Baselbiet

Mit diesen Geschenkchen buhlen die Parteien um unsere Stimme

Kondome, M&M, TicTac, Sonnenblumensamen, Papiertaschentücher – vielfältig wirbt die Baselbieter Politik. Samira Marti (SP) will mit ihrem Präsent verhüten, dass sich die Wähler am 18. Oktober für eine andere Partei entscheiden.

Kondome, M&M, TicTac, Sonnenblumensamen, Papiertaschentücher – vielfältig wirbt die Baselbieter Politik. Samira Marti (SP) will mit ihrem Präsent verhüten, dass sich die Wähler am 18. Oktober für eine andere Partei entscheiden.

Die Eidgenössischen Wahlen stehen bevor. Bis dahin gilt es für die Parteien, kräftig die Werbetrommel zu rühren – doch dieses Jahr sparen die meisten an Werbegeschenken. Wie man mit dem richtigen Präsent auffällt, zeigt SP-Kandidatin Samira Marti.

In Zeiten allseitiger Sparbemühungen ist einigen Baselbieter Parteien offensichtlich nicht danach, Geschenke zu verteilen. Vor den National- und Ständeratswahlen vom 18. Oktober gehen gewöhnlich viele Politiker und Parteisympathisanten der Kantonalsektionen auf die Strasse und verteilen Kugelschreiber, Bonbons, Gummibärchen, Ballone und andere kleine Geschenke. Eine Umfrage der bz zeigt: Dieses Jahr verzichten viele Parteien auf solches Werbematerial. Zu teuer, zu verschwenderisch, zu umweltschädlich. Wie man trotzdem mit solchen Geschenken Punkte sammelt, zeigt etwa SP-Kandidatin Samira Marti.

Bonbons ändern nichts

Zuerst zu den sparsamen Vertretern: Sandra Guex vom Sekretariat der Baselbieter FDP informiert, man verteile dieses Jahr vor allem das Restmaterial von den Landratswahlen im Februar. Zusätzlich habe man Leuchtstifte bedruckt. Den einzelnen Kandidierenden sei es aber freigestellt, eigenes Material anzubieten. Noch sparsamer fährt die Baselbieter EVP ihren Wahlkampf. Neben den Flyern gibt es gar keine offiziellen Wahlgeschenke.

Jürg Wiedemann von den Grünen-Unabhängigen macht eine Tugend aus der Not und sagt: «Wir wollen durch Argumente überzeugen. Anstatt Magnetchen und Rosen schenken wir den Menschen lieber eine gute Politik.» Ähnlich argumentiert Julia Baumgartner, Delegierte der Jungsozialisten: «Give-aways sind unnötige Investitionen, wir setzen lieber auf Social Media und persönliche Kontakte», sagt sie. «Bonbons alleine können am Baselbieter Sparpaket auch nichts ändern.» Das hindert andere Parteien nicht daran, weiterhin mit Süssem auf Wählerfang zu gehen.

90 Prozent landet im Müll

Die BDP zum Beispiel bietet Schleckwaren an. Dazu gibt es Ballons und Türhänger. Verteilen will sie das Material über private Kanäle der Mitglieder und traditionell an Standaktionen. Etwas mehr Bewegung bringt die CVP in ihren Wahlkampf. In der Aktion «Orange Welle» steigen orange gekleidete CVP-Vertreter und -Sympathisanten ins Tram von Binningen nach Ettingen und verteilen dort orangefarbene M&M, Tic Tac und Türhänger. «Viele Parteien haben extrem viel Geld in Plakate gesteckt. Wir konzentrieren uns lieber auf den direkten Kontakt mit der Bevölkerung», sagt CVP-Sekretärin Christina Hatebur.

Die Grünliberalen verteilen schweizweit dieselben Gadgets, nämlich Pfefferkörner. Sie achten besonders auf die Verträglichkeit der Geschenkartikel mit den Grundsätzen der Partei. «90 Prozent der Ware landet im Müll», sagt Yves Krebs, Sekretär der GLP. Das wolle man nicht verantworten. Die Pfefferkörner kämen bei der Bevölkerung hingegen gut an und würden auch genutzt.

Eine ausgefallene Aktion haben sich die Grünen einfallen lassen. Sie wollen heute Nachmittag am Bahnhof in Basel 1000 Sonnenblumen an Passanten verschenken. Zusätzlich gibt es Äpfel und Sonnenblumensamen zum Setzen. Nathalie Martin, Geschäftsleiterin der Grünen Baselland, ist überzeugt: «Um jemanden zu wählen, brauchen die Leute einen Anknüpfungspunkt. Dafür, und auch um bisherige Nichtwähler zu animieren, machen wir mit dieser Aktion auf uns aufmerksam.»

Du entscheidest, wer reinkommt

Doch nun zu Samira Martis Verteilaktion: Letzte Woche verschenkte die SP-Nationalratskandidatin anlässlich einer Podiumsdiskussion vor Muttenzer Gymnasiasten in der Aula der Fachhochschule Nordwestschweiz kleine Kartonheftchen mit der Aufschrift: «Du entscheidest, wer rein kommt!» Öffnet man die Verpackung, hält man ein Kondom in der Hand.

Samira Marti (zweite von links) verteilt Wahl-Kondome an Schüler des Gymnasiums Muttenz.

Samira Marti (zweite von links) verteilt Wahl-Kondome an Schüler des Gymnasiums Muttenz.

Der gewitzte Wahlspruch brachte Samira Marti gerade beim Zielpublikum bereits viele Sympathiepunkte ein. «Mir ist es ein Anliegen, dass sich auch Jugendliche an der Wahl beteiligen», sagt sie. «Dazu braucht es keine 0815-Massnahmen, sondern etwas, das Aufmerksamkeit erregt.» Am kommenden Wochenende möchte Marti noch einmal zur Entscheidung anregen. Morgens um 3 Uhr will sie am Basler Bahnhof SBB dem heimreisenden Baselbieter Partyvolk die Kondome mit auf den Weg geben. Es bleibt zu hoffen, dass die Gummis halten, was sie versprechen – auch nach den Wahlen.

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