Monica Gschwind setzt sich im Zimmer der Klasse 2 b im Primarschulhaus Arisdorf auf einen Hocker. Ein Junge springt von seinem Stuhl im Kreis auf und nimmt neben ihr Platz. Sie lächelt, ihre Körperhaltung ist noch angespannt. Der Junge weiss wahrscheinlich noch nicht, wer die Frau im leuchtenden, korallfarbenen Blazer neben ihm ist. Doch er strahlt sie freundlich an und begrüsst sie mit einem lauten «Hoi!». Dann widmet er seine Aufmerksamkeit wieder dem Roboter, der sich auf einem grossen, runden Teppich zwischen den 14 Schulkindern hin und her bewegt.

«Ich bin Robi Roboter. Wie heisst du? Kannst du deinen Namen in meiner Sprache sprechen?», sagt der Roboter jeweils, wenn er vor einem Kind anhält. Oder, wie in diesem Fall, vor einer Regierungsrätin. Sie blickt kurz zum Schüler, der neben ihr sitzt, und versucht, ihn dazu zu bewegen, die Frage des Roboters zu beantworten. Er scheint sie aber nicht aus der Situation retten zu wollen. Sie zögert kurz. «Ich-heis-se-mo-ni-ca-gschwind», antwortet sie schliesslich in gespielt monotoner Stimme. Die Klasse lacht. Gschwind lacht mit.

Schon die Jüngsten sollen sich mit der Berufswahl befassen

Die Regierungsrätin ist jedoch nicht nur wegen des Roboters in der Primarschule Arisdorf zu Besuch. Sie ist für den ersten Schultag vor Ort. Im Baselbiet sind gestern 2929 Kinder in die 1. Klasse eingetreten, 205 mehr als im Vorjahr. Auch diese Schüler seien nicht zu jung, um sich mit der beruflichen Orientierung auseinanderzusetzen. Deshalb spricht Monica Gschwind an der Medienkonferenz zum ersten Schultag über ebendieses Thema.

Wegen Megatrends wie der Digitalisierung seien das Bildungsangebot und die verschiedenen Berufe einer konstanten Veränderung unterworfen. «Das ist für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung», so Gschwind. Es sei deshalb besonders wichtig, die Schüler bereits in der Primarschule an die Berufs- und Arbeitswelt heranzuführen. Sie betont dabei, dass den Schülern für ihre berufliche Zukunft «buchstäblich alle Möglichkeiten» offenstünden.

Ein Ziel könne auf diverse Arten erreicht werden: «Ob über die Berufsmatura an die Fachhochschule, die Passerelle an die Universität oder über die Fachschule in eine Kaderposition – heute ist alles machbar», sagt sie. Dies habe sich jedoch noch lange nicht in den Köpfen von Schülern, Eltern und auch Lehrpersonen durchgesetzt. Auch Eltern und Lehrpersonen mit einzubeziehen sei daher zentral, so die Regierungsrätin.

Berufswunsch Polizist und Erfinder hoch im Kurs

Wie dies in der Primarschule geschehen soll, zeigt Gschwind an konkreten Beispielen auf, die im Fach «Natur, Mensch, Gesellschaft» bearbeitet werden: Die Schüler besuchen verschiedene Arbeitsorte und deren Umgebung, um so etwas über Berufe zu lernen und berichten anschliessend darüber.

Sie lernen ausserdem die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Hausarbeit, Erwerbsarbeit und Freiwilligenarbeit. Ziel sei, dass die Kinder einen spielerischen Zugang zu Arbeit und Beruf fänden. Dazu soll es ab dem Schuljahr 2020/21 neue Unterstützungsangebote für Primarschüler geben, verrät Gschwind.

Die Schüler der Klasse 2 b, die gestern ins neue Schuljahr gestartet sind, scheinen in der Berufswahl jedoch noch unschlüssig. Auf die Frage nach ihrem Berufswunsch sind die meistgenannten Antworten: «Polizist», «Erfinder» und «Keine Ahnung!»
Kelly Spielmann