Lohnforderungen

Mitarbeiter der SI Group in Pratteln protestieren gegen Manager in den USA

Die Angestellten der SI Group in Pratteln protestierten gestern gegen ihre Geschäftsführung.

Die Angestellten der SI Group in Pratteln protestierten gestern gegen ihre Geschäftsführung.

Mitarbeiter der Chemiefirma SI Group in Pratteln fordern die Lohnerhöhung, die ihnen im GAV zugesichert wurde.

«Abgemacht und verdient» – unter diesem Motto protestierten am Mittwoch rund 50 Mitarbeiter der SI Group auf dem Firmengelände in Pratteln. Der Grund ihres Unmuts: Im Februar war ihnen eine Erhöhung der Lohnsumme um 1,3 Prozent ab dem 1. April zugesichert worden, anlässlich von Verhandlungen im Rahmen des langjährigen Gesamtarbeitsvertrags (GAV).

Trotzdem haben die Angestellten seither am Ende des Monats nicht mehr überwiesen erhalten. Die Firmenleitung begründete das Sistieren die Lohnerhöhung mit dem schlechten Wirtschaftsverlauf wegen Corona. «Dabei schreibt die Firma in Pratteln gute Zahlen», sagt Felix Ulrich, Sprecher der Gewerkschaft Unia. «Und sie gehen weiter hoch, trotz Corona.»

«Die Mitarbeiter konnten deutlich ihren Ärger zum Ausdruck bringen»

Eine Petition konnte die Firmenleitung nicht zum Umlenken bewegen, ebenso wenig ein Kompromissvorschlag seitens der Betriebskommission. Diese beschloss zusammen mit der Unia die gestrige Aktion. «Die Mitarbeiter konnten deutlich ihren Ärger zum Ausdruck bringen», sagte Ulrich nach dem Anlass. Die 1,3 Prozent mehr Lohn seien vor allem als Wertschätzung ihrer Leistung zu verstehen, denn: «Sie wissen, was ihnen zusteht.»

Gleichzeitig hat die Unia gestern eine Klage gegen die SI Group eingereicht. Der Konzern entwickelt und produziert Zusatzstoffe und Zwischenprodukte für die Pharmaindustrie. Das Unternehmen mit Hauptsitz in den USA erwirtschaftet an rund 25 Standorten weltweit einen Jahresumsatz von rund zwei Milliarden US-Dollar.

Ausgaben reduziert, um Finanzen zu retten

Obwohl in Pratteln nur etwa 45 Mitarbeiter dem GAV unterstellt sind, wären von einer Lohnerhöhung insgesamt rund 125 Angestellte betroffen, von der Produktion bis zur Verwaltung. Der GAV existiert seit über 15 Jahren. «Bis anhin sind uns keine Verletzungen bekannt», sagt Ulrich. Was er hingegen gehört hat: Die Geschäftsleitung in Pratteln hätte die Vereinbarung eigentlich einhalten wollen. Sie sei aber von der Zentrale in den USA zurückgepfiffen worden.

Die Fragen, die die bz an die Geschäftsführung in Pratteln stellte, beantwortete gestern jedenfalls die Konzernzentrale bei New York. Diese rechtfertigt den Verzicht auf die Lohnerhöhung damit, dass man nach Ausbruch der Pandemie rasch Massnahmen zum Wohl der Angestellten habe vornehmen müssen. Es sei darum gegangen, «das finanzielle Wohlergehen unserer Organisation zu sichern». Deshalb habe man rasch die Ausgaben reduziert. Darüber seien die Betriebskommission und die Gewerkschaften informiert worden. Diese hätten sich «grossmehrheitlich» einverstanden erklärt.

Über Lohnerhöhung entscheide man nach Abklingen der Pandemie

In den vergangenen acht Monaten sei es so gelungen, finanziell stabil zu bleiben. In Europa, insbesondere auch in Pratteln, habe man alle Stellen aufrechterhalten können. Ob die Lohnerhöhung zu einem späteren Zeitpunkt doch noch eingeführt wird, will die Konzernleitung erst nach Abklingen der Pandemie entscheiden.

Das wird die Gewerkschaft Unia nicht befriedigen. Die stagnierenden Löhne erachtet sie angesichts nicht ersetzter Abgänge und gesteigerter Produktion als eine Lohnkürzung. In einer Mitteilung liess sie gestern verlauten: «Die Coronakrise bei bestem Geschäftsgang als Vorwand zu nehmen, um Löhne abzubauen, ist ein Schlag ins Gesicht aller Mitarbeitenden.»

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