Flugtage

Nach 15 Jahren hebt Wittinsburg wieder ab

Vor 15 Jahren – die bisher letzten Wittinsburger Flugtage von oben. ZVG

Vor 15 Jahren – die bisher letzten Wittinsburger Flugtage von oben. ZVG

Trotz des Flugunglücks in Dittingen finden heuer Flugtage statt: Nach 15 Jahren Pause will der Verein Flugtage Wittinsburg die Tradition im August wiederaufleben lassen.

«Bitte anschnallen», heisst es in Wittinsburg bald wieder. Vom 20. bis 21. August finden nach 15 Jahren wieder Flugtage statt. Der 2015 gegründete Verein Flugtage Wittinsburg will die Tradition der Flugtage fortführen. Das Organisationskomitee um Präsident Christoph Zumbrunn ist mit den Vorbereitungen auf Kurs, wie die «Volksstimme» letzten Freitag schrieb. Das OK stellt Infrastruktur und Rahmenbedingungen bereit. Anstelle einer Festwirtschaft im Zelt wie vor 15 Jahren, sorgen heuer 14 Vereine für verschiedene Beizen. «Es wird ein bisschen wie ein Dorffest», sagt Zumbrunn.

Oldtimer und Fly-in

Obwohl der motorisierte Flugbetrieb erst am Samstag beginnt, sorgt der Segelflugbetrieb am Abend davor für Laune. Es wird verschiedene Oldtimer zu sehen geben. Die Segelfluggruppe Basel Fricktal wird Passagierflüge mit zwei Oldtimersegelflugzeugen vom Typ «Röhnlerche» durchführen. Erstmals werden die Segelflugzeuge mit Seilwinden aufgezogen. Passagiere können also von dort starten – bisher wurde vom Flugplatz Fricktal-Schupfart gestartet. Die Piste wurde von 250 auf 400 Meter verlängert.

Am Boden wird ein «Grunau Baby»-Modell ausgestellt. Damit knüpfen die Flugtage an die Vergangenheit an. «In den 30er-Jahren begann die Segelfluggruppe Sissach unter anderem mit dem Grunau Baby», erzählt Zumbrunn. Eine weitere Neuerung ist das sogenannte «Fly-in». Zumbrunn erklärt: «An diesen zwei Tagen können uns alle, die interessiert sind und ein Flugzeug haben, besuchen.» Es funktioniert allerdings nicht wie beim «Drive-in». Piloten müssen sich zuvor anmelden und einen Test sowie ein Briefing absolvieren. Erstmals wurden die Flugtage am 9. September 1934 durchgeführt. Danach fand der Anlass in loser Folge statt – heuer wird er zum 12. Mal durchgeführt. Das OK sucht Fotos der Flugtage des Jahres 1974 und früher. Die Bilder werden digitalisiert und auf der Homepage www.flugtage-wittinsburg.ch veröffentlicht.

Schärfere Sicherheitsvorschriften

Dass die Wittinsburger Flugtage ein Jahr nach dem Flugunglück in Dittingen stattfinden, sei Zufall, sagt Zumbrunn. «Die Planung begann Jahre zuvor. Aufgrund des Dittinger Vorfalls erhöhte das Bundesamt für Luftfahrt (Bazl) die Sicherheitsvorschriften.» Primär betreffe es das Flugprogramm. Der Verein erstellte eine Risikoanalyse, welche vom Bazl noch genehmigt werden muss. Der Entscheid soll in den nächsten Wochen fallen. Die Flugrouten hat Nio Heller, Ressortchef Flugbetrieb, «designt». Heller ist seit 35 Jahren Berufspilot und ehemaliger Bazl-Experte. Er ist erstmals an den Wittinsburger Flugtagen beteiligt, aber organisierte mehrfach Flugtage ausserhalb eines Flugplatzes. «Die Abflugrouten führen absolut nicht über das Dorf», betont Heller. Die Landeanflüge allerdings schon. «Aber das ist vom Lärm und der Umwelt her weniger problematisch.» Der Bazl-Entscheid steht noch aus. Wichtiger sei die Risikoanalyse – «der Rest ist dann das Finetuning», sagt Heller.

Schäden in Dittingen behoben

Für Urs Winkelmann, an den Dittinger Flugtagen zuständig für Werbung und Medien, ist es kein Problem, wenn ein Jahr nach dem Unglück Flugtage in Wittinsburg stattfinden. «Ich finde das gut. Es wird immer wieder Flugtage geben.» Im Dorf sind die Schäden mittlerweile behoben. Die Geschädigten vier Parteien beauftragten die Handwerker. Da sich die Versicherungen noch nicht geeinigt haben, wurden 50'000 Franken von der Segelfluggruppe bereitgestellt «für eine unbürokratische Behebung der Schäden an Privateigentum», sagt Winkelmann.

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