Für Peter Gröflin ist klar, dass ein Wahlkampf längst nicht mehr nur via Inserate in der Presse, Flyer und Plakate geführt wird. Deshalb setzt er auch auf neue Medien wie Facebook, Twitter, Blog, Homepage. Regelmässig macht er sich bei Themen, die für ihn wichtig sind, mit Leserbriefen in regionalen Zeitungen bemerkbar und schaltet sich auch so in politische Debatten ein. Der 52-Jährige kennt die ganze Palette, wie man seine Positionen verbreitet und sich ins Gespräch bringt – und tut dies gekonnt.

Plötzlich in nationalen Medien

Mit einem Tweet schaffte es Gröflin, verheiratet und Vater zweier Töchter und eines Sohnes, letztes Jahr gar in nationale Printprodukte. Bei der Kampagne «Sag es der Schweiz per Twitter», die Schweizer Medien lanciert hatten, formulierte er die Worte «Für ein gutes Gespräch braucht es mehr als 140 Zeichen». Selbst am meisten überrascht, erschien sein Tweet mit anderen zusammen auf Werbeseiten in NZZ, Blick am Abend, Schweiz am Sonntag, 20 Minuten und im Beobachter. Seit vier Jahren «zwitschert» Peter Gröflin – nicht nur politische Botschaften, auch was ihn sonst noch bewegt. Keine Schnellschüsse, sondern mit Bedacht. «Ich habe schon mehr Zeichen gelöscht als geschrieben», lacht er.

Mit seiner Landratskandidatur betritt der Gelterkinder kein Neuland. Für einen Sitz im Kantonsparlament bewirbt er sich bereits zum vierten Mal; 1995 war Gröflins Premiere. Vor dreieinhalb Jahren kandidierte der gelernte Tiefbauzeichner, spätere Bauingenieur und heutige Pensionskassen-Spezialist einer Versicherungsgesellschaft in Basel erstmals für den Nationalrat. «Ich wurde durch meine Eltern geprägt und politisiert», erzählt Peter Gröflin. Sein Vater sass in Gelterkinden in kommunalen Gremien. Zuerst hatte dieser der EVP angehört, später trat er zur SP über.

Auch kirchlich aktiv

Peter Gröflin fühlt sich wohl in der EVP. «Meine christliche Grundhaltung zog mich zu dieser Partei hin», erklärt er. Gröflin ist auch kirchlich aktiv und Mitglied der Synode der reformierten Kantonalkirche. Seine wichtigsten politischen Anliegen sind soziale Gerechtigkeit und Reduktion des Energieverbrauchs. «Hier denke ich grün», so der 52-Jährige. Auf seine Fahne geschrieben hat er sich zudem den Zusammenhalt innerhalb des Kantons Baselland. Dies sei bei der Diskussion und Abstimmung über die Fusions-Initiative im vergangenen Jahr auf eine harte Probe gestellt worden, meint der Oberbaselbieter, der in der Freizeit singt und Ausdauersport treibt.

Der umtriebige Politiker engagiert sich für die EVP nicht nur auf Gemeinde- und Kantonsebene, sondern auch national. Seit 2012 gehört er dem Zentralvorstand an, dem erweiterten Vorstand der EVP Schweiz als einen der beiden Baselbieter Vertreter.

Die politische Kultur im jetzigen Landrat ist Peter Gröflin ein Dorn im Auge. «Es wird zu viel auf Konfrontationskurs gegangen», kritisiert der EVP-Mann und schiebt nach: Selbstverständlich müsse man hin und wieder aufstehen und auf den Tisch klopfen. Auch mit Anstand und Respekt hätten Worte Gewicht. Und genau das erwartet er vom künftigen Parlament.

Parteikollege Geiser ist gefordert

Die Chancen, am 8. Februar gewählt zu werden, sieht Gröflin realistisch. Spitzenkandidat auf der EVP-Liste im Wahlkreis Gelterkinden ist der Bisherige Martin Geiser, der seinen Sitz behalten dürfte. Für ein zweites Mandat ist der Stimmenanteil der Partei zu gering. So wird Peter Gröflin vermutlich auf Platz zwei kommen und zum ersten Nachrückenden – wie schon 2011. «Ich werde Martin Geiser auf sportliche Art bis zum Wahltermin fordern», schmunzelt der kämpferische Ausdauerathlet, der letzten Samstag mit Geiser zusammen alle 14 Ortschaften seines Wahlkreises besucht hat – 40 Kilometer, alles zu Fuss, mit Berichten via Facebook und Twitter.

517 Personen kandidieren bei den Wahlen am 8. Februar neu für den Landrat. Die bz stellt für jeden der zwölf Wahlkreise je eine Person vor, deren Kandidatur ins Auge sticht. Die Porträtierten wurden von der Redaktion ausgewählt.