Metzerlen

Mord am Ex-Gemeindepräsidenten: Nun soll Geld die Zungen lockern

Der brutale Raubüberfall von Metzerlen lässt die Öffentlichkeit – und die Medien – nicht los.

Neun Jahre nach dem tödlichen Raubüberfall in Metzerlen wird eine Belohnung von 10'000 Franken ausgesetzt.

«Si hei mi abegschlage.» Es waren die letzten Worte von Ivo Borer, bevor die Ambulanz das 71-jährige Opfer eines Raubüberfalls ins Basler Unispital überführte. Zwei Täter waren am Morgen des 14. März 2010 in das Haus in Metzerlen eingedrungen. Sie wussten, dass der Mann zu dieser Zeit allein war, glaubten, mit dem ehemaligen CVP-Gemeindepräsidenten leichtes Spiel zu haben. Doch Borer wehrte sich, kämpfte um sein Leben.

Blutüberströmt lag das Opfer am Boden, als es nach Stunden von seiner Frau entdeckt worden war. Als Zeuge konnte Borer nicht mehr befragt werden. Im Spital wurde er ins künstliche Koma versetzt, aus dem er nie mehr erwachte. Vier Monate später erlag er seinen schweren Kopfverletzungen.

Täter sollen einen Tipp erhalten haben

Neun Jahre lang hat die Solothurner Staatsanwaltschaft ermittelt, 80 Einvernahmen durchgeführt und 30 Rechtshilfegesuche gestellt. Im vergangenen Februar dann konnten die Ermittler verkünden, dass mittlerweile gegen sechs Personen eine Strafuntersuchung durchgeführt wird. Die Fährte soll zum osteuropäischen Verbrecher-Netzwerk Pink Panthers führen, das europaweit für zahlreiche Delikte verantwortlich sein soll. Zwei Personen befinden sich in Untersuchungshaft: eine 38-jährige Serbin und ein 39-jähriger Niederländer. «Bei ihnen besteht Flucht- oder Verdunkelungsgefahr», erklärt Jan Lindenpütz von der Solothurner Staatsanwaltschaft.

Das aber reicht den Untersuchungsbehörden nicht. «Bisherige Ermittlungen legen den Verdacht nahe, dass die Täter einen Hinweis erhalten haben, es gebe im Haus des Opfers etwas zu holen», sagt Lindenpütz. Diesen Informanten will die Staatsanwaltschaft nun ebenfalls schnappen. Die bisher festgenommenen Verdächtigen haben jedoch bis heute dichtgehalten.

Für Hinweise aus der Bevölkerung und aus dem Umfeld der Täterschaft setzen die Untersuchungsbehörden deshalb eine Belohnung von 10'000 Franken aus, was «nur sehr selten» vorkomme. Sie vermuten aber, «dass es Personen gibt, die darüber etwas sagen können, bislang aber nicht bereit waren, ihr Wissen den Strafverfolgungsbehörden preiszugeben». Lindenpütz: «Wir gehen davon aus, dass eine Belohnung von 10'000 Franken die Mitteilungsbereitschaft erhöhen könnte.»

Ausserdem haben die Ermittler den Verdacht, dass die Tätergruppierung weitere schwere Straftaten wie Einbrüche und Raubüberfälle in der Schweiz verübte. Auch in dieser Hinsicht gehen die Behörden davon aus, dass es Personen gibt, welche dazu nützliche Hinweise liefern können.

Wird der Überfall-Tod des Ex-Gemeindepräsidenten von Metzerlen noch aufgeklärt?

Wird der Überfall-Tod des Ex-Gemeindepräsidenten von Metzerlen noch aufgeklärt? (Februar 2019)

Vor fast neun Jahren wird ein Rentner in seinem Haus überfallen und brutal zusammengeschlagen. Nun wurde eine weitere Person verhaftet.

Noch fehlen einzelne Punkte bis zur Anklageerhebung

Ein erster Verdacht war bereits 2011 gegen einen 41-jährigen Serben vorgelegen. Doch dieser sass damals bereits in Frankreich im Gefängnis. Er wurde 2017 ausgeliefert. Im Hintergrund lief die Suche weiter. 2014 konnte die Staatsanwaltschaft eine Verbindung zwischen Opfer und dem Mittäter des verhafteten Serben herstellen. Um den Täterkreis nicht aufzuschrecken, war Vorsicht oberstes Gebot. 2018 schlugen die Behörden zu und schnappten in Holland den 39-jährigen Niederländer, der an die Schweiz ausgeliefert worden ist.

Im vergangenen Februar dann der nächste Erfolg: In Basel führte sie eine Hausdurchsuchung durch und nahm eine 38-jährige Serbin fest.

Sie soll im Hintergrund an dem tödlichen Raubüberfall mitgewirkt haben. Die Staatsanwaltschaft ging bisher nicht davon aus, dass die Beschuldigte selber am Tatort anwesend war. Daneben laufen Untersuchungen gegen einen 65jährigen und einen 39-jährigen Serben sowie eine 50-jährige Schweizerin.

Die Ermittlungen sind damit relativ weit fortgeschritten. Noch aber fehlten einzelne Elemente bis zu einer Anklageerhebung, sagt Lindenpütz. Daher ist noch offen, wann der Fall vor Gericht kommen wird.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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