Fan-Ausschreitungen

Nach Krawallen in Basel: Neun verletzte Polizisten und ein Verfahren

Ein Baselbieter Polizeiauto wird bei den Krawallen zerstört.

Ein Baselbieter Polizeiauto wird bei den Krawallen zerstört.

Nach den Ausschreitungen im Anschluss an das Fussballspiel FC Basel gegen den FC Zürich am Sonntag hat die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ein Verfahren eingeleitet. Zwei Personen wurden festgenommen. Der Sachschaden beträgt nach ersten Schätzungen rund 100'000 Franken.

Es waren die schwersten Ausschreitungen im Rahmen eines Fussballspiels des FC Basel seit Jahren. Nach dem 2:2-Unentschieden am Sonntagnachmittag zwischen dem FCB und dem FC Zürich kam es im Gebiet St. Jakob zu Krawallen zwischen der Polizei und Matchbesuchern. Die bisherige Bilanz: neun verletzte Polizisten, einer davon «erheblich»; mehrere beschädigte Polizeifahrzeuge, eines ist womöglich schrottreif; sieben angehaltene Personen, davon zwei in Haft.

Was am Tag danach im Zentrum des Interesses stand: Wer oder was löste die Krawalle aus? Auf zahlreichen von Privatpersonen aufgenommenen Videos ist unter anderem zu sehen, wie mehrere Dutzend Personen, die der Muttenzerkurve zugeordnet werden können, Polizisten in Schutzmontur mit Gegenständen bewerfen und teilweise auch angreifen.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Dies fand auf der so genannten Event-Plattform statt – also auf der Fläche, die zu den Zugängen der Sektoren C/G und D (Muttenzerkurve) führt. Unter anderem ist zu sehen, wie ein Mann einen Polizisten von hinten zu Boden tritt.

Es folgen chaotische Szenen. Unter anderem ist zu hören, wie Gummimunition abgefeuert wird.

Nach einigen Minuten bewegen sich versprengte Fans von der Plattform in Richtung Birsstrasse, wo sie Transportfahrzeuge der Polizei beschädigen. Danach gelingt es den Einsatzkräften, die Krawallmacher in Richtung St. Jakobshalle/Muttenz abzudrängen.

Angebliches Schussopfer

In Onlineforen machte rasch das Gerücht die Runde, ein Mann sei schon vor diesen Szenen aus kurzer Distanz ohne Warnung mit Gummischrot beschossen worden. Dies, nachdem der Fan Polizisten beschimpft habe. Die angeblich harte Reaktion der Polizei habe unter den Fans rasch die Runde gemacht und diese aufgewiegelt.

In den Gerüchten ist die Rede davon, dass der Fan auch am Auge getroffen wurde, was eine Notoperation notwendig gemacht habe. Das Universitätsspital Basel gab am Montag auf Anfrage bekannt, es könne aus Patientenschutz-Gründen keine Angaben zu allfällig in die Augenklinik eingelieferten Verletzten machen. Beim Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement heisst es, man habe bis dato keine Kenntnis von solch einem Fall.

Was bisher fest steht: Der Zug von Polizisten, der sich kurz nach Spielschluss um 15.50 Uhr von der Seite Birs in Richtung Bahndamm bewegte und dabei auch die Event-Plattform querte, wollte ein Tor zum Eisenbahn-Perron sichern, auf dem sich der Extrazug mit FCZ-Fans befand. In der ersten gemeinsamen Medienmitteilung der Baselbieter Polizei und des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD) vom Sonntagabend ist festgehalten, die Polizistinnen und Polizisten seien dabei mit «Steinen, Flaschen, Petarden und anderen Gegenständen» beworfen worden.

Warum die Polizei das Tor zum Eisenbahn-Perron sichern wollte, darüber machte das Justiz- und Sicherheitsdepartement am Montag keine weiteren Angaben. Ebenso wenig, warum nicht die direkte Route gewählt wurde, sondern ein Umweg über eine Ecke des St. Jakob-Turms.

Dies betrachteten zumindest einige Fans als Provokation: In der Regel taucht die Polizei nicht auf der Event-Plattform auf. Die Polizisten seien auf dieser «massiv angegriffen» worden, sagt JSD-Sprecher Andreas Knuchel. Sie hätten Gummischrot und Reizgas eingesetzt, dies aus Notwehr und Notwehr-Hilfe. Nicht bekannt gegeben wird, aus welchem Kanton die angegriffenen Polizisten stammen. Im Rahmen des Spiels standen Kräfte aus den beiden Basel sowie aus den Kantonen Bern und Solothurn im Einsatz.

Kurze Zeit nach den Vorfällen vor dem Stadion wurde ein Polizist auf dem Parkplatz der St. Jakobshalle niedergeschlagen und verletzt. Er erlitt eine Rissquetschwunde oberhalb des Auges. «Der 53-jährige war als Verkehrspolizist quasi als Fahrzeugwache für mehrere Fahrzeuge im Einsatz, und zwar in normaler Uniform», teilt Meinrad Stöcklin, Mediensprecher der Polizei Basel-Landschaft, auf Anfrage mit. Ebenfalls auf dem Parkplatz wurde ein Patrouillenfahrzeug der Baselbieter Polizei in Brand gesetzt. Ob das Fahrzeug repariert werden kann, ist unklar. Der Sachschaden wird mit rund 100'000 Franken beziffert.

Zwei Personen festgenommen

Die Basler Staatsanwaltschaft hat Verfahren wegen Landfriedensbruchs, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet. Ein 21-jähriger Deutscher und ein 17-jähriger Schweizer seien festgenommen worden. Acht Polizisten der Kantonspolizei Basel-Stadt seien verletzt worden, schreibt die Staatsanwaltschaft. Zwei hätten sich in Spitalpflege begeben müssen, sie konnten das Spital in der Zwischenzeit wieder verlassen.

Auch der Polizist der Baselbieter Polizei, der auf dem Parkplatz niedergeschlagen wurde, konnte das Krankenhaus wieder verlassen. Ihm geht es laut Mediensprecher Meinrad Stöcklin «den Umständen entsprechend gut». Mehrere Strafverfahren eröffnet hat auch die Baselbieter Staatsanwaltschaft, wie sie auf Anfrage mitteilt. So unter anderem wegen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand.

Der FC Basel hat auf Dienstag eine Sitzung mit Vertretern der Polizei und der Fanarbeit Basel angekündigt. Dies, um «die Geschehnisse lückenlos aufzuarbeiten». Dem Club lägen bisher «zu wenig Informationen vor, um eine abschliessende Beurteilung abzugeben».

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