Reigoldswil

Nach Kutschenunfall durch ausgebüxte Pferde: Wie gefährlich sind Tiere am Cortège?

In Reigoldswil brannten am Montag zwei Pferde durch und verletzten sich dabei. Heikel ist, dass der Kutschenbetrieb laut Tierschützern regelmässig als «Chaise» an der Fasnacht teilnimmt.

Bei einem Kutschenunfall in Reigoldswil wurden am Montag zwei Pferde verletzt. Die Aktivisten der Gruppe «Für eine Fasnacht ohne Tiere» posteten den Vorfall auf ihrer Facebook-Seite.
Laut den Tierschützern brannten die Tiere beim Anspannen durch, die Kutsche prallte gegen einen Zaun. Ein Pferd habe sich daraufhin losgerissen und sei durch das Dorf gerannt. Die beiden Tiere hätten sich Schürfwunden zugezogen, als sie einen Briefkasten rammten.

Brisant ist, dass der involvierte Kutschenbetrieb nach Angaben der Gruppe regelmässig als «Chaise» an der Basler Fasnacht im Einsatz steht.

Der Fuhrhalter wollte gegenüber der bz keine Stellung zu dem Vorfall nehmen. Er stritt sogar ab, dass es zu einem Unfall gekommen sei.

Die Tierschützer von «Für eine Fasnacht ohne Tiere» haben von einem Augenzeugen von dem Unfall erfahren, wie Olivier Bieli, Mitglied der Gruppe, erklärt. «Für uns ist es wichtig, dass dieser Vorfall öffentlich wird», sagt Bieli zur bz. «Wenn die Pferde in einem ruhigen Dorf durchbrennen, dann kann das auch an der Fasnacht passieren. Das ist gefährlich für Mensch und Tier», betont er. «Man stelle sich nur vor, was passiert, wenn ein Pferd auf dem Marktplatz durchbrennt. Die Massenpanik wäre unvorstellbar.»

Die Baselbieter Polizei bestätigte gegenüber der bz den Vorfall in Reigoldswil. Weil bei dem Unfall keine Sorgfaltspflicht verletzt worden sei, habe sich die Polizei aber dazu entschlossen, den Vorfall nicht öffentlich zu machen. Auch der Kantonstierarzt sei nicht im Einsatz gewesen, sagt Polizeisprecher Adrian Gaugler.

Bieli sieht es kritisch, dass die Behörden nicht von sich aus über den Vorfall informiert haben. «Es geht um die Sicherheit von den Zuschauern an der Fasnacht, deshalb sollte die Öffentlichkeit davon erfahren». Der Fahrer der Kutsche habe in diesem Jahr an dem Informationsanlass teilgenommen, an dem das Basler Fasnachts-Comité und der basel-städtische Kantonstierarzt über die neuen Massnahmen für den Schutz der Pferde an der Fasnacht vorstellten. «Dann ist doch davon auszugehen, dass der Fuhrhalter auch an dieser Fasnacht teilnehmen wird», ärgert sich Bieli. Laut ihm war der Fuhrhalter auch an vergangenen Cortèges unterwegs. Ob der Fuhrhalter tatsächlich an der diesjährigen Fasnacht teilnehmen wird, ist nicht bekannt. Auch nicht, mit welchen Pferden er im Falle einer Teilnahme nach Basel reisen würde.

Tiere am Cortège in der Kritik

Dass Pferde an der Basler Fasnacht im Einsatz stehen, stört Tierschützer schon lange. In diesem Jahr wurden deshalb neue Regeln eingeführt, damit die Tiere besser geschützt sind. Chaisen-Vertreter und Fuhrleute müssen dem Comité neu eine Fahrlizenz und einen Ausbildungsnachweis vorlegen, damit sie mit ihren Pferden am Cortège mitmachen dürfen.
Die Pferde müssen alle eindeutig identifizierbar sein. Dazu wird erfasst, wie viel Erfahrung das Tier mit Veranstaltungen wie der Fasnacht hat und wie alt es ist. Zudem spielt eine wichtige Rolle, wie gut sich Kutscher und Pferde verstehen. Je besser das Verhältnis zwischen ihnen ist, desto ruhiger bleibt das Tier in einer Stresssituation. Pferdebesitzer und Kutscher, die auf die geforderte Eigendeklaration verzichten, schliesst das Fasnachts-Comité vom Cortège aus. Ausserdem steht ein Tierarzt im Einsatz, der stichprobenartig medizinische Checks durchführt. Ausserdem gibt es entlang der Umzugs-Route Pausenzonen.

Fuhrleute, die mit ihren Chaisen unterwegs sind, wehren sich vehement gegen die Vorwürfe von Tierschützern. Dass ihre Pferde leiden müssten, sei nicht wahr, sagten zwei Aktive, die mit ihren Tieren schon lange am Cortège teilnehmen, im letzten Jahr gegenüber der bz. «Die Tiere sind sich den Trubel und die Menschenmassen gewohnt. Deshalb müssen wir sie auch nicht mit Medikamenten dopen oder irgendetwas in dieser Art.» Auch die laute Musik störe die Tiere nicht.

Im Notfall seien die Kutscher ausserdem dazu in der Lage, brenzlige Situationen zu erkennen und schnell zu entschärfen. Das Vorgehen der Tierschützer sei deshalb unnötig.

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Autor

Rebekka Balzarini

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