Frau Gschwind, was ist aus Ihrer Sicht das Entscheidende an der neuen Vereinbarung?

Monica Gschwind: Für mich ist zentral, dass die bikantonale Trägerschaft jetzt gesichert ist, sich Baselland ganz eindeutig zur Universität bekennt, und die Uni darauf zählen kann, auch weiterhin zwei Träger zu haben.

Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit. Das Ausstiegsszenario von Baselland aus der gemeinsamen Trägerschaft war doch nie mehr als taktisches Kalkül und politische Schaumschlägerei.

Doch, diese Frage mussten wir uns durchaus stellen. Der Ausstieg war ein realistisches Szenario. Baselland leistet ein riesiges finanzielles Engagement für die Universität. Dafür braucht es eine gute partnerschaftliche Grundlage. Nach den intensiven Verhandlungen sind wir heute viel weiter als noch vor zwei Jahren. Jetzt wollen wir die Uni
partnerschaftlich weiterentwickeln.

Gab es in der Verhandlungen eine Schmerzgrenze, ab der Baselland ausgestiegen wäre?

Es war ein langwieriger Verhandlungsprozess, in dem sich immer wieder Schmerzgrenzen ergeben haben. Letztlich war aber der Druck da, ein gemeinsames Ergebnis zu präsentieren. Am Ende der Verhandlungen gehen beide Seiten immer mehr Kompromisse ein als zu Beginn. Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, der für beide Seiten einen gangbaren Weg zugunsten der Universität aufzeigt und zu dem sich beide Kantone eindeutig bekennen.

Finanziell muss Baselland aber feststellen: Das Sparziel der Regierung von 25 Millionen Franken jährlich wird mit der neuen Leistungsvereinbarung nicht erreicht, ganz zu schweigen von den viel höheren Kürzungsforderungen der bürgerlichen Parteien.

Es kommt auf die Sichtweise an. 2016 und 2017 haben wir je 20 Millionen Entlastung aus dem Partnerschaftsabkommen erhalten, die nicht vorgesehen waren. Rechnet man diese Beiträge zur Periode bis 2019 hinzu, erreichen wir unser Sparziel vollauf; aufgerechnet bis 2021 ergibt sich eine kleine Minus-Differenz. Aber für mich ist die finanzielle Frage letzten Endes nicht mehr ausschlaggebend.

Sondern?

Ausschlaggebend ist, dass wir jetzt in der Frage der Governance, wozu die Wahl des neuen Universitätsratspräsidenten gehört, als Eigner gemeinsam gegenüber der Universität auftreten, gemeinsam die Neuausrichtung der Immobilienstrategie anpacken, die grosse Auswirkungen auf die künftige Finanzierung hat, und gemeinsam die Uni-Strategie 2030 ausarbeiten werden.

Reicht das, um den auf die finanziellen Aspekte fixierten Landrat von der neuen Vorlage zu überzeugen?

Das müssen Sie die Landräte fragen. Aber gerade die Fortschritte in der Frage der Governance werden auch im Landrat auf Anklang stossen, da bin ich mir sicher.

Provokant gesagt lautet der Kuhhandel so: Baselland stellt künftig den Universitätsratspräsidenten, dafür hat der Landkanton bei der Verteilung der Kulturpauschale nichts mehr zu melden.

Diese beiden Dinge darf man nicht miteinander vermischen. Für mich ist sehr wichtig, dass die Universität jetzt auch in Baselland als «unsere Uni» wahrgenommen wird. Hierfür ist es ein ganz wichtiges Zeichen, dass der Universitätsratspräsident auch mal aus dem Kanton Baselland kommt.

Aber eine offizielle Namensänderung gibt es trotzdem nicht: die Universität beider Basel.

Das wäre hoch problematisch, weil «Universität Basel» eine Marke von internationalem Rang darstellt. Eine Änderung könnte ich nicht empfehlen. Aber in den Herzen der Baselbieter muss ankommen: «Äs isch eusi Universität.» Dafür muss die Universität einen Beitrag leisten, und aufs Land hinauskommen.

