Abholzung

Nach kritisierten Holzschlägen: Baselbieter Waldelite erklärt, wieso diese nötig sind

Der Eschenstrunk weist in die Vergangenheit, die Eichen mit ihren Schutzhüllen in die Zukunft des Muttenzer Waldes.

Der Eschenstrunk weist in die Vergangenheit, die Eichen mit ihren Schutzhüllen in die Zukunft des Muttenzer Waldes.

Nachdem Holzschläge im Forstrevier Schauenburg kritisiert wurden, lud die Baselbieter Waldelite am Freitag zu einer Begehung im Muttenzer Wald ein.

Fachleute und Laien kritisierten in den vergangenen Wochen in der bz die Abholzungen im Forstrevier Schauenburg (Muttenz, Pratteln, Frenkendorf) heftig. Das ging nicht spurlos an den Verantwortlichen vorbei. Am Freitag lud die versammelte Baselbieter Waldelite zu einer Waldbegehung im Muttenzer Wald ein. Von den Waldeigentümern, organisiert im Verband Wald beider Basel, über das Amt für Wald und den Försterverband bis hin zur Bürgergemeinde Muttenz waren alle da. Klar wurde dabei: Geändert werden soll nicht die Bewirtschaftung des Waldes, sondern die Information darüber. Philipp Schoch, Präsident von Wald beider Basel und bis Ende Monat noch grüner Landrat, sagte: «Wir werden in Zukunft mehr Wert auf die Information legen. Denn die Waldbewirtschaftung ist etwas Langfristiges. Das zu verstehen, ist für Menschen in einer schnelllebigen Zeit etwas vom schwierigsten.»

Im Mittelpunkt der Begehung standen zwei abgeholzte Flächen, eine in einem normalen Nutzungswald, eine in einem Naturschutzgebiet. Das Bild unterscheidet sich kaum. Zu sehen sind ein «Soldatenfriedhof» und wenige Überbleibsel des vorherigen Waldes – im Naturschutzgebiet zwei mittelgrosse Eichen, im Nutzungswald ein mächtiger Eschenstrunk (siehe Bild), dem die Waldarbeiter «fälltechnisch» nicht beikommen konnten, wie Revierförster Markus Eichenberger anmerkte.

Buche out, Eiche in

«Soldatenfriedhof» nennt man im Försterjargon grossflächig gesetzte Jungbäume, die Exemplar für Exemplar mit einem vor Wildverbiss schützenden Kunststoffgehege umhüllt sind. Diese «Friedhöfe» stehen nun – so paradox es tönt – für die Zukunft des Waldes im Revier Schauenburg. Denn hinter fast jeder Kunststoffröhre versteckt sich eine kleine Traubeneiche. In der Strategie der Bürgergemeinden nehmen diese Eichen eine zentrale Funktion ein: Sie sollen sukzessive die Buchen ersetzen, die das Forstrevier Schauenburg heute noch dominieren.

Denn die Buchen, so erklärte der Präsident des Försterverbands beider Basel, Christian Kleiber, hätten Mühe mit dem Klimawandel: «Bei längeren Trockenlagen bringen sie das Wasser nicht in die Äste und Blätter, sodass diese in der Sonne verbrennen und dürr werden.» Dieses Problem habe die Eiche nicht. Sie brauche aber Licht und Wärme zum Aufwachsen, weshalb man grössere Löcher in den Wald schlagen müsse, um die jungen Eichen-Flächen für den Lichteinfall zu öffnen.

Das Revival der Eiche ordnete Kreisforstingenieur Luzius Fischer vom Amt für Wald beider Basel geschichtlich ein. Die Kelten hätten die Baumart hier vor über 3000 Jahren aktiv verbreitet, die Römer hätten nachgedoppelt, und die Eiche habe bis ins Mittelalter hinein eine grosse Bedeutung als Nutzpflanze gehabt. So dienten die Eicheln der Schweinemast, die Blätter als Einstreu und die Rinde den Gerbereien. Dann wurde sie vom heutigen forstlichen Brotbaum Buche verdrängt. Jetzt ist also wieder eine Wendezeit angesagt, obwohl die Wissenschaft noch ihre Zweifel hat, wie genau die einzelnen Baumarten auf den Klimawandel reagieren werden. Deshalb hat die Uni Basel auch ihr 20-jähriges Monster-Experiment mit grossem Walddach in Hölstein lanciert.

Fischer hingegen stützt sich auf den von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft prognostizierten Buchen-Rückzug in Richtung Voralpen und meint: «Die Eiche ist ökonomisch und ökologisch wertvoll und wegen der Klimaänderung prädestiniert für die Zukunft.» Der Kanton stütze deshalb die Strategie des Schauenburg-Reviers, den Wald mit Eichen zu verjüngen. Und dass Revierförster Eichenberger dabei nicht überbordet, belegte Fischer mit Zahlen: Das Revier dürfe pro Jahr bis zu 5 Hektaren Wald verjüngen, es habe jedoch in den letzten vier Jahren nur 2,2 Hektaren pro Jahr entsprechend hergerichtet.

Der Kanton hat deshalb die Nutzungsplanung des Reviers genehmigt. Grundlage dafür ist der Waldentwicklungsplan von 2010. Fischer: «Nach 15 Jahren ziehen wir Bilanz und justieren den Plan je nach Resultat.»

Verwandte Themen:

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1