Arbeitsintegration

Nach dem Burn-out wieder arbeiten – Die Psychiatrie Baselland beschreitet neue Wege

Menschen finden nach einer psychischen Erkrankung nicht immer den Weg zurück in die Arbeitswelt: WorkMed will ihnen dabei helfen.

Menschen finden nach einer psychischen Erkrankung nicht immer den Weg zurück in die Arbeitswelt: WorkMed will ihnen dabei helfen.

Um psychisch Kranke in die Arbeitswelt wieder einzugliedern, hat die Psychiatrie Baselland das Unternehmen WorkMed gegründet. Dabei will es nebst den Problemen des Patienten auch mit sämtlichen Beteiligten sprechen, um die Lage besser beurteilen zu können und massgeschneiderte Massnahmen vorzuschlagen.

Immer mehr Menschen werden wegen psychischen Problemen krank geschrieben oder sind wegen Depressionen und Burn-outs arbeitsunfähig. Die NZZ schrieb im Jahr 2018, dass viele private Versicherer eine Zunahme von psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit verzeichnen, obwohl die IV-Statistik seit 2009 nicht mehr IV-Renten wegen psychischer Erkrankung ausweist. So stieg bei der Versicherung «PKRück» 2017 der Anteil der psychisch begründeten Absenzen auf 29 Prozent, 6 Prozent mehr als im Jahr 2014. Die Daten der Swica, dem grössten Schweizer Anbieter von Taggeldversicherungen, weisen ähnliche Trends auf. Laut Forschungen der OECD kosten die Folgen psychischer Krankheiten in der Schweiz jährlich 20 Milliarden Franken.

Die Psychiatrie Baselland beschäftigt sich seit langem damit und hat bereits im Jahr 2005 eine Fachstelle für die Wiedereingliederung von psychisch kranken Menschen in die Arbeitswelt gegründet. Seit Anfang September geht die Institution einen Schritt weiter: Sie hat eine neue Unternehmenseinheit namens WorkMed ins Leben gerufen.

Integrationsarbeit soll verbessert werden

Dabei geht das achtköpfige Team um den renommierten Psychologen Niklas Baer über die einfache Patientenbetreuung hinaus: Nebst klassischen Abklärungen der psychischen Verfassung spricht WorkMed mit Einwilligung des Patienten auch mit dem Arbeitgeber, dem Arzt und der Versicherung. WorkMed analysiert die Arbeitsbiografie und das Umfeld, um konkrete Massnahmen vorzuschlagen. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Eingliederung der Betroffenen nur dann erfolgreich ist, wenn alle Partner eingebunden werden», erklärt Niklas Baer. Es sei hilfreich, wenn Patienten Ärzte, Arbeitgeber und Versicherer miteinander kommunizierten.

Das Gesamtziel von WorkMed sei, eine möglichst grosse Anzahl Betroffener unterstützen zu können. Schliesslich leidet rund ein Viertel der erwerbstätigen Schweizer Bevölkerung an einer psychischen Erkrankung. Drei Viertel davon haben deswegen Probleme bei der Arbeit, erklärt Niklas Baer. An einer Pressekonferenz erwähnte der Leiter von WorkMed den Fall einer Frau, die sein Team seit dem Start des Unternehmens im September behandelt: Sie war seit sechs Monaten wegen Burn-outs krankgeschrieben. Als einer der Gründe gab sie an, in einem chaotischen Betrieb zu arbeiten, in dem Arbeitsprozesse inexistent seien. Eine Abklärung beim Betrieb ergab, dass die Frau wegen ihres Fleisses zwar geschätzt wurde, sie sich aber kaum an sehr wohl existierenden Arbeitsprozesse gehalten hatte. In diesem Fall habe das Einbinden des Arbeitgebers ergeben, dass widersprüchliche Wahrnehmungen der Situation existierten. «Die Arbeitsbiografie der betroffenen Menschen ist die wichtigste Informationsquelle», erklärt Niklas Baer. «Dabei ist die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auch mit den Bedingungen am Arbeitsplatz verbunden.» Bisher seien Psychologen aber oft nur durch die Patienten selbst darüber informiert.

In zehn Jahren 15 Mal die Stelle wechseln

So habe ein weiterer Fall aufgezeigt, wie falsche Wahrnehmungen zu problematischen Situationen führen können: Ein Verkäufer kämpft mit Depression, obwohl er im Arbeitsleben als überzeugend, sympathisch, dynamisch und kompetent wahrgenommen wird. Trotzdem wechselte er in zehn Jahren 15 Mal die Stelle. «Bei der Analyse hat sich ergeben, dass sowohl er sich selbst überschätzte als auch seine Arbeitgeber ihn überschätzten und er deswegen unter Druck kam. Wir konnten diese Aspekte beleuchten und diesem Mann helfen», erklärt Niklas Baer.

Obwohl die Psychiatrie Baselland bisher wenig über WorkMed kommunizierte, erhielt die Einheit bereits 125 Zuweisungen für arbeitspsychiatrische Abklärungen. Anfragen stammen von Versicherungen, Behörden, Hausärzten oder Psychiatern. Die Mitarbeiter kommen jetzt schon nicht mehr nach mit den Anfragen, die aus unterschiedlichen Regionen eintreffen. Niklas Baer rechnet mit einer Expansion im nächsten Jahr. Denn das Angebot soll erweitert werden: WorkMed will auch Trainings und Unternehmensberatungen anbieten sowie die Forschung fördern. Ziel sei, potenziellen Problemen möglichst früh vorzubeugen.

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