Nach dem bisherigen, Wunschkonzert-artigen Prozess wird es nun rund ums Ziegelhof-Areal am Rande der Liestaler Altstadt konkreter: Barbara Buser und ihre Mitstreiter von «Denkstatt» skizzierten am Samstag an der sogenannten Ergebniskonferenz die nächsten Phasen bis 2022, wofür die Ziegelhof-Besitzerin, die Sammelstiftung CoOpera, 20 Millionen Franken zur Verfügung stellt. Dabei soll ein lebendiges Zentrum aus alt und neu entstehen, in dem Gewerbe, Wohnen und Kultur Platz haben.

Grosses Gewicht legen die «Denkstätter» auf gute Verkehrsvernetzungen, wobei das Augenmerk für einmal schwergewichtig den Fussgängern gilt. Diese sollen an zwei Stellen über Lift oder Rolltreppe von der Lindenstrasse respektive dem Schleifewuhrweg bequem ins Stedtli gelangen.

Eigentliche Fussgänger-Hauptverbindung von den neu entstehenden Quartieren im Norden von Liestal zur Altstadt wird aber die heute öde Meyer-Wiggli-Strasse, die das Ziegelhof-Areal traversiert. Diese soll dank Belebung mit diversen Betrieben attraktiver werden.

Schon weit fortgeschritten sind etwa die Verhandlungen mit einem stadtbekannten Velohändler, der dem SBB-Vierspurausbau weichen muss.

Auch Parkhaus soll Platz haben

Apropos Betriebe: Ganz zuoberst auf Busers gewerblicher Wunschliste steht die Baselbieter Brauerei, die derzeit in Ziefen beheimatet ist. Buser: «Es ist ein grosses Ziel von uns, dass sie hier Fuss fasst und Bier produziert.»

Eine erste Erfolgsmeldung gibt es auf dem gewerblichen Feld bereits: Ab November wirten im derzeit verwaisten Ziegelhof-Restaurant die Betreiber des «Tapeo» in Sissach mit ihren spanischen Tapas-Spezialitäten.

Doch zurück zur verkehrlichen Vernetzung. Buser hat auch ein Zückerchen für die Automobilisten bereit: Geplant sind dort, wo heute noch das neuere Sudhaus steht, drei gemischte Wohn- und Gewerbehäuser mit einem 60-plätzigen Parking im Untergeschoss.

Diese Investition steht am Ende der Planungsphase bis 2022 und schenkt finanziell am meisten ein. Teuer würde aber auch eine Umnutzung der ehemaligen Abfüllhalle in eine Konzerthalle, etwas, was in Liestal in dieser Grössenordnung einzigartig wäre.

Buser dämpfte allerdings die Erwartungen: «Hier sehen wir Schwierigkeiten, weil wir die Halle wärme- und schallisolieren sowie mit neuen Lautsprecher- und Lichtanlagen ausstatten müssen.» Die Auslastung müsste gross sein und die Stadt Liestal unterstützend einspringen.

Buser sieht die Kulturszene denn auch eher in einem andern Gebäude auf dem Areal und in der Abfüllhalle stattdessen das Kantonsmuseum mit Werkstätten und einem begehbaren Schaulager analog zu Kunst- und Sportmuseum in Basel.

Ein Hort für alternatives Wohnen

Einen wichtigen Stellenwert hat auf dem Ziegelhof-Areal aber auch das Wohnen, genauer gesagt das genossenschaftliche Wohnen, was für Liestal ebenfalls eine Rarität darstellt. So sind nicht nur in den drei Neubauten anstelle des Sudhauses Wohnungen geplant, sondern auch gegen den Zeughausplatz hin.

Als erster Schritt sollen nun aber die typischen Vorstadthäuser an der Lindenstrasse saniert werden, was im grossen Kontrast zum Vorgängerprojekt mit Coop als Ankermieter steht, das diese Wohnhäuser ebenerdig machen wollte. Reichen denn die budgetierten 20 Millionen Franken für all diese Vorhaben? Barbara Buser antwortete lächelnd: «Das ist die offizielle Zahl.»

Bei den 60 Teilnehmern der Ergebniskonferenz – Gewerbler, Anwohner, Kulturschaffende, Politiker – stiessen die Pläne auf grosse Zustimmung, insbesondere die vorgesehene Durchmischung des Areals, dessen Durchlässigkeit für Fussgänger und die Genossenschafswohnungen.

Auch Stadtrat Daniel Muri fiel in diesen Chor ein und meinte auf eine entsprechende Frage, dass über das finanzielle Engagement der Stadt noch verhandelt werden müsse.
Auch kommunikativ gehen Buser und Konsorten neue Wege.

So ist seit Samstag die neue Website www.ziegelhofareal.ch aufgeschaltet und es soll Runde Tische zu brennenden Themen geben. Busers Botschaft dazu: «Wir sind darauf angewiesen, dass die Leute mit ihren Bedürfnissen auf uns zukommen. Sonst machen wir das, was wir gut finden.»