Konzernverantwortungsinitiative

Mit Gottes Hilfe gegen Unrecht: Baselbieter Kirchen in der Politik

Politische Botschaft an der Reigoldswiler Kirche.

Politische Botschaft an der Reigoldswiler Kirche.

Die Kirchen setzen sich für die Konzernverantwortungsinitiative ein. Sollen sie sich in die Politik einmischen?

Von weit her sichtbar prangt die orange Fahne am Kirchturm in Reigoldswil. Das Transparent, mit dem Befürworter im ganzen Land für die Konzernverantwortungsinitiative werben, hängt auch hier. Schweizweit machen sich Kirchen für die umstrittene Initiative stark. Auch in der Region Basel sprechen sich einige Kirchgemeinden für eine Annahme aus. In christlichen Kreisen stossen sie damit jedoch nicht nur auf Zustimmung.

Die reformierte Kirchgemeinde Reigoldswil-Titterten folgt mit ihrer Unterstützung der Konzernverantwortungsinitiative dem Vorbild ihrer Mutterkirche. National setzen sich die evangelisch-reformierte Kirche, die Schweizer Bischofskonferenz und der Verband Freikirchen Schweiz für die Vorlage ein. Die Initiative verlangt, dass Schweizer Unternehmen für das Verhalten ihrer Geschäftspartner haften, wenn diese im Ausland Menschenrechte oder Umweltstandards verletzen. Das Schweizer Stimmvolk stimmt am 29. November über die Initiative ab.

Reformierte im Baselbiet unterstützen die Initiative

Wer in den vergangenen Wochen in Reigoldswil einen Gottesdienst besuchte, wird wahrscheinlich auf die Abstimmung aufmerksam gemacht worden sein. «Ich habe die Initiative in meinen letzten Predigten fast jedes Mal erwähnt. Die biblische Botschaft ist für mich immer politisch», sagt Pfarrerin Barbara Jansen. Alttestamentarische Propheten und Jesus hätten sich für diejenigen eingesetzt, die unter die Räder kamen. «Heute sind das Menschen in der Dritten Welt, die von der Wirtschaft ausgebeutet werden. Deshalb unterstützen wir die Konzernverantwortungsinitiative.» Von den Besuchern habe sie meist positive Reaktionen erhalten.

Mit ihrer Haltung steht die Reigoldswiler Pfarrerin in beiden Basel nicht alleine da. Im Baselbiet gehören die kantonale reformierte Kirche sowie mehrere reformierte Kirchgemeinden und römisch-katholische Pfarreien einem nationalen kirchlichen Komitee für die Initiative an. In Basel-Stadt hat sich diesem auch die Pastoralkonferenz der römisch-katholischen Kirche angeschlossen. Auch Einzelpersonen aus der Region unterstützen das Komitee. Dazu gehört der Benediktinermönch Ludwig Ziegerer aus dem Kloster Mariastein.

Im Baselbiet findet sich die römisch-katholische Landeskirche Baselland hingegen nicht im Komitee. «An der Synode gab es einen Antrag für eine Parolenfassung. Diese wurde abgelehnt, da eine Parolenfassung nicht als Aufgabe der Landeskirche als staatskirchenrechtliche Institution angesehen wurde», sagt Dominik Prétôt, Mediensprecher der römisch-katholischen Kirche Baselland. Ähnlich klingt es bei der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Der Kommunikationsverantwortliche Matthias Zehnder erklärt: «Die evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt als Institution äussert sich grundsätzlich nur zu politischen Themen, die sie selber betrifft.»

Debatte über die Vorlage sei verpasst worden

Einige Kirchen im Raum Basel mischen sich in die Politik ein, andere halten sich zurück. Die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter findet zwar nicht, dass sich Kirchen nicht mit politischen Themen auseinandersetzen sollten. «Hier wurde es allerdings verpasst, überhaupt eine Debatte zu führen», sagt sie. Als Mitglied habe man keine Möglichkeit gehabt, um sich einzubringen. Zudem seien die Äusserungen der Kirchen einseitig. Schneider-Schneiter gehört der reformierten Kirche Baselland an. Als Präsidentin der Handelskammer beider Basel engagiert sie sich jedoch gegen die Konzernverantwortungsinitiative.

Die Nationalrätin aus Biel-Benken resümiert: «Ich finde es schade, dass die Gegner der Initiative von den Kirchen als schlechte Christen gebrandmarkt werden.»

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