Eidgenössisches Schwingfest 2022

Muss das Eidgenössische verschoben werden? Organisatoren suchen wegen Corona Plan B

Matthias Hubeli ist der Geschäftsführer vom ESAF 2022 in Pratteln.

Matthias Hubeli ist der Geschäftsführer vom ESAF 2022 in Pratteln.

Vieles ist derzeit wegen Corona ungewiss. Die Organisatoren des Eidgenössischen Schwingfests 2022 in Pratteln arbeiten deshalb an einem Plan B. Immerhin besitzt der Grossanlass eine Vorlaufzeit von rund einem Jahr.

Man könnte meinen, die Kernaufgabe der Prattler Schwingfest-Organisatoren bestehe momentan vor allem darin, Sponsoren an Land zu ziehen. Im Monatsrhythmus werden auf der Homepage esaf2022.ch neue «Königspartner», Spender von Sachleistungen und Lieferanten präsentiert; ja sogar eine Immobilien-Holding, die einen zinslosen Millionen-Kredit zur Deckung laufender Ausgaben gewährt. Auch wurde soeben der auserkorene Sieger-Muni und sein Prattler Züchter vorgestellt, allerdings wegen der Pandemielage vorerst nur virtuell.

Sehnsucht nach Grossanlässen, die stattfinden

«Klar bedauern wir es, wenn Anlässe wie die Muni-Präsentation ausfallen müssen. Wir wollen schliesslich der Bevölkerung das Schwingfest näher bringen und müssen dafür jetzt andere Wege suchen», sagt Matthias Hubeli. Anderseits stellt der Geschäftsführer des Organisationskomitees fest, dass Corona dem Schwingfest in gewisser Weise sogar entgegenkomme. Gerade wegen der vielen ausgefallenen Veranstaltungen wachse die Sehnsucht nach Grossanlässen, die wieder stattfinden.

All die eingegangenen Sponsorenverpflichtungen zum jetzigen Zeitpunkt sind also kein Zufall: «Bei den Verhandlungen mit Partnern und Sponsoren können wir das Momentum zu unseren Gunsten nutzen. Ich erlebe momentan viele positive Gespräche und spüre das Bedürfnis, dass es nach all den Absagen endlich wieder Veranstaltungen gibt, an denen sich die Firmen präsentieren können», berichtet der 43-jährige Therwiler. Für seine neue Aufgabe hängte Hubeli vor zwei Jahren den Polizeiberuf und die Stützpunktleitung in Liestal an den Nagel.

Ende Sommerferien 2021 beginnt die entscheidende Phase

Aber wie steht es um den geplanten Austragungstermin vom 26. bis 28. August 2022? Bringt die schier unendlich scheinende Coronapandemie nicht langsam den ganzen Anlass in Gefahr? Noch geben sich die Organisatoren gefasst, obschon der Grossanlass eine Vorlaufzeit von rund einem Jahr besitzt, nachdem der definitive Durchführungsentscheid gefallen ist. Flaut die Pandemie bis zu den kommenden Sommerferien noch immer nicht ab, könnte es knapp werden.

«Wir haben keine eigentliche letzte Deadline definiert, ab der das Schwingfest verschoben werden müsste. Klar ist aber, dass wir Ende der Sommerferien 2021 in die entscheidende Phase eintreten, in der dann auch bauliche Massnahmen umgesetzt werden müssen», sagt Hubeli zum Zeitplan. Noch ist das Festgelände nahe der Hülftenschanz nicht erschlossen. So müssen Wasser- und Stromleitungen zuerst noch gezogen werden. Von Januar bis August 2021 wird eine Phase der Detailplanung vorausgehen.

Zukunft des gesamten Schwingsports ist kritisch

Immerhin wurde mit dem Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) ein «gewisser Spielraum» vereinbart, was den definitiven Durchführungsentscheid angeht. «Eine Verschiebung um ein Jahr auf 2023 wäre in jedem Fall möglich. Wir hoffen aber nach wie vor, dass das Schwingfest termingerecht stattfinden kann», sagt Hubeli.

Düsterer, da zeitlich drängender, sieht es um die unmittelbare Zukunft des gesamten Schwingsports aus. In diesem Jahr sind alle grossen Kranzfeste wegen Corona ausgefallen. Für die Aktiven herrscht bis auf weiteres sogar Trainingsverbot, da die Schwinger nicht unter die Ausnahmeregelung für Profisportler fallen. Hier und da wird bereits um die Zukunft des gesamten Schwingsports gefürchtet, sollten frustrierte Nachwuchskräfte dem Traditionssport den Rücken kehren.

Die Bösen werden langsam ungeduldig

«Im März oder spätestens April 2021 müsse es wieder losgehen, «sonst wird es tragisch». Dies stellte Benno Patt, der Präsident des Bündner Schwingerverbands, kürzlich in einem Interview in der «Südostschweiz» fest: «Es ist für die Athleten wichtig, dass sie wieder Wettkämpfe bekommen – allenfalls halt ohne Zuschauer. Noch ein Jahr ohne Schwingfeste, das gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.»

Damit spricht Patt die aktuelle Kontroverse um «Geisterschwingfeste» an, die der Eidgenössische Schwingerverband für 2021 als Variante ins Spiel gebracht hat. ESV-Geschäftsführer Rolf Gasser drückt es im Nachrichtenportal «Nau.ch» ebenso deutlich aus: «Es muss uns gelingen, Schwingfeste zum Wohle des Schwingens 2021 ‹ghoue oder gstoche› durchzuführen.» Denn das sportliche Worst-Case-Szenario wäre, wenn die «Bösen» nach zwei Jahren Zwangspause ohne Wettkampferfahrung in die Saison des Eidgenössischen 2022 in Pratteln steigen müssten.

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