Die Autobus AG Liestal (AAGL) stösst mit dem aktuellen Fahrplan beim 70er-Bus viele Pendler aus dem Hinteren Frenkental in Richtung Zürich, aber auch nach Olten und Luzern vor den Kopf. Sie müssen pro Tag bis zu einer Stunde mehr Wegzeit in Kauf nehmen. AAGL-Geschäftsführer Roman Stingelin sagt im bz-Interview Überraschendes zum Werdegang der Fahrplan-Umstellung.

Herr Stingelin, die AAGL ist in einer verzwickten Situation. Sie hat mit der Fahrplanänderung die angestrebte Pünktlichkeit verbessert, gleichzeitig aber die Zufriedenheit vieler Pendler verschlechtert. Was können Sie diesen frustrierten Kunden anbieten?

Roman Stingelin: Ich möchte zuerst etwas vorausschicken, was wir bis jetzt nicht publik gemacht haben: Der jetzige Fahrplan für den 70er-Bus war eine Vorgabe des Kantons als Leistungsbesteller. Wir warnten davor und schlugen bei der Offertstellung vor, den bisherigen Fahrplan auch 2018 beizubehalten und ihn erst auf 2019 zu ändern, wenn die SBB die Zeiten von den Zügen von und nach Zürich sowieso modifizieren. Der Kanton wollte die Anpassung aus Gründen der Fahrplanstabilität aber jetzt schon umsetzen.

Und Sie haben sich nicht dagegen gewehrt?

Nach allem, was in der letzten Zeit zwischen Kanton und AAGL gelaufen ist, werden Sie verstehen, dass wir uns dagegen nicht hart zur Wehr setzen konnten. Ansonsten pflegen wir eine gute Zusammenarbeit mit dem Besteller. Man muss aber auch sagen, dass wir wegen der zunehmenden Staus auf den Strassen die Anschlüsse in Liestal nach Zürich nicht mehr immer gewährleisten konnten. Hier besteht Handlungsbedarf auf der Strassenseite, damit die Busse schneller durchkommen. Ich denke da an eine konsequente Bevorzugung der Busse.

Das alles nützt aber den frustrierten Pendlern im Moment wenig, um zur Ausgangsfrage zurückzukommen.

Hier müssen wir differenzieren. Der grösste Teil der Nutzer des 70er-Busses bleibt in Liestal oder fährt nach Basel weiter. Und für Letztere ist der neue Fahrplan in der Regel eine Verbesserung. Sieben Prozent der Pendler während der Spitzenzeiten, das sind Richtung Zürich rund 100 Personen pro Tag, sind negativ von der Fahrplanänderung betroffen. Um daran kurzfristig etwas zu ändern, haben wir kaum Spielraum. Denn uns sind die Hände gebunden, weil wir den publizierten Fahrplan einhalten müssen. Derzeit prüfen wir zusammen mit dem Kanton punktuelle Verbesserungsmassnahmen.

Das wären?

Die Gespräche haben erst gerade begonnen, und wir suchen mit Hochdruck nach möglichen Lösungen.

Stimmen Sie zu, dass derzeit in Richtung Zürich die grösstmögliche Frustsituation herrscht – der Bus fährt ein, der Zug fährt los, der Zug fährt ein, der Bus fährt los?

Absolut. Genau davor haben wir ja auch gewarnt.

Was ist in Ihren Augen die maximale Wartezeit, die man den Kunden beim Umsteigen in Liestal zumuten kann?

Die Wartezeit hängt vom Takt ab. Im schlechtesten Fall fahren Zug und Bus stündlich und können aus übergeordneten Gründen nicht aufeinander abgestimmt werden. Da kann die Wartezeit im Extremfall bis fast zu einer Stunde betragen. Ich sage nicht, dass das gut ist, aber diese Situation kann gerade in Randverkehrszeiten vorkommen. Wenn immer möglich schauen wir, dass wir Anschlüsse innerhalb einer Viertelstunde gewährleisten können.

Von Liestal nach Basel fahren pro Stunde fünf Züge, in Spitzenzeiten noch mehr. Nach Zürich, Bern und Luzern verkehrt ein direkter Zug pro Stunde. Sollte man die Busfahrpläne nicht in erster Linie auf diese selteneren Verbindungen ausrichten, weil man nach Basel nie allzulange warten muss?

Das wäre durchaus prüfenswert. Aber man muss beachten, dass dadurch gewisse Anschlüsse nach Basel schlechter würden, von denen viel mehr Personen betroffen wären. Eine Viertelstunde Wartezeit für eine Fahrt nach Basel, die nur zehn Minuten dauert, wird viel eher als Missverhältnis empfunden. Man kann sich allerdings auch fragen, ob bei einer Top-Linie mit einer Nachfrage wie dem 70er-Bus nicht ein dichteres Angebot als der Halbstunden-Takt gerechtfertigt wäre. Doch das wäre natürlich mit Kosten verbunden, die sich schlecht mit den Sparbemühungen des Kantons vertragen.

Diese Mehrkosten wären aber echte Wirtschaftsförderung. Denn die Ausgestaltung der 70er-Buslinie trägt wesentlich dazu bei, wie attraktiv das Hintere Frenkental als Arbeits- und Wohnort ist. Sie tragen da auch ein Stück Verantwortung, oder?

Ja, wir machen, was in unseren Möglichkeiten liegt. Wir haben aber wenig Spielraum und müssen künftig bekanntlich günstiger werden. Massgebend ist der Kanton als Leistungsbesteller, der die Zahl der Fahrten bewilligt. Wenn die Gemeinden Interesse haben, den Standort attraktiver zu machen, müssen sie sich beim Kanton entsprechend einbringen.

Die Regierung schlägt Hansruedi Müller aus Wintersingen als ihren Vertreter im AAGL-Verwaltungsrat vor (siehe Box). Kommt dieser Vorschlag bei der AAGL besser an als der frühere?

Wir wissen davon erst seit Kurzem und können das noch nicht kommentieren.