Regierungswahl BL

Mit Monica Gschwind aus der Bildungssackgasse

Dem Personenkomitee gehören neben Jürg Wiedemann (links) auch die beiden Lehrpersonen Kathrin Schaltenbrand-Kovacs (FDP) und Pascal Ryf (CVP) an. zvg

Dem Personenkomitee gehören neben Jürg Wiedemann (links) auch die beiden Lehrpersonen Kathrin Schaltenbrand-Kovacs (FDP) und Pascal Ryf (CVP) an. zvg

Der grüne Landrat Jürg Wiedemann sieht in der Hölsteiner Gemeindepräsidentin Monica Gschwind (FDP) die ideale Besetzung für das Bildungsdepartement. Wiedemann nimmt dafür auch das Ausscheiden der SP aus der Regierung in Kauf.

Eine Überraschung war es für die Anwesenden an der gestrigen Medienkonferenz in Liestal keine mehr. Die frühzeitig verschickte Einladung liess die ungewöhnliche Unterstützung für Monica Gschwind bereits durchsickern. Die FDP-Kandidatin erhält bei den anstehenden Regierungswahlen Rückendeckung vom anderen Ende des politischen Spektrums. Gemeinsam mit dem Komitee Starke Schule Baselland weibelt der grüne Landrat Jürg Wiedemann für die Hölsteiner Gemeindepräsidentin. Sie soll die Bildungsdirektion übernehmen und damit die angeschlagene Baselbieter Bildungspolitik wieder auf Kurs bringen.

Diese befinde sich heute nämlich in einer Sackgasse, wie mehrere Vertreter des Komitees Starke Schule im Regierungsgebäude betonten. Deshalb sei es legitim, darauf hinzuarbeiten, den abtretenden Bildungsdirektor Urs Wüthrich durch eine Person zu ersetzen, welche die notwendigen Veränderungen anstrebt. Da die vier bisherigen Regierungsräte ihre Departemente behalten wollen, und er davon ausgehe, dass alle wiedergewählt werden, müsse lediglich der Posten des scheidenden Sozialdemokraten neu besetzt werden, erklärte Wiedemann.

Eine passende Nachfolgerin sieht der Parlamentarier aus Birsfelden in seiner Landratskollegin Monica Gschwind. Sie unterstütze sehr viele Anliegen des Komitees, das die Bildungspolitik im Kanton Baselland kritisiert. Konkret befürwortet die freisinnige Regierungskandidatin die Beibehaltung der drei Leistungsniveaus an den Sekundarschulen. «Ausserdem lehnt sie sowohl die Sammelfächer als auch den Lehrplan 21 ab», sagte Sekundarlehrer Wiedemann. Sogar ein Austritt aus dem Harmos-Konkordat sei für die Hölsteinerin eine Option, fügte Saskia Olsson, Geschäftsleiterin Starke Schule Baselland, an. «Gschwind möchte die Lehrpersonen stärken und sie von administrativen Arbeiten entlasten.» Auf diese Weise sollen sie sich wieder mehr ihrem Kerngeschäft, dem eigentlichen Unterrichten, widmen können.

SP meldet Bedenken an

In den vergangenen Monaten habe sie mit den drei Kandidaten für die Bildungsdirektion, Monica Gschwind, Regula Nebiker und Daniel Münger, längere Gespräche geführt, meinte Olsson. «Dabei hat sich herausgestellt, dass die beiden Sozialdemokraten die Bildungspolitik ihres Parteikollegen Urs Wüthrich weitgehend weiterführen wollen.» FDP-Politikerin Gschwind habe hingegen die Durchsetzungskraft, um harte und unangenehme Entscheide zu treffen, wenn nötig gegen den Willen der heutigen Chefbeamten, ergänzte Jürg Wiedemann. Er erinnerte daran, dass sie im Parlament mehrere bildungspolitische Vorstösse unterstützte.

Falls Monica Gschwind neue Baselbieter Bildungsdirektorin werden sollte, besteht die Möglichkeit, dass die SP nicht mehr in der Regierung vertreten wäre. Jürg Wiedemann bedauert dies zwar, stellt aber auch klar, dass der Aderlass notwendig wäre, um dem Kanton zu einer besseren Bildungspolitik zu verhelfen. Wenige Stunden nach der Medienkonferenz veröffentlichte die SP Baselland ein Communiqué, in welchem sie Bedenken zum bildungspolitischen Rucksack von Gschwind anmeldet. Sie verweist darauf, dass die Politikerin beim Entlastungsrahmengesetz vor zwei Jahren sämtliche Sparpakete im Bildungsbereich unterstützte.

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