Wegzug?

Nach Einbürgerungsdebakel in Bubendorf: Ziehen die Halilis nach Liestal?

Der Weg von Bubendorf nach Liestal wäre für die Halilis nicht weit. Doch die Einbürgerung müsste warten.

Der Weg von Bubendorf nach Liestal wäre für die Halilis nicht weit. Doch die Einbürgerung müsste warten.

Die Zeichen stehen auf Abschied: Der Kosovare Hamdi Halili, dem die Bubendörfer Bürgergemeindeversammlung jüngst zum zweiten Mal die Einbürgerung verweigerte, hat sich zusammen mit seiner Frau und seinem ältesten Sohn in Liestal ein Reiheneinfamilienhaus gekauft. Dies kritisiert ein Bubendörfer Gegner der ersten Stunde, der erstmals seit der Versammlung sein Schweigen bricht.

Die neuerliche Ablehnung des Einbürgerungsgesuchs des Kosovaren Hamdi Halili durch die Bürgergemeindeversammlung hat Bubendorf gespalten. Während viele empört sind und einige Bürger aus Solidarität und Protest gar das eigene Bürgerrecht abgeben wollen, blieben jene bisher erstaunlich still, die das Gesuch am 21. Dezember abgelehnt haben. Dabei steht der Vorwurf im Raum, dass die Absage gar nicht ausreichend begründet wurde – obwohl das Baselbieter Kantonsgericht dies Ende 2018 explizit verlangt hatte, als es die Wiederholung der ersten Abstimmung von 2016 anordnete.

Ein Gegner der ersten Stunde meldet sich zurück

Gegenüber der «Schweiz am Wochenende» äussert sich mit Günter Maciejowski nun erstmals seit der Versammlung ein Gegner der Familie Halili. Der pensionierte Deutsche kam bereits 1972 als gesuchte Fachkraft in die Schweiz und blieb. Im Gespräch wird schnell klar, dass sich für ihn seit 2016 nichts verändert hat und dieselben Gründe gegen eine Einbürgerung sprechen wie damals: «Hamdi Halili hat sich bis heute nie richtig integriert. Er beherrscht nach wie vor nur schlecht die deutsche Sprache – und das nach rund 20 Jahren in der Schweiz.» Auch die nächtliche Lärmbelästigung durch einen fehlerhaften Auto-Alarm oder einen laufengelassenen Motor, die Maciejowski schon vor drei Jahren kritisiert hatte, will er nicht vergessen. «Hamdi Halili hat sich nie bei mir entschuldigt.»

Für Maciejowski hat der Ausschaffungsentscheid des Bundes von 2005 für die ganze Familie nach wie vor Gültigkeit. Dass die Halilis nach dem Kirchenasyl der Bubendörfer Kirchgemeinde 2007 vom Bund schliesslich die B-Bewilligung erhielten, will er nicht akzeptieren. Ihn treiben vor allem zwei Fragen um: «Warum verliess die Familie erstmals 1993 den Kosovo und verlangte in Deutschland Asyl? Der Kosovokrieg begann erst fünf Jahre später. Und weshalb kehrte sie nach Kriegsende 1999 nicht dauerhaft zurück, sondern kam 2002 wieder in die Schweiz?»

Eltern und Sohn kauften das Haus zusammen

Neue Argumente liefert Maciejowski nicht und es darf bezweifelt werden, dass die Baselbieter Regierung oder das Kantonsgericht dieselben Begründungen wie 2016 plötzlich als «rechtsgenüglich» erachten. Er erwähnt aber etwas anderes: Dass sich die Halilis in Liestal ein Haus gekauft hätten. Tatsächlich: Im Amtsblatt vom 25. Juli 2019 ist vermerkt, dass Hamdi und seine Frau Buqe sich den Kauf einer 233 Quadratmeter grossen Parzelle «mit Gebäude» zur Hälfte mit ihrem 22-jährigen Sohn Meriton geteilt haben. Laut Grundbucheintrag wurde der Kauf am 10. Juli getätigt. Es handelt sich um ein Reiheneinfamilienhaus mit Garten an der Heidenlochstrasse gleich hinter dem Schwimmbad.

Verlässt die Familie Halili also demnächst Bubendorf? Den Ort, der ihnen 2005 Kirchasyl gewährt, aber auch zweimal die Einbürgerung von Hamdi Halili – Buqe und die zwei Söhne haben unterdessen den Schweizer Pass – abgelehnt hatte. Laut einem engen Vertrauten, der anonym bleiben möchte, wird die Familie wegziehen. Leider war Hamdi Halili nicht zu erreichen, um es definitiv zu bestätigen. Ein Indiz: Schon im Anschluss an die Bürgergemeindeversammlung vor Weihnachten liess er durchblicken, dass er keinen Rekurs einlegen werde.

In Liestal müsste Halili 3 Jahre warten – mindestens

Klar ist: Sollte der 57-Jährige den Wohnort wechseln, so ist das Kapitel Einbürgerung erst einmal geschlossen. Laut dem Einbürgerungs-Reglement der Bürgergemeinde Liestal müssen ausländische Staatsangehörige fünf Jahre ununterbrochen in Liestal gewohnt haben, ehe ein Gesuch gestellt werden darf. Bürgerrat Hans-Rudolf Schafroth verweist aber auf das kantonale Bürgerrechtsgesetz. Demnach wäre ein Gesuch nach frühestens drei Jahren Wohnsitz in derselben Gemeinde möglich. «Solange müsste sich Herr Halili aber sicher gedulden.»

Für Schafroth, der bis vergangenen Sommer für die SVP noch im Landrat politisierte und sich in der Petitionskommission mit Einbürgerungen beschäftigte, ist der Erwerb von Wohneigentum «ein Zeichen der Integration». Günter Maciejowski hingegen stellt die Frage in den Raum: «Wie können sich die Halilis ein Haus leisten?» Der enge Vertraute der Familie hat darauf eine Antwort: Hamdi und Buqe sind Doppelverdiener. Er arbeitet in Therwil in einer Küche, sie in Thürnen bei einer Reinigung. «Sie und ihr älterer Sohn haben es sich mühsam zusammengespart – typische Schweizer halt.»

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