Modelleisenbahn

Nach dem Aus des letzten Modelleisenbahn-Ladens in Basel: «Das Hobby ist komplex geworden»

Alain Bruggisser ist bald der letzte übrig gebliebene grosse Modelleisenbahnfachhändler in der Region Basel.

Er führt den Hobby-Shop in Gelterkinden

Alain Bruggisser ist bald der letzte übrig gebliebene grosse Modelleisenbahnfachhändler in der Region Basel.

Mit «Bercher & Sternlicht» schliesst im Sommer der letzte Basler Fachhändler, der sich auf Modelleisenbahnen spezialisiert hat. Doch für seinen wichtigsten Konkurrenten Alain Bruggisser, den Inhaber des Hobby-Shops in Gelterkinden, ist das nur bedingt Grund zur Freude.

Der letzte Modelleisenbahnladen in Basel muss schliessen. «Bercher & Sternlicht» am Spalenberg schliessen ihren Laden im Sommer 2018. Damit verschwindet eines der beliebtesten Schaufenster aus Basel – Schluss ist mit der Modelleisenbahn, die sich per Knopfdruck durch die Auslage schlängelte. Wir sprachen mit dem letzten verbleibenden Modelleisenbahnfachhändler der Region.

Herr Bruggisser, nach dem Aus von «Bercher & Sternlicht» im Sommer werden Sie mit Ihrem Hobby-Shop in Gelterkinden der grösste übrig bleibende Modelleisenbahnfachhändler der Region sein. Neben Ihnen gibt es bald nur noch den kleineren Hamwaa-Shop in Pratteln. Freut Sie der Wegfall der Basler Konkurrenz?

Alain Bruggisser: Bestimmt wird der eine oder andere Kunde aus Basel nun den Weg zu mir finden. Das war schon nach der Schliessung des Prattler Hobby-Hauses der Fall. Anderseits belebt Konkurrenz das Geschäft. Das Schaufenster von Bercher & Sternlicht am Spalenberg war immer super Werbung für das Hobby, und dies an einer Lage mit viel Publikumsverkehr. 

Wie erklären Sie sich das Ende dieses Basler Traditionsgeschäfts?

Seine etwas verwinkelte Ladenfläche auf mehreren Stockwerken mag eine Rolle gespielt haben. Kunden schätzen es, wenn sie im Laden eine grosse Auswahl antreffen und sich von den ausgestellten Angeboten inspirieren lassen können. So frei nach dem Motto: Wenn ich schon statt ins Internet den Weg zu einem Fachhändler auf mich nehme, will ich dort auch etwas zu sehen kriegen. Und natürlich hatte er mitten in der City keine Parkplätze vor dem Haus, was bestimmt ein zusätzliches Handicap dargestellt hat. Ich könnte mir vorstellen, dass Bercher & Sternlicht beispielsweise im Grüssen in Pratteln rentiert hätte.

Die grosse Konkurrenz durchs Internet haben Sie angesprochen. Sehen Sie noch andere Gründe?

Das Hobby Modelleisenbahn ist in den letzten Jahren ziemlich komplex geworden. Die Zeiten, in denen man einfach das Stromkabel des Trafos einstecken und losfahren konnte, sind vorbei. Stattdesen herrscht heute die teils recht komplizierte Digitaltechnik vor. Für manche Modelleisenbähnler ist es schwierig geworden, mit all den Neuerungen Schritt zu halten und am Ball zu bleiben.

Wie halten Sie sich demzufolge über Wasser?

Es stimmt, die gesamte Branche ist rückläufig, aber jene, die das Hobby noch betreiben, tun dies mit mehr Leidenschaft. Vereinfacht gesagt: 50 Kunden geben heute gleich viel Geld aus wie früher 100.

Muss man sich um Ihren Hobby-Shop auch Sorgen machen?

Nein, ich denke, dass meine Zukunft in den nächsten Jahren gesichert ist. Mein wichtigster Vorteil ist, dass ich keine Angestellten habe, sondern den Shop zusammen mit meiner Frau betreibe. Sobald man Angestellte bezahlen muss, wird es schwieriger.

Sie betreiben ebenfalls einen Onlineshop. Wie wichtig ist dieser für den Geschäftsverlauf?

Meine Homepage wirkt eher wie ein Werbemittel, dank dem Kunden in den Laden kommen. Rein vom Umsatz her machen die Onlineverkäufe nicht mehr als 3 bis 4 Prozent aus.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1