Tiefe Temperaturen und wenig Licht in der ersten April-Hälfte haben es hiesigen Obstkulturen nicht leicht gemacht. «Aber jetzt wird es besser. Für Ostern sind die Wetterprognosen gut», freut sich Ernst Lüthi.

Der Obstbauer aus Ramlinsburg bewirtschaftet zwölfeinhalb Hektaren und nennt 25'000 Bäume sein Eigen. Sein Sortiment ist breit: Kirschen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsiche, Erdbeeren und Heidelbeeren. Hauptanteil ist Steinobst. Auf zwei Drittel der Gesamtfläche sind Kirschen und Zwetschen angebaut.

Kritik an Imkern und Prognosen

Die mehrheitlich unfreundliche Witterung in den vergangenen zwei Wochen liess das Wachstum der Obstbäume stillstehen. Der Pollenschlauch, welcher der Pflanze zum Befruchten dient, konnte noch nicht durchwachsen. Zudem schwärmen die Bienen, welche die Blüten bestäuben, erst ab etwa zwölf Grad Celsius aus. Letzte Woche, wenn sich nachmittags vereinzelt die Sonne gezeigt habe, seien die Bienen ausgeflogen, beobachtete Lüthi.

Dieser findet, dass die Bienenvölker während des Frühlings stärker in den Obstkulturen angesiedelt werden müssten, damit sie einen möglichst kurzen Flugweg haben. Dafür bezahlt Lüthi pro Volk 100 Franken.

«Die Imker in der Schweiz betreiben vor allem Standortbienenhaltung», kritisiert der Obstbauer, der alles Mögliche versucht. In der Region gebe es viele Hummeln und Wildbienen, die schon bei tiefen Temperaturen arbeiteten.

Ein Dorn im Auge sind Ernst Lüthi auch die für dieses Gebiet «zu wenig genauen» Wettervorhersagen. Woran das liege, wisse er nicht. «In Chile haben sie Prognosen, die auf zehn Tage hinaus fast hundertprozentig stimmen», weiss er und stellt lapidar fest: «Das bringen wir hier nicht fertig.» Er kann alle Wetterberichte anpeilen und bleibt dennoch im Ungewissen, wie viel und wie lange es schneien wird und auf welcher Meereshöhe. Das erschwere die Planung – auch mit dem Beheizen.

Die kalten Nächte zu Beginn dieses Monats sind kein Vergleich zu den Frostnächten im April 2017. «Jetzt redeten wir von Strahlungsfrost. Damals hatten wir eine Kältebrücke, und wir konnten die Plantagen nicht beheizen», erklärt Lüthi, der auch den Baselbieter Obstverband präsidiert. Bei minus drei oder vier Grad überleben nur die starken Blüten. Solch tiefe Temperaturen gab es diesen Monat nicht.

Für den Ramlinsburger ist klar: «Frost und Schnee richteten diesen Frühling nur wenig Schäden an. Derzeit können wir davon ausgehen, dass es eine gute Obsternte geben wird.» Die Kirschen verzeichneten einen «enorm starken» Blütenansatz. Wenn am Schluss 15 bis maximal 20 Prozent der Blüten Kirschen machen, gibt es eine gute Ernte. Nun sei aber wichtig, «dass wir so richtig schönes Wetter bekommen», betont der Oberbaselbieter Obstbauer.

Zwei gegensätzliche Jahre

Die heikelste Obstkultur, die in der Schweiz angebaut wird, sind die Aprikosen. Solche hat Ernst Lüthi diesen Frühling keine verloren, auch weil er seine Bäume in kritischen Nächten beheizt hat. Er besitzt sowohl Anlagen oben in Ramlinsburg als auch im Tal bei der Station Lampenberg. Bei Kälte sind Temperaturunterschiede von mehreren Graden möglich, der Standort im Tal unten ist exponierter. Selbst dort haben Lüthis Kulturen keinen Schaden genommen.

Im Horrorjahr 2017 hatte der Ramlinsburger bei Äpfeln und Erdbeeren einen Ausfall von 60 Prozent zu beklagen. «Kirschen und Zwetschgen auf acht Hektaren – null und nichts.» Im vergangenen Jahr erntete er 85 Tonnen Zwetschgen. Welche Kluft. «2018 war genial.» So soll es auch heuer kommen.