Artenschutz

Nach 50 Jahren vollendet der Amphibienmeister sein Lebenswerk

Die Biotope in Allschwil wurden durch zusätzliche künstliche Weiher vernetzt.

Die Biotope in Allschwil wurden durch zusätzliche künstliche Weiher vernetzt.

Der Oberwiler Heinz Durrer baute 20 geschützte Biotope für Amphibien rund um Basel auf. Die «grünen Regiobogen rund um Basel» wurden im Laufe der Jahrzehnte mit der Unterstützung seiner Studenten und Doktoranden gebaut.

Sieben kleine Tümpel in Beton: Heinz Durrer steht vor der Vollendung seines Lebenswerkes. Was so unscheinbar wirkt hier, auf der Hinteren Alme an der Gemeindegrenze zwischen Oberwil und Allschwil, wo der westliche Dorenbach entspringt, ist aus der Vogelperspektive das letzte Mosaiksteinchen in einem Netz von Biotopen für Amphibien und Insekten, das Durrer in den vergangenen 50 Jahren um Basel herum aufgebaut hat.

Der emeritierte Professor der Biologie für Mediziner an der Uni Basel begann im Jahre 1965 mit seinem Projekt, im dichten Siedlungsgebiet der Agglo geschützte Biotope für Amphibien zu schaffen. Die intensive Landwirtschaft hatte den Lebensraum der schweizweit geschützten Tiere bereits stark reduziert. Der erste Schritt war der Eisweiher in Riehen. Im Laufe der Jahrzehnte legte Durrer mit der Unterstützung seiner Studenten und Doktoranden 20 Amphibienbiotope in einem, wie er sagt, «grünen Regiobogen rund um Basel» an, zuletzt in der Petite Camargue Alsacienne.

Alle 500 Meter zwischen den grossen Biotopen braucht es laut Durrer sogenannte Trittsteinbiotope, wie eben die sieben Tümpel in der Hinteren Alme. «Stirbt die Population eines isolierten Biotops aus, sei es durch Umweltveränderungen, Krankheit oder Räuber, ist sie für immer verloren», erklärt er. Durch die Trittsteinbiotope könnten jedoch wieder neue Populationen in die verlassenen Biotope einwandern: Junge Amphibien zieht es bekanntermassen von ihren Laichplätzen fort, um heranzuwachsen und ihre Partner zu finden.

Das Gebiet der Hinteren Alme zwischen Birs- und Leimental gehört laut Durrer zu einer Landschaft, die bis in den Sundgau reicht und in früheren Zeiten komplett mit unterirdischen Drainagen durchzogen wurde. Das neue Trittsteinbiotop komplementiert die Oberwiler Biotope Ziegelei und Herzogenmatt. Gerade Letzteres erfreut sich seit über 30 Jahren grosser Beliebtheit und ist als Naherholungsziel etabliert. Das ist Durrer wichtig: Seine Biotope sollen keine abgeschiedenen Reservate sein, sondern den Menschen die Natur in der Agglo erschliessen. Dass fünf seiner
20 Biotope zum Schutzgebiet von nationaler Bedeutung erklärt wurden, macht Durrer besonders stolz. Die Betonbauweise sei dabei kein Widerspruch zum Naturschutz, sondern geschuldet der einfachsten Möglichkeit, sie zu reinigen: «Der Natur ist es ‹wurscht›, ob der Boden der Weiher aus Kalk, Folie oder Beton besteht.»

Auf der Hinteren Alme profitierte Durrer von der Offenheit des Grundstückeigners Hans Werner, der seine benachbarten Äcker in Biolandwirtschaft betreibt und beim Bau mithalf. Seit seiner Pension muss Durrer grösstenteils auf Studenten als Helfer verzichten. Die Bau- und Genehmigungskosten von 25 000 Franken übernahmen die Stiftung Jeanne Lorioz des Bienfaisantes sowie der Förderverein Herzogenmatt. Auch dafür ist Durrer dankbar, denn die Gemeinde Allschwil erwies sich nach seiner Aussage als nicht sonderlich kooperativ. «1270 Franken musste ich für ein grosses Baugesuch zahlen», ärgert sich der Professor, «dabei ist der Amphibienschutz gesetzlicher Auftrag der Gemeinden.» In Oberwil sei die Genehmigung mit einem kleinen Baugesuch unbürokratisch und kostenlos genehmigt worden.

Vorwürfe gegen Allschwil

«Mehrere 100’000 Franken», protestiert der Allschwiler Umweltbeauftragte Andreas Dill, habe die Gemeinde in den Amphibienschutz investiert, zuletzt in ein weiteres Trittsteinbiotop zwischen der Herzogenmatt und der Allschwiler Ziegelei. Der Vorwurf des Professors, dem er grossen Respekt entgegenbringe, irritiere ihn: «Wir alle schauen, dass wir Geld zusammenbekommen für den Amphibienschutz. Wir sollten zusammenhalten. Es gibt genug Leute, die unsere Arbeit generell infrage stellen.» Ausserdem bestimme der Kanton die Kriterien für die Baugesuche, die ständig verschärft würden. Dafür spricht, dass der Riehener Gemeindepräsident laut Durrer die 100’000 Franken für den Eisweiher im Jahr 1965 noch in eigener Kompetenz genehmigte.

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