Prozess

Mit Pyrotechnik gegen Blechpolizisten: Dummer Bubenstreich oder doch mehr?

Im Strafgericht Muttenz wurde der 24-Jährige wegen qualifizierter Sachbeschädigung zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Im Strafgericht Muttenz wurde der 24-Jährige wegen qualifizierter Sachbeschädigung zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Ein 24-jähriger Oberbaselbieter sprengte einen Radarkasten bei Rothenfluh in die Luft. Nun hat das Gericht über seine Strafe entschieden. Der junge Erwachsene entging nur knapp einer Freiheitsstrafe.

Der 24-Jährige war nicht so ganz der Rächer der unterdrückten Autofahrer, den man erwartet hätte: Am Dienstag im Strafgericht in Muttenz war er freundlich, kooperativ und ziemlich einsilbig. «Es war zweifellos eine dumme Idee, ein Zeichen der jugendlichen Unvernunft», meinte Verteidiger Simon Berger. Bei der Einvernahme betonte der 24-jährige Mann noch, die Radaranlage zwischen Rothenfluh und Ormalingen sei eine «Sauerei», es gehe von dem Ort keine Gefahr aus, der Blitzer habe nichts mit Sicherheit zu tun.

Im November 2018 ging er nach einer Vorfasnachtsveranstaltung und ein wenig Alkoholkonsum in der Grünrabatte am Ortsausgang von Rothenfluh zu Werke und klebte mit Malerklebeband eine «Horror Knall-Rakete» an die «semistationäre Radaranlage», wie der Blechpolizist korrekt heisst. Dann zündete er die Lunte, um 3.39 Uhr ging der Knall los, die Trümmer flogen bis zu 20 Meter weit, die Anlage wurde schwer beschädigt.

Der 24-Jährige hatte allerdings nicht bedacht, dass die Blechkästen jeweils auch ihren Nahbereich per Video überwachen. Tatsächlich aufgeflogen ist er jedoch, weil er die Sprengung mit seinem Mobiltelefon dokumentierte und das Filmchen hinterher per Whatsapp an seine Freunde schickte. Dort erhielt er zuerst viel Applaus, im Dezember 2018 dann allerdings um sechs Uhr morgens Besuch von der Polizei. Bei der Hausdurchsuchung entdeckte man bei ihm Übungspatronen, die er aus der Rekrutenschule mit nach Hause genommen hatte, was ihm noch zusätzlich ein Verfahren bei der Militärjustiz einbrachte.

Sachschaden über 10000 Franken

Die Kantonspolizei Baselland bezifferte den Sachschaden beim Blitzer auf 11200 Franken. Der Mann hatte die Zivilforderung rasch anerkannt, eine Ratenzahlung vereinbart und inzwischen bereits die Hälfte davon abgestottert. Er arbeitet als Polymechaniker und wohnt noch zu Hause.

Die Staatsanwältin forderte nebst einer Verurteilung wegen qualifizierter Sachbeschädigung auch einen Schuldspruch wegen Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht. Sie betonte, bereits Knaller in Briefkästen würden von Gerichten als Sprengstoff eingestuft. Als Strafmass beantragte sie eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt. Verteidiger Berger hingegen fand, eine Verurteilung wegen Sachbeschädigung genüge. Der typische Schwellenwert von 10000 Franken für eine qualifizierte Sachbeschädigung sei nur knapp überschritten worden. Ausser dem Radarkasten seien keine Gegenstände und auch keine Personen gefährdet worden, von einer Gefährdung durch Sprengstoffe könne daher keine Rede sein.

Knapp an der Freiheitsstrafe vorbei, aber 3 Jahre Probezeit

Das Dreiergericht beliess es am Dienstag bei einer Verurteilung wegen qualifizierter Sachbeschädigung: Es verhängte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 100 Franken. Dazu kommt eine Busse von 2000 Franken sowie Gerichtskosten von rund 4000 Franken. Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli betonte, eigentlich bewege man sich bei dieser Tat im Bereich einer Freiheitsstrafe, doch dank des Geständnisses sowie der Rückzahlungsvereinbarung habe man die mildere Form der Geldstrafe gewählt. Das Gericht setzte allerdings eine verlängerte Probezeit von drei Jahren fest. «Das ging wesentlich weiter als ein Bubenstreich», sagte Laeuchli.

Das Urteil kann der Mann noch weiterziehen. Allerdings hatte er letzte Woche wieder einen Termin bei der Staatsanwaltschaft, weil er zu einer neuen Geschichte einvernommen worden ist: Erneut wirft man ihm Sachbeschädigung vor, diesmal soll er ein Auto umgekippt haben. «Wie schafft man sowas?», fragte die Gerichtspräsidentin. Eine Antwort darauf gab es noch nicht, vorerst gilt die Unschuldsvermutung.

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