BVB und BLT betreiben seit rund sieben Jahren gemeinsam das TNW-Nachtnetz. Doch für das Oberbaselbiet ist die Nachfrage zu klein. Als Ersatz fahren zu verschiedenen Zeiten Taxis in die Dörfer - mit einem TNW-Ticket oder einem Abonnement gratis. 

Die Party ist in vollem Gange. Doch plötzlich wirft man einen Blick auf die Uhr und stellt fest: Der letzte Bus fährt in wenigen Minuten. Soll man nun zur Bushaltestelle rennen oder nimmt man lieber später ein Taxi nach Hause? So ist es bestimmt allen Jungen schon mal ergangen. Seit Dezember 2008 darf die Party ein wenig länger dauern: Durch die langersehnte Einführung des TNW-Nachtnetzes im Raum Basel kommen die Partygänger auch um halb drei Uhr noch nach Hause. Die Taxikosten können sie sich also sparen.

Der Nachtbus ist ein Taxi

Was viele aber nicht wissen: Schlussendlich fahren viele dann doch mit dem Taxi nach Hause. Auf einigen Strecken fahren nämlich keine Nachtbusse. Auch stehen keine Kleinbusse oder Sammeltaxis zu Verfügung. Die Baselland Transport AG (BLT) hat eine kostensparende Lösung gefunden: Wer beispielsweise in der Nacht von Freitag auf Samstag etwas länger in Basel verweilt und um zwei Uhr mit dem Zug in Sissach eintrifft, auf den wartet ein Taxi der A-BL Taxi GmbH.

Alle Fahrgäste, die ein gültiges TNW-Ticket, ein Generalabonnement oder ein U-Abo besitzen, dürfen einsteigen. Zehn Minuten später fährt das Taxi seine Gäste in ihre Dörfer. Ganz nach Hause würden die Partygänger nicht gefahren, so Fredi Schödler, Vizedirektor und Leiter für Betrieb und Technik der BLT.

Eine Stunde später fährt das zweite und damit letzte Taxi. Wer ausserhalb dieser Abfahrtszeiten nach Hause möchte, muss bei den A-BL Taxis den normalen Fahrtpreis bezahlen. Die Tickets und Abonnemente gelten dann nicht. «Bis zu sechs Gäste können auf einmal transportiert werden», sagt Mustapha Manaa, der Geschäftsführer der A-BL Taxi GmbH. «Wir fahren für die BLT auf den entsprechenden Routen der Nachtbuslinie», erklärt Manaa. Also halten die Taxis nur bei den Haltestellen des Nachtbusses. Wie die bz aber erfahren hat, würden die Taxifahrer regelmässig Ausnahmen machen und die müden Jugendlichen bis vor deren Haustüren chauffieren, was diesen zu später Stunde sicherlich entgegenkommt. Offiziell wird dies aber weder von der BLT noch vom Sissacher Taxiunternehmen bestätigt.

«Auf kleinen Nachtnetzlinien setzen wir Taxis ein, da der Betrieb mit Bussen bei so wenigen Fahrgästen nicht wirtschaftlich ist», erklärt Schödler. Dies sei schon seit Dezember 2008 so. Auch Stephan Appenzeller, Leiter für Kommunikation und Public Affairs bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB), sagt: «Auch wir achten auf einen wirtschaftlichen Ressourceneinsatz. Wir setzen deshalb nicht Gelenkbusse, sondern mittelgrosse, sogenannte Midibusse, auf unseren Nachtbuslinien ein.»

BLT und BVB betreiben das TNW-Nachtnetz seit dessen Einführung gemeinsam. Die von der BVB betriebenen Nachtlinien seien gut ausgelastet. «Die Nachfrage hat in den letzten Jahren stetig zugenommen», erklärt Appenzeller. Seit 2010 würden 40 Prozent mehr Fahrgäste die BVB-Nachtbuslinien nutzen.

Im Gegensatz zu Basel scheint die Nachfrage im Oberbaselbiet nicht so gross zu sein: Rückmeldungen zeigen, dass vielen Jungen das Taxiangebot noch gar nicht bekannt ist, obwohl es schon seit rund sieben Jahren besteht.