Zwar ist das letzte Wort zum Läufelfingerli noch nicht gesprochen, weil es mit ziemlicher Sicherheit zu einem Urnengang kommt. Trotzdem tangiert der Landratsentscheid von letzter Woche, die S 9, wie das Läufelfingerli offiziell heisst, per Ende 2019 stillzulegen, bereits Läufelfingens wichtigstes und ehrgeizigstes Projekt.

Das ist die Überbauung des Kohler-Areals, einer alten Industriebrache inmitten des Dorfs zwischen Hauptstrasse und Bahnlinie. Vorausschauend hat die Gemeinde Läufelfingen vor über fünf Jahren einen Grossteil des Areals gekauft, nach einem Investor gesucht und diesen mit der Rothrister Firma Hegibau auch gefunden. Zusammen haben die beiden Partner alles inklusive Quartierplanung aufgegleist, diesen Sommer will Hegibau das Baugesuch einreichen.

Und jetzt also der Läufelfingerli-Entscheid. Salvatore Schirinzi, Geschäftsleiter der Hegibau, sagt dazu: «Der Entscheid macht uns überhaupt keine Freude, denn das Läufelfingerli gehörte zur Ausgangslage unseres Projekts. Die Vermarktung der ursprünglich geplanten 80 Wohnungen und der Gewerbeflächen wird nun schwieriger, weil die Nachfrage danach ohne direkte Bahnverbindung ins Mittelland sinken wird.»

Allenfalls weniger Wohnungen

Die Aussage zeigt, wo Läufelfingens grosser Trumpf liegt: die ländliche, praktisch nebelfreie Lage nur zehn Bahnminuten vom grossen Bahnknotenpunkt Olten entfernt. Mit dem vorgesehenen Bus-Ersatz über den Unteren Hauenstein verdreifacht sich die Reisezeit annähernd. Die Hegibau richtete ihr Läufelfinger Projekt denn auch ganz auf eine Mittelland-Kundschaft aus. Im Baselbiet lässt sich dagegen mit einem potenziellen Wohnort Läufelfingen, das heisst zuhinterst in einem peripheren Tal, kein grosser Staat machen.

Die Hegibau prüft deshalb nun mögliche Konsequenzen nach dem Landratsentscheid. Dazu Schirinzi: «Wir werden uns sicher nicht aus dem Projekt zurückziehen, weil wir schon zu viel Geld investiert haben. Wir müssen aber nun die Strategie und Ausrichtung des Projekts überdenken.» Damit zielt Schirinzi vor allem auf eine mögliche Reduktion der Zahl der Wohnungen sowie eine Änderung des Mix zwischen Miet- und Eigentumswohnungen.

Denn Käufer würden die Gesamtsituation vertiefter prüfen als Mieter, weshalb für sie der Läufelfingerli-Entscheid noch mehr ins Gewicht falle. Mit dem bis jetzt geplanten Projekt wollte Hegibau knapp 40 Millionen Franken in Läufelfingen investieren.

Auch den Läufelfinger Gemeindebehörden macht der Landrat mit seinem Stilllegungsentscheid der S 9 einen dicken Strich durch die Rechnung. Der Gemeinderat setzte nämlich sein Entwicklungskonzept, bei dem die Überbauung auf dem Kohler-Areal eine zentrale Rolle spielt, ganz unter das Motto «Zentral zu den grösseren Ballungszentren mit der S 9».

Gemeindepräsident Dieter Forter sieht aber nicht nur bei den erhofften Zuzügern auf dem Kohler-Areal negative Folgen, sondern auch bei jenen drei Dutzend Mittelland-Pendlern, die bereits in Läufelfingen wohnen. Hier werde der eine und andere wegziehen mit der Konsequenz, dass das Steuersubstrat und damit auch die Attraktivität des Dorfs sinken würden.

Vor allem aber hat Forter Mühe mit der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD): «Wir haben ihnen das Projekt Kohler-Areal vorgestellt und sie waren begeistert über die Vorgehensweise mit einem Quartierplan im Zentrum des Dorfs.

Jetzt beantragt die gleiche Direktion, mit dem Läufelfingerli unsere Lebensader und damit auch den Erfolg des Projekts zu beschneiden. Das verstehe ich nicht.» Forters Austritt aus der FDP, der ja auch BUD-Chefin Sabine Pegoraro angehört, bekommt damit noch eine neue Note.