Neubau

Münchenstein macht ernst – so hoch ist kein anderes Gebäude im Baselbiet

Auf dem Spengler-Park-Areal plant die Credit-Suisse-Anlagestiftung einen 100-Meter-Turm. Seine spezielle Gestaltung ist jedoch eine Herausforderung – nicht nur fürs Auge.

Es ist nicht ganz einfach, die Form des Hochhauses zu beschreiben, das sich schon in wenigen Jahren in den Münchensteiner Himmel schrauben soll. Der Sockel ist ein Dreieck – das Dach jedoch präsentiert sich als langgezogenes, leicht gekrümmtes Viereck. Dazwischen: 32 Stockwerke mit rund 150 Wohnungen.

«Die Form ist halt doch ein wenig speziell. Die muss man erklären.» Harry Gugger weiss, dass seine Schöpfung das konventionelle Aussehen von Hochhäusern sprengt. Der Architekt ging nochmals auf das Aussehen des Turms ein. Der Baugrund ist die Ursache, sagte Gugger am vergangenen Dienstag im Spengler Park, wo das Projekt den Medien präsentiert wurde. Das Hochhaus wird in eine Ecke im nordöstlichsten Rand des Spengler-Park-Areals eingepasst. Entlang der Bruderholzstrasse gibt es eine freie Parzelle, und die ist dreieckig.

Ab dem fünften Stockwerk steht das Hochhaus frei. Es kann sich ausbreiten. Kommt hinzu, dass die viereckige Form wirtschaftlicher ist: So haben die Planer mehr Möglichkeiten, die Wohnungen unterzubringen. Von ihnen wird es pro Stockwerk sechs Stück geben, solche mit 3,5 und 4 Zimmern, die meisten aber 2,5 Zimmer gross.

Landmark für Münchenstein

Vor allem hätte das Hochhaus mit der jetzigen Gestalt den Effekt, dass es im Gedächtnis haften bleibt. Im Architektenjargon: Es wäre eine Landmark. Das gefällt dem Münchensteiner Gemeindepräsident. «Der Gemeinderat begrüsst diese Form ausdrücklich», sagte Giorgio Lüthi am Dienstag. «Wir wollten gar kein normales Hochhaus.»

Auch ohne Drehung sticht der Turm heraus. 100 Meter hoch soll er werden, das verkündete die Gemeinde schon im Februar 2017, als sie das Projekt zum ersten Mal publik machte. Häufig schrumpfen Türme während des Planungsstadiums. Das war hier nicht der Fall. «Das Hochhaus braucht eine gewisse Höhe, damit es schlank wirkt», sagte Harry Gugger. «Ursprünglich waren sogar 120 Meter vorgesehen. Das war aber doch etwas zu gewagt.» Harry Gugger kennt sich mit Hochhausprojekten aus. Er war lange Jahre Partner des Büros Herzog & de Meuron, 2010 machte er sich selbstständig. Das Harry Gugger Studio mit Sitz in Basel realisiert Gebäude auf der ganzen Welt.

Investorin des Neubaus ist die Credit-Suisse-Anlagestiftung. Ihr gehört der Spengler-Park. Sie übernahm den Komplex, der zuvor als Logistikzentrum diente, im Jahr 2005. Die Anlagestiftung rechnet damit, dass der Bau 2021 oder 2022 beginnt, die Wohnungen wären frühestens 2023 bezugsbereit. Parkplätze hat es im bestehenden Parkhaus genug. Mit 100 Metern wäre der Spengler-Turm das höchste bewohnbare Gebäude im Kanton Baselland. Der Prattler Ceres-Tower ist 18 Meter kürzer. National läge der Spengler-Turm aktuell auf Rang 4, noch vor dem Sulzer-Hochhaus in Winterthur.

Die Credit-Suisse-Anlagestiftung beziffert das Investitionsvolumen für den Turm mit rund 100 Millionen Franken. Bei einem bestehenden Gebäudetrakt, dem ältesten aus dem Jahr 1972, steht eine Sanierung an, deren Kosten mit rund 60 Millionen Franken veranschlagt werden. Vorgesehen ist, dass der Bau aufgestockt wird. Eine Variante sieht vor, Einfamilienhäuser aufs Dach zu setzen.

Anwohner können mitreden

Die Bauherrschaft wie der Gemeinderat gaben sich zvuersichtlich, dass der Quartierplan Spengler-Park bereits an der September-Gemeindeversammlung vorgelegt werden kann. Das Mitwirkungsverfahren startet heute Donnerstag und dauert 30 Tage. 

Der Schattenwurf sei kein Problem, sagte Lüthi. Der falle vor allem auf die Gewerbeareale im Norden.

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