Nach dem Hochwasser

Muttenzer Gemeindepräsident: «Die Bevölkerung erwartet jetzt Signale von uns»

Der Dorfkern von Muttenz wurde am Samstagnachmittag das zweite Mal innerhalb von sechs Wochen geflutet. Keystone

Der Dorfkern von Muttenz wurde am Samstagnachmittag das zweite Mal innerhalb von sechs Wochen geflutet. Keystone

Die heftigen Regenfälle am Wochenende trafen Muttenz erneut hart. Nach der Verwüstung, die die Unwetter an Pfingsten anrichtete, müssen die Muttenzer erneut aufräumen. Der Gemeinderat erwägt Sofortmassnahmen.

Der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt kann es kaum fassen: «Ich bin in Muttenz aufgewachsen. Aber zwei solche Hochwasser wie jetzt innerhalb von sechs Wochen habe ich noch nie erlebt. Da fühlt man sich machtlos.»

Die erste Flut überschwemmte Muttenz an Pfingsten, die zweite am Samstagnachmittag. Die sintflutartigen Niederschläge machten all die kleinen Wässerlein im Gebiet Egglisgraben-Schönmatt zu reissenden Bächen, der Dorfbach konnte die Wassermassen nicht fassen und überschwemmte das «Epigebiet», so Vogt, Gempengasse-Oberdorf und danach die Hauptstrasse bis zum Kreisel beim Coop.

Vogt will Gas geben

Was Vogt besonders frustriert: «Es hat wieder genau die Gleichen getroffen wie an Pfingsten. Sie haben zum Teil eben erst neue Heizungen und Waschmaschinen installiert, die sie jetzt wieder auswechseln müssen.» Im «Epizentrum» waren das Keller und Wohnräume vor allem von Einfamilienhäusern, an der Hauptstrasse auch diverse Geschäfte.

So auch wieder das Brauthaus Plüss, das am Tag des Wiedereröffnungs-Apéros erneut geflutet wurde, wie der Baselbieter Polizeisprecher Roland Walter sagte.

Hochwasser zerstört zweimal hintereinander Brauthaus

Hochwasser zerstört zweimal hintereinander Brauthaus

   

Insgesamt habe es am Samstagnachmittag mehrere 100 Notrufe gegeben. Allein 80 Meldungen seien aus Muttenz gekommen, wo 130 Helfer im Einsatz standen. Als zweites Schwerpunktgebiet bezeichnet Walter den Raum Sissach-Gelterkinden, von wo 50 Meldungen eingingen.

Also wieder Muttenz, wo das Pfingst-Hochwasser mittlerweile zu einem Politikum geworden ist. Dies, weil ein schon mehrere Jahre altes Projekt, das die Wasserableitungskapazität des Dorfbachs wesentlich erhöhen soll, noch nicht umgesetzt wurde. Vogt hat bereits vor dem neusten Hochwasser angekündigt, dass der Baustart im Spätherbst erfolge. Doch das ist nicht mehr sakrosankt. Vogt: «Ab Montag erfolgt die vierwöchige Planauflage. Wenn keine Einsprachen eingehen, erwägt der Gemeinderat, den Baustart vorzuziehen.»

Vogt will heute Montag auch mit dem Kanton Kontakt aufnehmen, um weitere Hochwasser-Schutzmassnahmen zu diskutieren. Denn die Massnahmen beim Dorfbach alleine genügten nicht. Vogt denkt an Verbauungen bei den kleinen Bächen im Naherholungsgebiet und im Wald ob Muttenz. Das Thema werde auch an der nächsten Gemeinderatssitzung am Mittwoch diskutiert: «Die Bevölkerung erwartet jetzt Signale von uns.»

Die Schadenssuppe finanziell auslöffeln muss die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung. Die Frage deshalb an deren Direktor Bernhard Fröhlich, ob er Muttenz in Anbetracht der Häufung der Hochwasserschäden nun noch zusätzlich Beine machen will? Fröhlich antwortet: «Das Projekt mit den Präventionsmassnahmen ist bereit. Muttenz weiss, dass es vorwärtsmachen muss.» Einfach immer wieder Schäden zu zahlen, gehe nicht und wäre auch ungerecht jenen gegenüber, die die Hausaufgaben gemacht hätten.

Hochwasser kosten 25 Millionen

Die Gebäudeversicherung schaltete gestern Sonntag das Telefon frei und musste laut Fröhlich gegen 300 Schadensmeldungen vor allem aus Muttenz, Pratteln, Sissach, Gelterkinden, Ormalingen und Zeglingen entgegennehmen; Fröhlich rechnet mit bis zu 700 Schäden mit einer Summe zwischen fünf und sieben Millionen Franken. Zusammen mit den Hochwasser-Schäden von Pfingsten und jenen der vergangenen Tage ergebe das eine Summe von bis zu 25 Millionen Franken. Zum Versicherungsjahr 2016 kann Fröhlich deshalb schon heute sagen: «Das wird wesentlich schlechter als jenes von 2015.»

Land unter im Baselbiet

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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