Villa «Burgmatt»

Nach fünf Jahren Leerstand: Kanton verkauft alte Waldenburger Bezirksschreiberei

Fünf Jahre lang stand die alte Bezirksschreiberei in Waldenburg leer. Nun ziehen Privatpersonen ein.

Seit 2014 steht sie leer, die Villa «Burgmatt» in Waldenburg. Wie die bz weiss, konnte der Kanton die Liegenschaft endlich verkaufen: für 1,1 Millionen Franken. Private machen ein Mehrgenerationenhaus daraus. Doch wo soll nun die Polizei hinziehen?

Was für eine Zangengeburt. Seit fünf Jahren steht eines der markantesten Gebäude Waldenburgs leer. Direkt am unteren Stedtlieingang steht die Villa «Burgmatt», ein barock-klassizistischer Bau aus dem 18. Jahrhundert, der auf der Liste der kantonal geschützten Kulturdenkmäler steht. Bis 2014 war es die stattliche Heimat der Bezirksschreiberei, doch dann reduzierte der Kanton Baselland im Rahmen des Projekts «Focus» seine sechs Bezirksschreibereien auf eine Zivilrechtsverwaltung mit zwei Standorten – und liess den Prestigebau verstauben.

Villa wird zum Mehrgenerationenhaus

Nun bestätigt die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) Recherchen der bz, wonach der Kanton die Liegenschaft endlich verkaufen konnte. «Sie wurde an eine private Käuferschaft verkauft», sagt BUD-Sprecher Nico Buschauer. Weitere Angaben zum Käufer oder Kaufpreis macht der Kanton keine. Er bestätigt aber, dass es nicht einfach war: «Der Verkauf der denkmalgeschützten Liegenschaft erwies sich als sehr schwierig. Deshalb wurde eine externe Immobilienmaklerin beauftragt. Nach Bemühungen von mehr als zwei Jahren konnte schliesslich eine Käuferschaft gefunden werden.» Damit konnten nun alle ehemaligen Bezirksschreibereien, die leer standen – Laufen, Binningen, Sissach und Waldenburg –, verkauft werden.

Die bz weiss: Nicht etwa ein Unternehmen hat sich die spezielle Immobilie geschnappt, sondern eine Gruppe Privatpersonen. Und das für 1,1 Millionen Franken. Sie wollen selbst in der Villa wohnen. Stichwort Mehrgenerationenhaus. Möglich ist das nur, weil die Gemeinde Waldenburg das Areal vor etwa zwei Jahren zur Gewerbe- und Wohnzone umgezont hat.
Speziell: Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann erfährt erst durch die bz vom Verkauf: «Ich bin enttäuscht, dass der Kanton uns nicht vorinformiert hat», sagt sie in einer ersten Reaktion. Grundsätzlich hält sie aber auch fest: «Es ist natürlich sehr, sehr positiv, dass jetzt wieder Leben in die alten Gemäuer kommt. Darauf haben wir lange gewartet.»

Waldenburgertal besteht auf eigenem Polizeiposten

Dass die alte Bezirksschreiberei nun zum Wohnhaus wird, kommt für Kaufmann allerdings überraschend. Mehrfach in den vergangenen Jahren und zuletzt im Juli hatte sie sich in der bz dafür stark gemacht, dass der Waldenburger Posten der Kantonspolizei, der dem Umbau des Bahnhofs zum Opfer fallen wird, in die Villa zügeln kann. Zumindest informell hätte sie auch entsprechende Zusagen des Kantons gehabt.

«Wir beharren sicher darauf, dass in Waldenburg oder sonst wo im Tal ein Polizeiposten bestehen bleibt», sagt Kaufmann. Und sie wendet sich direkt an die neue Sicherheitsdirektorin: «Ich erwarte von Kathrin Schweizer, dass sie uns alternative Standorte aufzeigt.» Schliesslich sei die Gemeinde dem Kanton mit der Umzonung, die nun zum Verkauf führte, sehr entgegengekommen. Ein Waldenburgertal ohne Polizeiposten komme für sie nicht infrage. Notfalls würde sich Waldenburg vehement wehren. 2016 war dieser Widerstand gegen eine Schliessung mit der Hilfe von acht weiteren Gemeinden bereits einmal erfolgreich.

So weit muss es dieses Mal vielleicht nicht kommen. Auf Anfrage teilt Adrian Baumgartner, Sprecher der Sicherheitsdirektion, mit: «Die Polizei Baselland ist wegen des Bahnhofumbaus auf einen Realersatz im Bezirk Waldenburg angewiesen. Bis Mitte 2020 sollte ein solcher zur Verfügung stehen. Das Hochbauamt sucht nach einer entsprechenden Lösung.» Es bleibt zu hoffen, dass diese Suche des Kantons schneller geht als jene nach einem Käufer für die Villa Burgmatt.

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