Es war eine mysteriöse Geschichte, die sich im Juni 2017 im Keller des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) in Liestal abspielte. Beteiligt waren drei Angestellte: Zwei Männer und eine Frau, es endete mit einer Hautrötung auf der linken Wange der Frau. Dazu kam eine leichte Verletzung an der Nase, weil die Frau laut Staatsanwaltschaft beim Gang aus der Dusche eine Sonnenbrille trug. Ursache der Verletzung: vermutlich eine Ohrfeige.

Warum die Sonnenbrille?

Eigentlich hatte die Frau ihren freien Tag, die zwei Männer allerdings nicht. Der Sinn der Sonnenbrille offenbarte sich auch am Montag im Gerichtssaal in Muttenz nicht, zumal die Frau als Privatklägerin sowie ihre Anwältin nicht an der Gerichtsverhandlung teilnahmen. Hingegen erschien einer der Männer, nämlich der 50-jährige Ex-Freund der Privatklägerin. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm wegen einer Tätlichkeit einen Strafbefehl geschickt, er soll der Frau damals im Vorraum der Duschen eine Ohrfeige verpasst haben. Die Busse von 200 zog er allerdings vor Gericht.

Er habe die Beziehung Ende 2015 beendet, betonte er am Montag im Gerichtssaal. Im Sommer 2017 sei er dann im Keller bei einer Rauchpause gewesen, als ein Arbeitskollege und danach seine Ex-Freundin aus der Dusche kamen. «Ich sagte ihr, dass ich es nicht gut finde, wenn sie mit einem verheirateten Familienvater in der Dusche rummacht», erklärte der Mann vor Gericht. «Was geht Sie das denn an?», fragte Roth. «Nichts, aber ich fand es nicht gut.»

Die Tätlichkeiten stritt er ab. Er konnte sich auch nicht erklären, wie die Frau zu ihren Verletzungen gekommen ist. «Auch nach dem Ende der Beziehung ging es ihr um die Aufmerksamkeit», meinte er. Früher hatte er mal angedeutet, sie könne sich die Verletzungen auch selber beigebracht haben. «Vielleicht ist sie auch ausgerutscht.»

Der 50-Jährige hatte schon eine halbe Stunde zuvor eine Rauchpause im Keller gemacht. Warum er kurz danach schon wieder im Keller stand, beantwortete er widersprüchlich. Als er den anderen Mann aus der Dusche kommen sah, habe er dann schon nachsehen wollen, ob sich sein Verdacht bestätige, gab er zu. Früher hatte er gegenüber der Staatsanwaltschaft angegeben, er habe in der Dusche Wasser trinken wollen.

Der Ex-Freundin nachgestellt

Einzelrichterin Monika Roth beurteilte die Aussagen des Mannes als völlig unglaubwürdig. «Es ist offensichtlich, dass Sie ihr nachgestellt haben. Sie wussten bereits, mit dem anderen Mann ist etwas im Busch, dann wollten Sie nachsehen. Dass Sie Wasser trinken wollten, das können Sie dem Fährimaa erzählen», so Roth.

Die Gerichtspräsidentin verdoppelte gar die Busse auf 400 Franken. «Die Frau hatte im Gesicht sichtbare Verletzungsfolgen. Damit sind wir eher an der oberen Skala dessen, was noch als Tätlichkeit gewertet werden kann», sagte Roth. Auch habe er die Integrität der Frau am Arbeitsplatz beschädigt und eine ziemliche Überheblichkeit demonstriert. «Sie sind nicht Moralinstanz», sagte Roth.

Nebst der Busse haben sich die Kosten inzwischen auf 1500 Franken summiert. Verlangt der Verurteilte ein schriftliches Urteil, kommen noch weitere 500 Franken dazu, und dann wird sich das Kantonsgericht mit der Sache befassen müssen. Der 50-Jährige hat sich inzwischen versetzen lassen. Aus Karrieregründen, wie er betonte.