmerofferten beruht», erläutert Graf die Beweggründe. Darum müsse später mit Kostenüberschreitungen im siebenstelligen Bereich gerechnet werden. Nur schon eine Überschreitung im Bereich von 20 Prozent würde Mehrkosten von rund 1,7 Millionen Franken ausmachen. Stattdessen wollen Graf und seine beiden Mitstreiter lieber mit den 400 000 Franken nochmals detaillierte Abklärungen und die Erstellung von Unternehmerofferten und Leistungsverzeichnissen vornehmen lassen, damit es nicht zu einer weiteren bösen Überraschung kommt.

Kostendach von 8,7 Millionen

Gleichzeitig macht die Bürgergruppe klar, dass die Gesamtbaukosten von 8,7 Millionen keinesfalls überschritten werden dürfen. Der Spielraum, eine Kostenreserve von maximal 10 Prozent, muss vorgängig detailliert ausgewiesen werden. Sollten die vertieften Abklärungen ergeben, dass das Kostendach von 8,7 Millionen Franken «aus welchen Gründen auch immer» nicht eingehalten werden kann, müsse der Gemeinderat unverzüglich einschreiten, bauliche Varianten unterhalb des Kostendachs ausarbeiten lassen und auch die Spezialwünsche der Vereine einschränken.

Ruedi Graf betont, dass er seinen Änderungsantrag nicht als Akt der Opposition verstanden wissen will: «Wir drei stehen voll und ganz hinter der Eishalle.» Man habe aber jetzt in Sissach die Stufe Feinplanung einfach übersprungen. Auch habe man schon zweimal bei der Kunsteisbahn unliebsame Überraschungen mit Kostenüberschreitungen machen müssen. Das erste Mal 2005, als die Kunschti-Überdachung 5,1 Millionen statt der bewilligten 4,1 Millionen kostete.

Und das zweite Mal 2014, als die Holztragwerkertüchtigung des vorzeitig marod gewordenen Hallendachs 986 000 statt der bewilligten 700 000 Franken ausmachte. Beide Male wurde ein Nachtragskredit nötig, über den zweiten muss ebenfalls an der Gemeindeversammlung vom 20. Oktober noch abgestimmt werden. «Nur dank einer absoluten vom Gemeinderat festzulegenden Baukostenobergrenze und einer fortlaufend strengen und konsequenten Überprüfung der Baukosten kann eine Kostenüberschreitung verhindert werden», folgert die Bürgergruppe bezüglich der geplanten Umbau- und Sanierungsarbeiten.

Keine Verzögerung beabsichtigt

Dem Änderungsantrag gibt Graf selbst gute Chancen: «Wir werden versuchen, die Bevölkerung von diesem zusätzlichen Zwischenschritt zu überzeugen. Die Sissacher verdienen genaue Zahlen, ehe sie über einen so hohen Baukredit abstimmen.» Vom möglichen Vorwurf, dass es mit dieser Intervention noch länger dauert, bis Sissach endlich wieder zu einer voll funktionstüchtigen überdeckten Kunsteisbahn kommt, lassen sich Graf und seine Mitstreiter nicht beirren.

«Es würde viel länger gehen, wenn die Gemeindeversammlung den Gesamtkredit ablehnt», entgegnet er. «Wir verlangen ja nicht, dass bei der Planung wieder bei Null begonnen wird.» Vielmehr gehe die Gruppe davon aus, dass es möglich sein sollte, den überarbeiteten Baukredit bis zur April-Gmeini des kommenden Jahres, spätestens aber im Juni 2016 zur Abstimmung vorzulegen. Dann aber unterlegt mit präziseren Informationen für den Stimmbürger, die Stimmbürgerin.

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