Allschwilerweiher

Nach der erfolgten Räumung wird der Allschwilerweiher abgerissen

Die Gebäude des früheren Schiessplatzes Allschwilerweiher sind am Dienstag ohne Zwischenfälle geräumt und zum Grossteil abgebrochen worden. Die Polizei habe zwei Besetzende angetroffen und verzeigt, hiess es an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz vor Ort.

Die Polizei umstellte die vor vier Wochen besetzten Bauten um 5.45 Uhr und forderte die Besetzerschaft ein letztes Mal zum freiwilligen Abzug auf. Um 6.10 Uhr drang sie in die verrammelten Räume ein. Statt den erwarteten 20 bis 30 Personen waren nur zwei da: eine Schweizerin und ein Deutscher in der einstigen Abwartwohnung.

Die beiden leisteten laut dem Interims-Polizeikommandanten Christoph Naef passiv Widerstand und wurden weggetragen. Formell wurden sie festgenommen, sollten aber gleichentags wieder auf freien Fuss kommen. Sie wurden verzeigt wegen Widerstandes gegen eine Amtshandlung sowie Hausfriedensbruch.

Ein Altbauteil soll dereinst Beiz werden

In der Folge tauchte rund ein Dutzend Sympathisanten auf. Die Polizei habe diese "auf Distanz halten" können. Derweil fuhren Bagger auf und demolierten die meisten Gebäudeteile. Stehen bleibt - sicherheitshalber aber zugemauert - nur ein Riegelbau-Teil beim Bach, der im geplanten öffentlichen Park als Restaurant dienen soll.

Immobilien Basel-Stadt (IBS) - das auf Baselbieter Boden liegende Areal gehört dem Stadtkanton - plant anstelle des Schiessplatzes Wohnungen im vorderen Teil sowie einen Park im hinteren. Laut IBS-Sprecherin Barbara Neidhart ist erst der nötige Quartierplan in Arbeit; gebaut werde voraussichtlich in drei bis vier Jahren.

Die idyllisch grüne Wiese zwischen Schiessstand und Scheibenanlagen ist allerdings vom jahrzehntelangen Schiessbetrieb schwer mit Schadstoffen belastet. Vor einer neuen Nutzung muss der Boden daher saniert werden, wie Neidhart festhielt. Wann dies erfolgen kann, sei noch unklar.

Wegen Zone und Zustand keine Zwischennutzung

Heute liegt das ganze grosse Schiessplatzareal in einer Zone für öffentliche Werke, die - ausser dem Abwartslogis - keine Wohnnutzung zulässt. Die maroden, dem Abbruch geweihten Bauten herzurichten für eine Zwischennutzung wäre laut Neidhart "unverhältnismässig" gewesen. Darum habe man sich jetzt zur Räumung entschieden.

Die Kosten der polizeilichen Räumung mochte Stephan Mathis, Generalsekretär der Baselbieter Sicherheitsdirektion, nicht beziffern. Ob den Besetzenden dafür Rechnung gestellt werde, sei offen - die Gewährleistung von Ruhe und Ordnnung gehöre ja zum Grundauftrag. IBS will keine Schadenersatz-Zivilforderung stellen.

Laut dem Allschwiler Gemeindepräsidenten Anton Lauber wurde mit der Räumung ein illegaler Zustand beendet. Ruhe und Ordnung seien indes gewahrt geblieben; wegen der Besetzung seien keine Lärmklagen bei der Gemeinde eingegangen. Bei IBS hingegen hatten sich Unterstützende und Gegner der Besetzung gemeldet.

Ende Feuer, ausgeträumt

Nach einem Kurzbesuch von Besetzenden an einer Einwohnerratssitzung hatte sich Lauber auch mit einer Delegation offiziell getroffen, ohne Einigung. Die Besetzenden hätten ohne Mietzinskosten einen Raum für niederschwellige Anlässe gewünscht, den üblichen demokratischen Instanzenweg für eine Zonenänderung aber nicht einschlagen mögen.

In einem Internet-Communiqué hatten die Besetzenden anfangs anonym angekündigt, die Bauten der Spekulation entziehen und nach ihren Vorstellungen kommerz- und hierarchiefrei beleben zu wollen. Sie riefen dabei Gleichgesinnte auf, sich anzuschliessen.

Der Schiessplatz war nach jahrelangem Kampf der Anwohnerschaft von Allschwil und Binningen gegen den Schiesslärm Ende 2008 stillgelegt worden. Die Basler Schützenvereine kamen in der Schiessanlage Lachmatt bei Pratteln unter. Das Bundesgericht hatte schon 1994 befunden, dass die Anlage Lärmschutzvorschriften verletze.

Am Rande der Freiluft-Medienkonferenz protestierten übrigens zwei Passanten mittleren Alters gegen die Räumung und den Abbruch der Schiessanlage, wenn doch noch für Jahre nichts neues gebaut wird. Und ein benachbarter Landwirt appellierte an IBS, das ganze Areal wieder seinem Gut zuzuschlagen, zu dem es einst gehört habe.

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