Dort, wo einst die Rennbahnklinik und das Möbelhaus Hubacher standen, werden künftig Familien, Studierende und Senioren in einem breiten Wohnungsmix zur Miete leben. In den drei Baukörpern sind 170 Wohnungen für rund 350 Personen und einzelne Geschäftsräumlichkeiten geplant. Die Gebäude werden zwischen zehn und 30 Metern hoch.

Der dafür nötige Quartierplan war an der Fortsetzung der Muttenzer Gemeindeversammlung unbestritten. Zu reden gab aber das Reglement zur Anzahl Parkplätze. Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP) verkündete zufrieden, dass der Baselbieter Regierungsrat kürzlich per Verordnung erlassen hat, dass Gemeinden die Mindestanzahl Parkplätze bei Quartierplanverfahren herabsetzen können, falls dies einem Verkehrs- und Mobilitätsgutachtens entspreche.

Dies wurde vor allem von Unterbaselbieter Gemeinden seit Jahren gefordert, weil die bisherige Baselbieter Regelung mit der vorgeschriebenen Mindestanzahl Parkplätze Investoren einschränke. Gemeindekommissionsmitglied Daisy Marti (CVP) wollte den neuen Passus ins Quartierplanreglement nicht einfliessen lassen. Im Namen der FDP, deren Kommissionsmitglieder in corpore abwesend waren, beantragte sie zudem erfolgreich die Streichung einer Passage im Reglement, wonach sich die Anzahl Abstellplätze an den minimalen Vorgaben orientieren solle.

Ein parkiertes Auto habe noch nie ein Kind getötet

Marti wehrte sich generell gegen die Kritik an der bestehenden Parkplatzgesetzgebung im Kanton. «Ein parkiertes Auto verursacht keinen Suchverkehr und hat noch nie ein Kind getötet.» Die neue Regelung des Regierungsrates sei investorenfreundlich, entgegnete Gemeinderat Jourdan. Die neue Regelung wurde mit grossem Mehr ins Reglement übernommen.

Zu Beginn der Versammlung ergriff Daisy Marti im Namen der Gemeindekommission das Wort. Ausführlich rechtfertigte sie das Stimmverhalten der Kommission am Dienstag, als sie bis auf Präsident Markus Brunner ihren eigenen Entscheid, die Erneuerung des Kunstrasens aus der Investitionsrechnung zu streichen, kippte.

Es sei kein gutes Bild der Gemeindekommission entstanden, erklärte Marti und kritisierte direkt die Berichterstattung der bz, die den Meinungsumschwung der Kommission als «merkwürdig» bezeichnet hatte. Der Budgetausschuss der Gemeindekommission habe aufgrund der geringen Priorität den Kunstrasen aus der Investitionsrechnung streichen wollen. Die gesamte Kommission folgte diesem Antrag, auch wenn die Gemeinderäte Alain Bai (FDP) und Joachim Hausammann (Grüne) mehrfach auf den schlechten Zustand des bestehenden Kunstrasens hingewiesen hatten.

Der Kunstrasen sei tatsächlich in desolatem Zustand

Erst nachdem die Gemeindekommission die Streichung offiziell beantragt hatte, nahm eines ihrer Mitglieder einen Augenschein vor Ort vor und vermeldete, der Kunstrasen befinde sich tatsächlich in einem «desolaten Zustand». «Die Gemeindekommission hat ihren Entscheid mit den vorliegenden Grundlagen gefällt», rechtfertigte sich Mitglied Marti.

Für sie wohl überraschend ergriff nach ihr Gemeinderat Alain Bai das Wort und erinnerte Marti daran, dass er die Kommission bereits im September über das Investitionsvorhaben informiert und ihre Mitglieder sehr wohl genügend Zeit gehabt hätten, sich noch vor ihrem Entscheid zur Streichung des Kunstrasenkredits über 500 000 Franken ein Bild vor Ort zu machen.