Grosseinsatz

Nach Grossbrand in Pratteln: Firma versucht zu retten, was noch zu retten ist

Nach dem verheerenden Brand lässt die Prattler Galvaplast in Deutschland produzieren – und sucht einen neuen Standort.

Die Folgen werden noch lange zu spüren sein. Am 30. Juni hatte eine dicke schwarze Rauchwolke die Bevölkerung in Pratteln und Umgebung aufgeschreckt. Beim Metallverarbeiter Galvaplast direkt neben dem Bahnhof war an dem Sonntagabend ein Feuer ausgebrochen. Lange Zeit war völlig unklar, ob mitten im dichten Siedlungsgebiet giftige Stoffe in die Umwelt gelangt sind. Erst nach Stunden konnte Entwarnung gegeben werden.

Mittlerweile hat sich der Rauch verzogen: Die Produktionshalle, die Produktionsanlagen und Teile des Lagers sind total zerstört. Das geht aus einem Informationsschreiben der Galvaplast an ihre Kunden hervor, das der bz vorliegt. Und weiter: «Die von den Kunden angelieferten und bereits beschichteten Teile sind verbrannt und müssen entsorgt werden.»

Sachschaden bleibt noch wochenlang unklar

Kurz nach dem Brand hatte das Gebäude noch nicht betreten werden dürfen. Das Feuer hat die Struktur des Baus teilweise so stark beschädigt, dass er als einsturzgefährdet erklärt wurde. Bei einer Stahlhalle würden bereits ab 400 Grad Celsius Verformungen entstehen, die irreparabel seien, war aus den Reihen der Feuerwehr zu erfahren: «Vermutlich hat das Löschwasser noch zusätzliche Schäden verursacht.» Es habe aber bei der Brandbekämpfung keine Alternative gegeben.

Noch immer ist nicht ganz klar, wie gross der entstandene Sachschaden tatsächlich ist. Den Zustand der Produktionsanlagen kann die Spezialfirma für Kunststoff-Beschichtungen erst abklären, wenn die Räume freigegeben worden sind. Das kann aber noch einige Zeit dauern.

Bis heute noch keine Erkenntnisse zur Brandursache

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hat ein Untersuchungsverfahren eröffnet, Brandermittler und Forensiker haben vor Ort die Arbeit aufgenommen. Bis heute liegen keine Erkenntnisse vor. «Die Ermittlung der Brandursache kann ein paar Wochen oder sogar Monate dauern», sagt Staatsanwaltschafts-Sprecher Thomas Lyssy.

Zumindest der Bürotrakt und weitere Teile eines Lagers sind vom Feuer weitgehend verschont geblieben. Allerdings war die Informatikanlage die ersten Tage nach dem Brand nicht einsetzbar, weshalb die Firma keinen Überblick über die ausstehenden Aufträge hatte. Galvaplast aber hofft, dass die Kunden von dem Ereignis möglichst wenig betroffen bleiben. Die Kundschaft soll schliesslich erhalten bleiben.

Produktionsstopp für die nächsten Monate

In Pratteln ist derzeit an eine Produktion nicht zu denken. Das Unternehmen lasse aber die Produkte seiner Kunden vorerst bei «befreundeten Galvaniken in Deutschland» beschichten. Weiter möchte sich Geschäftsführer Rudolf Kocher derzeit auf Anfrage nicht äussern. Es seien keine verbindlichen Aussagen möglich. Klar jedoch ist: Galvaplast will die Galvanik am heutigen Standort Pratteln wieder aufbauen. «Das wird aber sicherlich sechs bis zwölf Monate in Anspruch nehmen.»

Nun zeigen Recherchen der bz: Bereits vor dem Brand hat sich das Unternehmen nach einem neuen Standort ausserhalb des Siedlungsgebietes umgesehen, wobei es von der Baselbieter Standortförderung unterstützt worden ist. «Wir versuchen, hier zu helfen», sagt Rolf Wirz von der zuständigen Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. «Die Suche gestaltet sich allerdings schwierig, da der Flächenbedarf ziemlich gross ist.» Seit dem Brand habe aber kein Kontakt mehr stattgefunden. Von der Galvaplast war dazu gestern keine Bestätigung zu erhalten.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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