Birsfelder Hafen

Nach dem Monster-Sturm: Der zerstörte Brückenkran wird nicht gleichwertig ersetzt

Da war es nur noch einer: Der baugleiche Bruder des 80-jährigen zerstörten Hafenkrans ist schweizweit der letzte seiner Art. Die Betreiberfirma Birsterminal setzt beim Ersatz auf einen fest am Rheinufer installierten Kran - obwohl dieser klare Nachteile hat.

«Als ich die Verwüstung am Birsfelder Hafen sah, erinnerte es mich an Ground Zero.» Rolf Vogt fasst in Worte, was für den Verwaltungsratspräsidenten der Birsterminal AG eigentlich unvorstellbar war: Dass ein Sturm am vergangenen Freitagabend einen der beiden riesigen Brückenkräne mit reiner Naturgewalt zu einem verworrenen Metallwust zusammenfalten konnte. «Ich habe in meinen 24 Jahren bei Birsterminal ja schon viel erlebt, doch dass so etwas möglich ist, hätte ich nicht gedacht», sagt er.

Stahlkonstruktion hätte noch Jahrzehnte halten sollen

Vogt bewegt das Geschehene sehr, wie im Gespräch mit der bz deutlich wird. «Als ich Freitagnacht informiert wurde, war es ein Riesenschock für mich. Die beiden Brückenkräne laufen seit fast 80 Jahren und waren in ausgezeichnetem Zustand», sagt er. Als man beim Besitzerwechsel 1995 die Anlage an der Birsfelder Hafenstrasse übernommen habe, sei man sich bei der Birsterminal AG bewusst gewesen, dass die beiden Kräne mit Baujahr 1940 und 1943 ein gewisses Risiko darstellten. Doch: «Eine Überprüfung durch einen Stahlbauingenieur zeigte, dass die Metallkonstruktion so massiv war, dass sie nochmals 50 Jahre halten sollte», sagt Vogt.

Sturm bringt Brückenkran zum Einsturz

Sturm bringt Brückenkran zum Einsturz

In Birsfelden (BL) stürzte am Freitagabend aufgrund starker Sturmböen ein Brückenkran ein. Auch andernorts im Baselland verursachte das Gewitter grosse Sachschäden.

Die bauliche Qualität der beiden Kräne des Typs MAN war so hoch, die Motoranlage ohne jegliche Elektronik so schnell und die bearbeitbare Fläche dank des längs verschiebbaren Brückenkonstrukts mit dem quer verschiebbaren Kranwagen darauf so gross: Die Firma zögerte nicht, insgesamt zwei Millionen Franken in die Sanierung zu stecken. Dies unter anderem, um die Lärmemissionen um 11 Dezibel zu senken und so der Grenzacher Bevölkerung auf der anderen Rheinseite entgegenzukommen. Die Grundkonstruktion aber ist noch immer Baujahr 1940.

Neuer Brückenkran ist kaum finanzierbar

Nun ist Kran 1 Geschichte. Die Windböen müssen den Koloss – der laut Vogt 680 Tonnen wiegt und nicht «nur» 400, wie die Polizei vermeldete – genau so von der Rheinseite her angegriffen haben, dass die Brücke ins Rollen kam. Sie ist im Gegensatz zum Kranwagen nicht speziell blockiert. Sie rammte den zweiten Brückenkran und entgleiste. Vogt schätzt den Schaden, den die Versicherung decken muss, auf «mindestens zwei Millionen Franken». Fest steht: Es braucht Ersatz, aber gleichwertig ersetzt wird Kran 1 nicht. «Ein Brückenkran ist heute kaum noch finanzierbar», sagt Vogt. Es dürfte auf einen fest installierten Kran am Ufer hinauslaufen, dem Kies, Schrott oder Recycling-Material per Bulldozer zugeführt werden müssen. Topmodern zwar, aber es bedeutet eine grosse Umstellung der Abläufe.

Noch liegen die Trümmer des gefallenen Riesen auf einem Hafenbahn-Gleis und blockieren diese. Geräumt werden kann erst nach Freigabe durch die Versicherung. Betroffen sind daher auch andere Birsfelder Hafenbetriebe wie Ultra-Brag, Varo Energy oder Delica.

Zweiter Kran wird künftig wohl besser gesichert

Auch der zweite Brückenkran der Birsterminal steht still. Kranbaufirmen messen aus, wie gross der Schaden bei ihm ist. Vogt spricht von abgebrochenen Puffern, nichts Irreparables. Man werde aber prüfen, ob man eine Schienensicherung installiert, damit die Brücke sich nicht mehr unkontrolliert bewegen kann. «Ich hoffe, dass der Kran noch Jahrzehnte im Einsatz stehen kann.»

Das hofft auch Hans-Peter Bärtschi. Der Autor des Buches «Industriekultur beider Basel» hält fest: «In der ganzen Schweiz gibt es sonst keinen Brückenkran dieses Alters und dieser Grösse mehr.» Bärtschi findet, dass solche Bauten heute generell zu wenig geschützt würden. In Basel-Stadt seien die meisten historischen Krananlagen abgebrochen worden. Und da es sich bei einem Kran nicht um etwas Immobiles handelt, fühlt sich etwa die Baselbieter Denkmalpflege nicht zuständig. Am Ende ist der Schutz Sache der Betreiberfirmen. Wenigstens da scheint der standhafte Birsfelder Brückenkran in guten Händen.

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