Muttenz

Mittagstisch plötzlich doppelt so teuer – viele suchen nun nach privaten Alternativen

Für den Mittagstisch ihrer Kinder müssen gewisse Eltern ab dem kommenden Schuljahr 24 statt wie bisher 10 Franken bezahlen. (Symbolbild)

Für den Mittagstisch ihrer Kinder müssen gewisse Eltern ab dem kommenden Schuljahr 24 statt wie bisher 10 Franken bezahlen. (Symbolbild)

Für den Mittagstisch ihrer Kinder müssen gewisse Eltern ab dem kommenden Schuljahr 24 statt wie bisher 10 Franken bezahlen. Viele suchen nach privaten Alternativen.

In der Facebook-Gruppe «Muttenzer Mamis» geht es aktuell hoch zu und her. Vor wenigen Wochen sind die Rechnungen für das erste Semester des neuen Schuljahres für die Mittagstische eingetroffen. Mehrere Eltern wurden beim Öffnen des Briefes wie vom Schlag getroffen: Pro Mahlzeit und Kind müssen sie bei den gemeindeeigenen Mittagstischen neu 24 statt wie bisher 10 Franken bezahlen.

Viele Eltern suchen nun verzweifelt nach einer privaten Lösung, wo ihr Kind den Mittag mitsamt Essen verbringen kann. Grund für die massive Preiserhöhung ist der Systemwechsel von der Objekt- zur Subjektfinanzierung. Dieser war Teil der Revision des Reglements zur familienergänzenden Kinderbetreuung.

Systemwechsel sorgt für Frust

Subjektfinanzierung statt Objektfinanzierung bedeutet, dass die Gemeinde nicht mehr einzelne Standorte subventioniert – bei den Mittagstischen waren es drei –, sondern Eltern direkt Gutscheine zukommen lässt. Dies unabhängig davon, welchen Mittagstisch die Kinder besuchen. Denn mittlerweile bieten auch private Betreuungsinstitutionen Mittagstische an.

«Der gesamte Subventionskuchen bleibt der gleiche. Er wird einfach anders verteilt», erklärt Gemeinderätin Franziska Stadelmann (CVP). Sie könne den Frust der Eltern wegen der Preiserhöhung nachvollziehen. Viele Telefonate verzweifelter Eltern habe sie bekommen, bestätigt Stadelmann, und stellt klar: «Die Vollkosten betrugen schon immer 24 Franken. Nur subventionierte die Gemeinde jedes Kind pro Tag in den eigenen Mittagstischen mit 14 Franken.» Die Aufwandsüberschüsse der Gemeinde für die Mittagstische wuchsen seit Beginn im Jahr 2011 bis 2018 von knapp 60'000 Franken auf jährlich über 180'000 Franken an.

Die Anmeldezahlen für die drei Standorte der Gemeinde sind wegen des Preisaufschlags rückläufig. Ausschlaggebend dafür, dass derart viele Eltern davon betroffen sind, ist ein überraschender Entscheid der Gemeindeversammlung: Der ursprünglich in einer Arbeitsgruppe vereinbarte Grenzwert, der zu Subventionen berechtigte, wurde von einem steuerbaren Jahreseinkommen von 120'000 auf 100'000 Franken gesenkt. Das kostete viele Eltern den Anspruch auf Unterstützung. Vom Antrag der Gemeindekommission und dessen Annahme war auch Franziska Stadelmann überrascht worden.

Professionelle Betreuung kostet

Kein Wunder, wurden Stimmen laut, dass man die Kinder für einen Betrag von 24 Franken auch ins Restaurant schicken könnte. Stadelmann gibt aber zu bedenken, dass die Kosten eines Mittagstisches nicht nur das Essen, sondern auch die Betreuung ausmachen. «Und die ist professionell und soll auch professionell bezahlt werden.» Zeiten, in denen solche Aufgaben vorwiegend von Frauen gratis oder speziell günstig angeboten wurden, sollen vorbei sein.

Dies begrüsst auch Barbara Lorenzetti, Mutter, Mitglied der Muttenzer Grünen und aktive Teilnehmerin der Arbeitsgruppen rund um die familienergänzende Kinderbetreuung. Sie kann den Unmut der betroffenen Eltern verstehen, gerade bei mehreren Kindern. «Das geht dann schnell ins Geld. Viele können sich das nicht leisten.» Das Problem sei, dass viele Eltern den politischen Prozess gar nicht richtig mitbekommen hätten. «Dazu kam die Herabsetzung des Grenzwertes für viele überraschend», erklärt Lorenzetti.

Stark betroffen sind Lone und Thomas Güntert mit ihren Drillingen. Sie versuchen, sich nun privat zu organisieren. Er arbeitet nun sofern möglich von zu Hause aus. Der Vater fordert von der Gemeinde generell mehr Engagement für Familien. Auch Viola Rüegg ist als Mutter von der Preiserhöhung betroffen. Sie kündet politischen Widerstand an. Wahrscheinlich könne darüber aber erst an der Gemeindeversammlung im Herbst und nicht schon morgen Dienstag diskutiert werden. Rüegg stört sich vor allem an der spontanen Senkung des Grenzwerts von 120'000 auf 100'000 Franken. «Wenn es um eine Änderung zugunsten der Gemeinde geht, kann es schnell gehen. Alles andere aber braucht Zeit», findet er.

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