Sie stellen die Universität als eigentlichen Sieger dieser Verhandlungen dar. Ist das angesichts des Sparauftrags nicht geschönt?

Selbstverständlich freut man sich nie über Sparmassnahmen. Aus unserer Sicht sind aber Einsparungen von 40 Millionen Franken in vier Jahren angesichts des Uni-Jahresbudgets von 700 Millionen ohne Qualitätsverlust möglich. Die Universität wird sich trotzdem weiterentwickeln können.  

Selbst der bisherige Uniratspräsident Ueli Vischer konnte sich am Montag die Bemerkung nicht verkneifen, dass die Verhandlungen zwischen den beiden Basler Regierungen «etwas lange gedauert haben».

Dafür sind viel weiter gekommen, als wir je gedacht hätten. Zu Beginn haben wir wirklich nur über die Finanzen geredet. Dann haben wir uns weiterentwickelt. Die Frage der Governance, und wie die beiden Eignerkantone künftig gegenüber der Uni auftreten, kristallisierten sich als ganz wichtige Themen heraus. Dafür musste zuerst ein gemeinsames Verständnis aufgebaut werden.

Die Rechte im Landrat wird bestimmt kritisieren, dass Sie nicht am Status der Volluniversität gerüttelt haben.

Uns ist wichtig, dass die Uni eine Volluniversität bleiben kann, aber mit einem Fokus auf den Life Sciences. Das soll für die restliche Schweiz und das Ausland sichtbar sein und zur klaren Marke werden.

Waren Sie persönlich stets vom Konzept der Volluniversität überzeugt?

Man darf sich bezüglich der Volluniversität schon Fragen stellen, aber diese Frage sollte man sich national stellen. Muss denn jede Schweizer Uni dieselben Fächer anbieten, oder sollte es mehr Spezialisierungen wie beispielsweise in St. Gallen mit den Wirtschaftswissenschaften geben? Wie schon gesagt, das ist eine nationale Frage, die nicht die beiden Basel alleine regeln können.

Was an der Präsentation der beiden Regierungen am Montag mit keinem Wort erwähnt wurde: Wie steht es um die stärkere Beteiligung der Nachbarkantone Aargau und Solothurn an der Basler Uni-Finanzierung?

Es ist richtig, wir hatten uns das ganz klare Ziel gesetzt, dass die Nachbarkantone Aargau und Solothurn stärker in die Finanzierung eingebunden werden sollen. Das ist gegenwärtig nicht möglich. Diese beiden Kantone haben uns eindeutig geantwortet, dass sie sich keine stärkere Mitfinanzierung der Basler Uni leisten wollen; auch deshalb nicht, weil sich beide Nachbarn auch stark zu den Uni-Standorten in Zürich und Bern hin orientieren.

Und die restlichen Kantone?

Die Haltung von Aargau und Solothurn ist stellvertretend für den Rest der Schweiz. Kein Kanton will mehr für die Universitäten ausgeben. Demnächst kommt die interkantonale Universitätsvereinbarung in die Vernehmlassung. In diesem Rahmen werden sich die beiden Basel eindeutig dahingehend äussern, dass sich die übrigen Kantone finanziell stärker an der Basler Uni beteiligen sollen.

Ist die stärkere Nachbarschaftsbeteiligung definitiv vom Tisch oder gibt es da einen neuen Anlauf?

Erst kürzlich haben wir die offizielle Antwort aus Aarau und Solothurn erhalten, dass sich beide Nachbarkantone nicht stärker beteiligen können und wollen. Somit ist das vom Tisch. Die nationale Diskussion hingegen muss noch geführt werden. Können weiterhin einzelne Trägerkantone die Universitäten finanzieren? Die Grundlagenforschung der Basler Uni kommt schliesslich der Gesellschaft im ganzen Land zugute, deshalb wäre auch eine stärkere finanzielle Beteiligung der übrigen Kantone angebracht.