Aesch

Mit Schnitzelbängg durch die Krisenzeit: Värsli über die Pandemie

Schnitzelbängg mal anders: Statt im vollen Saal, wie hier bei den Comité-Schnitzelbängg 2019, können sie zurzeit online gelesen werden.

Schnitzelbängg mal anders: Statt im vollen Saal, wie hier bei den Comité-Schnitzelbängg 2019, können sie zurzeit online gelesen werden.

Zwei Aescher gegen den Ernst: Auf ihrer Website brünzeln das Wöschwyb und Schnupfe eifrig Värsli über die Pandemie.

Ist Corona ein geeignetes Thema für Schnitzelbängg? Schaut man sich die Website www.aetschbaetsch.ch an, kommt man klar zum Schluss: Ja – wenn man es gut macht. Die Seite ist das Werk vom Wöschwyb und von Schnupf, zwei Aescher Schnitzelbängglern. «Vor Ostern fanden wir, dass in der Krise alles etwas zu ernst ist», sagt das Wöschwyb. Und so beschlossen die beiden, jede Woche online eine Corona-Spezialausgabe ihres «Intelligänzblatt für Aesch bigott» herauszugeben, wie sie «AeTschBAeTsch» auch nennen. «Es ist das Schräge, Skurrile, Obskure an Corona, das mich reizt, Verse zu schreiben», sagt Schnupf. Beim Vers über die Lieblingsbeiz klingt das dann so:

Mit Abstand halte nimmt mes nit soo gnau,
d Gäscht schwätze noo wie voor nit schlau.
Doch öppis isch nöi, fascht
sensazionell,
uff em Hüüsli het s e Säifi uff em Gstell.

«Wir machen uns nicht über Coronakranke und ihr Leid lustig», sagt das Wöschwyb. «Wir nehmen nur den Umgang mit der Krankheit auf die Schippe, fantasieren zum Beispiel übers Maskentragen oder über Verschwörungstheorien.» Mal sieht es fast ein bisschen hingerotzt aus:

Desinfektioon goot vill schnäller
mit em Äigebrannd uus em
Chäller.

Mal wird über die positiven Aspekte der Hygienemassnahmen philosophiert:

Bim Schlangestoo, es isch nid s Lätze
chunnt me mit fremde Lüt ins Schwätze.
D Zytt goot wie im Fluug verbyy
s feelt numme non e Gleesli Wyy.

Immer wieder komponieren die beiden mehrstrophige Stücke und werden dabei politisch; etwa wenn Schnupf die Diskussionen über Dividendenzahlungen im Ständerat kommentiert. Sein Fazit:

Iich dängg, dä Stall müest men uusmischte.
Am Schluss wääl iich no d Soziaalischte.

Schnupfe und das Wöschwyb geben seit Jahren die Fasnachtszeitung «AeTschBAeTsch» heraus. Kein Wunder, sind sie manchmal auch lokalpatriotisch:

Uns chaa dr Bundesroot nüt
vermyse,
als Aescherbürger kenne mer käi Kriise.
Gimpft sinn miir scho lang in Aesch,
mit Chluuserwyy und Kaffi-
Trääsch.

Schnupfe hat neulich den Aescher Kulturpreis erhalten, nicht nur, aber auch für die Coronawebsite. Seit über 50 Jahren schreibt er Bängg, das Wöschwyb brünzelt auch schon seit fast einem Vierteljahrhundert Värsli. Wie alle Schnitzelbänggler wollen die beiden nicht mit ihrem Klarnamen in der Zeitung erscheinen. Doch wer in Aesch die Fasnacht und das Kulturleben nur ein bisschen kennt, weiss, wer hinter den Pseudos steckt. Noch einige Wochen wollen sie «AeTschBAeTsch» herausgeben. «Wir werden aufhören, wenn die Welle abgeflacht ist», sagt das Schnupf. «Dann gibt Corona nicht mehr genug Stoff her.» Doch irgendwann wird es wieder eine echte Fasnacht geben. Haben die beiden dann nicht schon alle Pointen verbrannt? Das Wöschwyb lacht und meint: «Wir haben schon noch einige Verse auf Lager.»

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