Erdogan-Gegner

Nach geplantem Brandanschlag in Buckten: Linksextreme treffen den Falschen

Die Sila AG in Buckten: Unbekannte platzierten Pet-Flaschen, die wohl mit Brandbeschleuniger gefüllt waren, jedoch nicht entzündet wurden.

Die Sila AG in Buckten: Unbekannte platzierten Pet-Flaschen, die wohl mit Brandbeschleuniger gefüllt waren, jedoch nicht entzündet wurden.

Unbekannte wollten den Fleischverarbeitungsbetrieb Hila AG in Buckten anzünden. Die Attacke galt dem Mit-Eigentümer Murat Sahin. Nur ist der glühende Erdogan-Verehrer nicht mehr für den Betrieb tätig.

Am Samstagabend versuchten Unbekannte, den Halal-Fleischverabeitungsbetrieb Sila AG in Buckten anzuzünden. Im Gebäude wurden Brandsätze deponiert, jedoch brach kein Feuer aus. Im Bekennerschreiben, das auch der bz zugestellt wurde, heisst es, man habe Murat Sahin, einem der beiden Eigentümer der Sila AG, «den grösstmöglichen wirtschaftlichen Schaden» zufügen wollen. Der türkischstämmige Sahin sei eine «bedeutende politische Stütze für den faschistischen Block der AKP-MHP in der Türkei». Das E-Mail, das mit «fight4rojava» gezeichnet ist, schliesst mit dem Statement, mit dem Feuer räche man sich an ihm, «Kampf dem Faschismus überall!».

Neben dem Aspekt, dass gar nichts brannte am Wochenende in Buckten, ist auch die Person, welcher der Anschlag galt, die falsche. Murat Sahin schied laut Handelsregister im Herbst 2019 aus dem Verwaltungsrat der Sila AG aus, ebenso dessen Bruder Suat. Als alleinige Eigentümer sind seither Verwaltungsratspräsident Adrian Lüscher und dessen Bruder Christian Lüscher aufgeführt.

Murat Sahin gilt als Erdogan-Spitzel

Murat Sahin sei bereits im April 2018 aus der Firma ausgeschieden, sagt Adrian Lüscher zur bz. Im vergangenen Sommer habe man sich auch von Suat Sahin getrennt. «Der politische Aktivismus der Sahins war der Grund», sagt Adrian Lüscher zur bz. «Wir wollten das nicht mehr. Wir sind ein Fleischverarbeitungsbetrieb, aber keine Partei oder etwas ähnliches. Wegen den extremen Positionen von Murat Sahin haben wir auch Kunden verloren.»

Die Brüder Lüscher übernahmen den Betrieb 2009. Sie produzieren laut eigenen Angaben mit 16 Mitarbeitenden rund 150 Tonnen Schaffleisch pro Jahr nach islamischen Halal-Bestimmungen. 2010 stiegen die Sahins bei der Sila AG ein.

Murat Sahin, der laut Handelsregister in Aarburg, AG, wohnt, ist in den Fokus von Linksextremen, aber auch von pro-kurdischen Kreisen geraten. Spätestens, nachdem er das Präsidium des Schweizer Ablegers der UETD, neu UID, übernommen hatte. UID steht für Union Internationaler Demokraten und gilt als verlängerter Arm des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogans und seiner Partei, der AKP, im Ausland. Der Schweizer UID-Zweig trat unter anderem bei den türkischen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2018 in Erscheinung. Die UID habe Carfahrten zu Wahllokalen organisiert, schrieb 2018 die «Tageswoche». UID-Kaderleute seien als Wahlhelfer tätig gewesen.

Im April 2017 berichtete die «Sonntagszeitung», Murat Sahin habe bei einer Erdogan-kritischen Veranstaltung an der Universität Zürich Fotos von Besuchern gemacht und türkischen Behörden weitergeleitet. Der Vorfall löste eine diplomatische Krise zwischen der Schweiz und der Türkei aus. Weder Murat Sahin, noch die UID reagierten auf Anfragen der bz.

«Lasse mich nicht einschüchtern»

Laut Adrian Lüscher handelt es sich bei den Brandsätzen um Pet-Flaschen, womöglich mit Brandbeschleuniger gefüllt. Warum die Zündschnüre nicht angezündet wurden – oder nicht entzündet werden konnten – klärt die Baselbieter Polizei ab.

Adrian Lüscher sagt, er werde die Sicherheit nicht erhöhen. «Ich lasse mich von solchen Leuten nicht einschüchtern. Falls doch, wäre es um den Rechtsstaat Schweiz nicht gut bestellt.»

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