Solche Anfragen erhalten die SBB wohl nicht allzu oft. Münchenstein wollte den Bundesbahnen den Bahnhof abkaufen. Der Gemeinderat erhielt dann aber den Bescheid, dass das nicht ginge. Der Bahnhof sei nicht verkäuflich, teilten die SBB kürzlich mit – weder die Stationsgebäude noch die Areale davor. Genau diese hätte die Gemeinde aber gerne erworben. Denn sie wirft den SBB vor, das Gebiet zu vernachlässigen.

Zurück bleibt ein enttäuschter Gemeindepräsident. Giorgio Lüthi (CVP) schwebt für den Ortsteil Gstad Grosses vor. Im ehemaligen Arbeiterquartier liegen grosse Flächen brach, etwa das frühere Firmenareal von van Baerle. Mit einem attraktiven Bahnhof hätte Münchenstein ein schlagendes Argument, um gute Steuerzahler anzulocken. Doch das Bahnhofsareal kommt heute trist und unternutzt daher. Hier halten nur zwei Buslinien und die S-Bahn. Das Stationsgebäude ist verriegelt, ein Selecta- und ein Billett-Automat brummen alleine vor sich hin, die Gewerbegebäude in der Umgebung sind ebenfalls wenig einladend.

Die einzige Google-Bewertung zum Münchensteiner Bahnhof spricht Bände: «Bushaltestelle und sonst nichts.»

Giorgio Lüthi sagt, die SBB hätten gar kein echtes Interesse am Gebäude und am Abschnitt: «Der Bahnhof kommt vernachlässigt daher. Wir wollten das bereinigen.» Die Gemeinde hätte sich vor allem für die Zufahrtsstrasse interessiert, denn diese sei immer wieder gesperrt – für Lüthi ein unschöner Umstand.

Zuckerrüben statt Pendler

Die Strassensperrungen haben damit zu tun, dass der Bahnhof Münchenstein auch als Güterbahnhof dient, zum Beispiel für den Verlad von Zuckerrüben wie etwa im vergangenen September. «Während der Verladearbeiten war die Strasse manchmal tagelang gesperrt», sagt Lüthi. «Für Investoren ist so eine Situation natürlich nicht sonderlich attraktiv.»

Die SBB geloben Besserung. Man sei «grundsätzlich interessiert an einer Aufwertung, auch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde». Bereits hätten Mietinteressenten für das Bahnhofsgebäude angeklopft. «Spruchreif ist aber noch nichts.» Es handle sich um eine Nutzung im Erdgeschoss im Sinne eines Bistros, sagt Lüthi. «Dem steht aus unserer Sicht nichts entgegen.»

Das Gebiet Unter Gstad, auf dem sich das van Baerle-Areal befindet, gilt als Arbeitsplatzgebiet von kantonaler Bedeutung. Es ist eines von 27 solchen Gebieten im Baselbiet, die im kantonalen Richtplan aufgeführt sind. Kantonsplaner Martin Kolb sagt jedoch zur bz, es sei nicht vorgesehen, auch das Bahnhofs-Areal in das Arbeitsplatz-Gebiet Unter Gstad aufzunehmen.

Anderswo gehts vorwärts

Ganz in der Nähe des Bahnhofs ist aber eine Umnutzung im Gange, wie sie der Gemeinde fürs Bahnhofsareal vorschwebt. Auf der Parzelle vor der Heiligholzstrasse, die über das Eisenbahn-Trassee führt, ist ein Hochhaus mit insgesamt 80 Wohnungen geplant. Das Areal gehörte der Gemeinde. Im vergangenen Jahr verkaufte sie es der Bricks Immobilien AG aus Muri bei Bern. Bisher wurde die Parzelle als Lagerhalle und als Parkplatz genutzt.

Vorbild für Münchenstein ist wohl der Bahnhof Dornach-Arlesheim. Vor dem 2010 abgeschlossenen Umbau präsentierte sich dieser in desolatem Zustand, seither sind die Passagierzahlen aber stark gestiegen, die angrenzenden Quartiere erlebten einen Boom. Die Passagierzahlen spiegeln den Aufschwung. Die aktuellsten Daten über die durchschnittliche Tagesfrequenz stammen aus dem Jahr 2014, demnach wurde der Knotenpunkt Dornach-Arlesheim im Schnitt von 4800 Personen benutzt. Im Münchensteiner Bahnhof hingegen verloren sich pro Tag durchschnittlich 620 Personen.

Dass die Gemeinde doch noch Bahnhofsparzellen erwerben kann, ist unwahrscheinlich. Die SBB schreiben, man verfolge die Strategie, keine derartigen Areale zu verkaufen – das tue man prinzipiell nicht.