Sek Laufental

Nach Absetzung durch den Kanton: Bauriese spielt Schwarzer Peter

Das gezackte Scheddach ist da, doch die Sek Laufental kann noch lange nicht in den Neubau einziehen.

Das gezackte Scheddach ist da, doch die Sek Laufental kann noch lange nicht in den Neubau einziehen.

Der Kanton Baselland kappt beim Neubau der Sekundarschule Laufental die Zusammenarbeit mit dem Generalunternehmer, dem Bauriesen Steiner AG. Doch dieser wehrt sich und schiebt die Schuld an den ständigen Verzögerungen den Planern in die Schuhe. Ein gewagtes Spiel.

Es ist die teuerste Hochbau-Baustelle, die der Kanton Baselland derzeit als Bauherr verantwortet: Der Neubau der Sekundarschule Laufental an der Laufner Brislachstrasse schlägt mit 40 Millionen Franken zu Buche. Ein spektakuläres Bauwerk mit einem an Industriebauten angelehnten gezackten Scheddach. Dieses ist bereits fertiggestellt, doch das ist derzeit fast das einzig Positive, das sich vom Projekt sagen lässt.

Statt der für diesen Sommer geplanten Bauübergabe kam vergangenen Freitag der Knall. Der Kanton verhängte einen sofortigen Baustopp und untersagte der Generalunternehmerin Steiner AG, weitere Arbeiten durchzuführen. Stattdessen soll das Bauwerk durch Drittunternehmungen fertiggestellt werden. Der Einzugstermin der Schüler im Januar 2021 sei gefährdet, teilte die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) mit.

So einen Entscheid fällte der Kanton noch nie

Dabei hatte das Hochbauamt erst im März «die Projektorganisation mit zusätzlichen Fachleuten verstärkt und Schlüsselpositionen teilweise neu besetzt», schrieb die BUD. Auf Nachfrage der bz sagt Kantonsarchitekt Marco Frigerio: «Leider hat sich gezeigt, dass die Massnahmen nicht greifen, gemachte Zusicherungen seitens Auftragnehmer nicht eingehalten wurden und der Projekterfolg in der bisherigen Konstellation nicht gewährleistet ist.» Der Auftragnehmer ist die Steiner AG, ein eigentlicher Bauriese mit Hauptsitz in Zürich, der im Besitz eines indischen Grosskonzerns ist und einen Jahresumsatz von 800 Millionen Franken ausweist. Frigerio hält unmissverständlich fest: «Der Generalunternehmer hat seine vertraglichen Pflichten wiederholt und in erheblicher Weise verletzt.»

Dass der Kanton Baselland zu so einem drastischen Schritt greift und noch vor Bauübergabe auf die ausstehenden Leistungen einer Generalunternehmerin verzichtet, ist ein Novum, wie Frigerio bestätigt. Ausschlaggebend waren die wiederholten Verzögerungen. Ursprünglich hätte das Bauwerk dem Kanton bereits im vergangenen November übergeben werden sollen.

Steiner AG sieht die Schuld bei den externen Planern

Gegenüber der bz nimmt die Steiner AG erstmals Stellung zu diesem radikalen Entscheid des Kantons. Und sie kontert: «Aus unserer Sicht ist die Massnahme unverständlich und dem Projekt nicht dienlich», sagt Sprecher Andreas Gurtner. Der Baufortschritt liege bereits bei rund 85 Prozent und es sei der Baustopp, der nun weitere Verzögerungen auslösen werde. Die Steiner AG weist alle Schuld von sich und reicht den Schwarzen Peter weiter: Als Generalunternehmerin sei man nur für die Ausführung, nicht aber für die Planung verantwortlich. Für die Planungsunterlagen seien externe Planer im Auftrag der Bauherrschaft zuständig. Gurtner: «Diese haben uns die benötigten Dokumente oft in mangelhafter Güte und mit grosser Verspätung zur Verfügung gestellt, weshalb es zu den Verzögerungen gekommen ist.»

Dass die Steiner AG ein Schwarzer-Peter-Spiel spielt, überrascht Frigerio nicht: «Dass 
entweder der Bauherr oder der Planer Schuld ist, ist oft eine Standardaussage von Generalunternehmern.» Das Problem liege aber nicht auf der Planungsseite. Dies würden die Pendenzenlisten belegen, auf denen nur noch «eine Kleinigkeit» eine Planungspendenz sei. Für Frigerio ist klar: «Der Grund für die Verzögerungen ist, dass es gemäss der Terminplanung zu wenige Subunternehmen auf der Baustelle hat. Und dafür ist der Generalunternehmer zuständig.»

Damit spricht Frigerio an, was nicht einmal die Steiner AG abstreitet: Dass es Konflikte zwischen ihr und einzelnen Handwerksbetrieben gibt. Gurtner bestätigt, dass es wegen des Laufner Bauprojekts derzeit zwei Betreibungen gegen die Steiner AG gebe. Aber: «Wir stehen in Verhandlungen und werden in Kürze eine gütliche Einigung erzielen.»

Auch der Generalplaner kritisiert die Steiner AG

Doch nicht nur der Kanton hält das Generalunternehmen für verantwortlich. Auch die Generalplanerin Confirm AG übt massive Kritik: «Nach einem speditiven Start auf der Baustelle stellten sich immer mehr Führungsprobleme ein», sagt der Generalplaner des Sek-Projekts, Robert Hormes. In der Bau- und Fachbauleitung der Generalunternehmerin habe oft das Verständnis für die Planung gefehlt, auch wegen länger unbesetzten Schlüsselpositionen. Und auch bei den Finanzen ortet Hormes Schwierigkeiten: «Viele Lösungsansätze konnten nicht fruchten, da es bei ökonomischen Problemstellungen von Seiten Generalunternehmerin keine Transparenz gab.»

Es würde nicht überraschen, wenn der Konflikt vor Gericht enden würde, auch wenn die Steiner AG betont, eine «einvernehmliche Lösung anzustreben» und auch der Kanton «offen für Gespräche» ist. Frigerio interessiert derzeit aber anderes als die Schuldfrage: «Mein primäres Ziel ist es, das Schulhaus jetzt endlich fertigzustellen.» Dafür werde der Kanton nun 
direkt mit den Handwerksbetrieben Gespräche führen – ganz ohne Generalunternehmerin.

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