Feldreben-Areal

Muttenzer sind gegenüber Flüchtlingszentrum positiv eingestellt

Auf der ehemaligen Deponie Feldreben sollen bald Flüchtlinge leben.

Auf der ehemaligen Deponie Feldreben sollen bald Flüchtlinge leben.

An der Gemeindeversammlung in Muttenz herrschte am Dienstag grosser Andrang: Rund 270 Einwohner und das Lokalfernsehen waren zugegen und gespannt darauf, was der Gemeinderat zum geplanten Registrierzentrum für Flüchtlinge zu sagen hatte.

Schon im Bus ist zu spüren, dass der heutigen Gemeindeversammlung besondere Aufmerksamkeit gilt. Normalerweise gehe sie nicht an derartige Veranstaltungen. Aber nach dem Artikel in der bz vom Dienstag wolle sie hören, was der Gemeinderat zu sagen habe. Die ältere Dame steht in Muttenz mit ihrer Neugier und Unsicherheit bei weitem nicht alleine da. Gemeinsam mit weiteren rund 270 Einwohnerinnen und Einwohnern hat sie sich im grossen Saal des Konferenzzentrums Mittenza eingefunden.

Selbst das Lokalfernsehen hat in den Räumlichkeiten seine Kameras aufgestellt. «Doch ob sie hier filmen dürfen, entscheiden Sie», sagt Gemeindepräsident Peter Vogt (CVP) zur Bevölkerung. Die Stimmberechtigten sprechen sich grossmehrheitlich dafür aus, dass die Versammlung aufgezeichnet werden darf. Das Interesse am geplanten Registrierungszentrum für Flüchtlinge auf der ehemaligen Deponie Feldreben ist über Muttenz hinaus gross. «Eigentlich hätten wir an der Gemeindeversammlung erstmals über das Projekt informieren wollen», erklärt Vogt. Aufgrund einer Indiskretion seien die Pläne jedoch schon einige Stunden zuvor publik geworden. Wo sich das Leck genau befinde, entziehe sich seiner Kenntnis.

Wohlwollen, aber auch Einwände

So ist es denn auch die Tatsache, dass sie durch die Medien vom grössten Flüchtlingszentrum der Schweiz in ihrer Gemeinde erfahren mussten, die für Unverständnis sorgt. Der Einrichtung an sich steht ein Grossteil der Bevölkerung wohlwollend gegenüber. Ein Herr meint, dass er es «positiv findet, dass das Projekt geprüft wird». Die Menschen seien auf der Flucht und es sei richtig, ihnen zu helfen, lautet der Konsens.

Nichtsdestotrotz äussern die Anwesenden auch Vorbehalte gegen die Errichtung des Zentrums. Ob der Standort Feldreben denn überhaupt für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet sei, will eine Einwohnerin wissen. Der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi beruhigt sie daraufhin und teilt mit, dass das Areal sicher sei und man keine Asbestbelastung festgestellt habe.

Ein Muttenzer möchte erfahren, wie das Sicherheitskonzept aussehe. Obwohl er dazu noch keine genauen Angaben machen kann, antwortet Jens Schindelholz, Leiter des kantonalen Bevölkerungsschutzes, dass das Staatssekretariat für Migration, die Kantonspolizei Baselland und die Gemeinde Muttenz involviert seien.

Die vorhandene Angst vor einer grossen Anzahl von Flüchtlingen auf den Strassen kann Rolf Rossi ein wenig entkräften. «Wir reden lediglich von zwei Wochen, in denen diese Personen bleiben.» In der Regel sei es so, dass die traumatisierten Flüchtlinge froh seien, einige Tage Ruhe zu haben. «Diese Menschen haben nicht gross Lust, in Muttenz auszugehen.»

Entlastung für vier Jahre

Während der vorgesehenen Betriebszeit des Zentrums von zwei Jahren werde die Gemeinde Muttenz von der normalen kantonalen Aufnahmequote für Flüchtlinge entbunden. Aber auch in den beiden Jahren nach der Schliessung soll die Gemeinde diesbezüglich entlastet werden, so Rossi. Genaue Zahlen bleibt er aber schuldig.

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