Baselbiet

Monica Gschwind will die Kultur in den Landnischen stärken

Die Baselbieter Kulturdirektorin Monica Gschwind (ganz links) zieht Bilanz über ihre ersten 100 Tage in ihrem Amt als Vorsteherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion.

Die Baselbieter Kulturdirektorin Monica Gschwind (ganz links) zieht Bilanz über ihre ersten 100 Tage in ihrem Amt als Vorsteherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion.

Was bedeutet der neuen Baselbieter Kulturdirektorin Monica Gschwind Kultur? Wo möchte sie Akzente setzen? Erste Eindrücke nach ihrer ersten Pressekonferenz.

Wann sie zuletzt im Theater gewesen sei, wollte ein Journalist von der neuen Baselbieter Kulturdirektorin Monica Gschwind wissen. Sie könne sich nicht erinnern, antwortete sie, ihre Arbeitsbelastung sei nicht nur seit dem Amtsantritt als Regierungsrätin sehr hoch. Kurz darauf besann sie sich auf die Frage zurück und fügte hinzu, dass sie kürzlich bei «Jazz uf em Platz», einem Liederabend und dem Volksmusikfest dabei gewesen sei. «Ich habe ein breites Kulturverständnis.»

Monica Gschwind ist keine Operngängerin, keine Theater-Afficionada und wohl auch keine passionierte Besucherin von zeitgenössischen Kunstausstellungen. Und sie versuchte auch gar nicht erst, so zu tun, als ob sie etwas von dem sei. Denn so ist das generell bei Regierungsrätinnen und Regierungsräten: Sie müssen nicht zwingend etwas von ihrem Fach verstehen, zumindest nicht von Anfang an; sie werden gewählt und rutschen in die eine oder andere Direktion rein. Man wird Monica Gschwind noch etwas mehr Zeit geben müssen als die ersten 120 Tage im Amt, aus denen sie an der gestrigen Medienkonferenz erste Schlüsse zog.

Privatpassion entscheidet nicht

Immerhin stellte sie professionell fest, dass ihre eigenen Privatinteressen bei der Vergabe von Kulturgeldern keine Rolle spielten, keine Rolle spielen dürfen. Dafür gebe es klare Kriterien, dafür habe man bei den bikantonalen Fachausschüssen Expertinnen und Experten. Und dafür ist man jetzt auch dran, einen neuen Leiter oder eine Leiterin Kulturelles.bl auszumachen.

Monica Gschwind betonte auch, wie wichtig ihr die gute Zusammenarbeit mit Basel-Stadt sei. Darüber, dass sie die angedrohte Halbierung der Baselbieter Kulturgelder an zentrale Kultureinrichtungen auf Stadtboden wahrscheinlich nicht durchziehen muss, scheint sie erleichtert. Sie wüsste auch noch nicht, welchen der 16 betroffenen Institutionen sie in diesem Fall die Gelder streichen würde. «Das müssten wir noch sehr sorgfältig anschauen», sagte sie.

Doch obschon sie die kulturelle Partnerschaft mit Basel-Stadt lobt, macht Gschwind rasch deutlich, dass sie den Fokus künftig stärker auf die Landkultur legen möchte. Eine «schweizweite Ausstrahlung» habe die Römerstadt Augusta Raurica. Nun gelte es, auch weniger bekannte Baselbieter Kulturangebote bekannter zu machen. Namentlich erwähnte Gschwind das Kulturlokal Marabu in Gelterkinden, das Konzerthaus Biomill in Laufen und das ebenfalls dort ansässige Kulturzentrum Alts Schlachthuus. Sie wolle den Leuten besser vermitteln, dass es diese Orte gebe. Wie genau, dafür sei bald der Kulturchef verantwortlich.

Eigenproduktionen gestrichen

Gschwind spricht von «Vermittlung» und meint damit auf Nachfrage vor allem Bekanntmachung. «Eigenproduktionen» wie die Reihe Wintergäste – ein Kind des früheren Kulturchefs Niggi Ullrich – und das GPS Magazin würden eingestellt. Neben «Kulturinstitutionen wie das Kulturhaus Palazzo oder das Theater Roxy» sollen «auch Projekte der zahlreichen Chöre und Laientheater» unterstützt werden. Sogar mehr Geld als bisher soll in die regionale Filmförderung gesteckt werden. Inwieweit das Kunsthaus Baselland, das in ein neues Haus auf dem Dreispitzareal ziehen will, unterstützt werden könne, würde nun als Nächstes geprüft.

Nur noch halb so viel Geld

Unten durch muss das neue Theater am Bahnhof Dornach, das sich Neuestheater.ch nennt. Statt der mündlich von Ullrich zugesicherten 100 000 Franken aus Baselland an die erhöhten Betriebskosten sollen es nur 50 000 sein. Das entspreche immerhin dem Status quo, sagte Gschwinds Generalsekretär Severin Faller. Für das Theater, das kürzlich im neuen Gebäude Eröffnung feierte, dürfte das ein harter Schlag sein.

Monica Gschwind versprach, künftig besser zugänglich zu sein für Gespräche. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

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