Altersheim Zum Park

Muttenzer Senioren ziehen in einen «Container» auf der Grossbaustelle

Die Bauprofile für das dreistöckige Provisorium stehen gleich neben dem roten «Haus A». Rechts hinten das aktuelle Hauptgebäude des Altersheims «Zum Park» in Grau, das durch einen Neubau ersetzt wird.

Die Bauprofile für das dreistöckige Provisorium stehen gleich neben dem roten «Haus A». Rechts hinten das aktuelle Hauptgebäude des Altersheims «Zum Park» in Grau, das durch einen Neubau ersetzt wird.

Die Bewohner des Altersheims «Zum Park» haben für zwei Jahre kein eigenes WC, dafür grössere Zimmer: Während für 55 Millionen ein Neubau entsteht, müssen sie umziehen – in ein Provisorium mitten auf der Grossbaustelle.

Acht Stockwerke, ein dreiflügeliger Bau, der an die Rotorblätter eines Helikopters erinnert, 100 Pflegebetten in geräumigen Einzelzimmern: Der Neubau des Alters- und Pflegeheims «Zum Park» soll Muttenz ab 2016 nicht nur mehr Pflegebetten bringen, sondern auch optisch eine Duftmarke setzen. Doch da das 55-Millionen-Projekt am selben Ort stehen soll wie das jetzige Hauptgebäude mit seinen 74 Betten, braucht es ein Provisorium. Im aktuellen Amtsblatt des Kantons Baselland wurde nun das Baugesuch der Bauherrin «Verein für Alterswohnen Muttenz» publiziert, und seit einigen Tagen stehen die Profile an der Tramstrasse, die die Dimensionen des Modulbaus aufzeigen. «Das Provisorium beschäftigt unsere Bewohner mittlerweile mehr als der Neubau», sagt denn auch Heimleiter Beat Brunner.

2016 soll der Neubau stehen

171 Container mit 69 Einzelzimmern werden im kommenden November und Dezember durch die DM Bau AG aus Härkingen aufgebaut. Mitte Januar 2014 soll dann der Umzug der Heimbewohner in nur zwei Wochen abgewickelt werden. Somit liegt man bereits deutlich hinter dem ursprünglichen Zeitplan, der den Umzug für 2013 und die Fertigstellung des Neubaus für 2015 vorgesehen hatte. Denn zwei Jahre wird der Bau des «Helikopters» mindestens benötigen. Brunner: «Das ist bereits ein sehr sportliches Ziel. Es darf keine Verzögerungen durch Einsprachen geben.»

Der Heimleiter spricht bei der Übergangslösung lieber von 171 Wohnmodulen denn von Containern, da dies «die falschen Vorstellungen wecken könnte». Und tatsächlich: Die Eckdaten klingen beeindruckend. Je 23 Zimmer auf drei Stockwerken, auf jedem Stock ein Aufenthaltsraum, dazu Lagerräume, eine Grossküche und Platz für die Warenanlieferung. Jedes Zimmer wird 19 Quadratmeter gross. Für zwei Drittel der Umziehenden bedeutet dies eine Steigerung um sechs Quadratmeter, nur ein Drittel muss auf deren drei verzichten. «Dass wir wie im alten Gebäude auch im Provisorium ausschliesslich Einzelzimmer bieten können, ist keineswegs selbstverständlich», betont Brunner. Dies im Wissen, dass «es bei Doppelzimmern wohl ziemlich Gegenwind gegeben hätte».

Lediglich WCs auf dem Gang

Dennoch: Gewisse Abstriche müssen die Bewohner durchaus in Kauf nehmen. Am gravierendsten ist dabei, dass die Zimmer keine eigene Toilette besitzen, sondern nur ein Waschbecken. Stattdessen wird es pro Stockwerk jeweils zwölf Toiletten auf dem Gang geben. «Wir wissen, dass das nicht optimal ist», sagt Brunner. Man habe allerdings mehrere vergleichbare Provisorien besichtigt und festgestellt, dass sich die Heimbewohner gut daran gewöhnen. «Und sonst werden wir notfalls mit WC-Stühlen arbeiten.»

Die Modulbauten bieten zudem keinen Speisesaal, auch gibt es weniger Mehrzweckräume für Aktivierungsübungen. Doch Brunner ist zuversichtlich und hat schon Alternativen im Kopf: «Dann machen wir im Sommer eben mehr Ausflüge.» Und statt des Speisesaals werde die Cafeteria im «Haus A», das mit seinen 38 Betten bestehen bleibt, neu den ganzen Tag geöffnet bleiben.

Baustelle unterhält die Bewohner

Auch der Tatsache, dass die Heimbewohner während mindestens zweier Jahre inmitten einer Grossbaustelle leben müssen, gewinnt Brunner etwas Positives ab: «Für viele ist es beste Unterhaltung, dem Treiben auf der Baustelle zuzuschauen.» Deswegen richtet das Heim die Fenster der Aufenthaltsräume sogar extra nach der Baustelle aus. «Ich finde es ja selbst verblüffend, wie wenig all die Veränderungen unsere Bewohner stören.» Die Abstriche seien oft für die Angehörigen ein viel grösseres Problem. Da habe das Heim viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Letztlich müsse man auch dankbar sein, dass das Provisorium im Park entsteht. Brunner: «Wir haben auch die Rennbahnklinik und sogar Birsfelden als Standort geprüft. Das wäre weitaus unkomfortabler gewesen.» Überhaupt seien vor einem Jahr die Ängste vor dem Provisorium noch viel grösser gewesen. Heute überwiege die Vorfreude auf den Neubau.

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