In Zeiten der fallenden Margen kämpfen Dorfmetzgereien schon lange ums Überleben. Das war auch in Sissach nicht anders. Im März 2010 wurde dort über die Metzgerei Gunzenhauser der Konkurs eröffnet. Die lange Verkehrssperrung während der Strichcode-Bauarbeiten im Jahr 2008 war beim Kampf um die Kunden zweifellos nicht hilfreich, doch die Probleme lagen tiefer: Schon Jahre vorher lagen die Kosten teilweise über den Einnahmen, und die Überschuldung nahm seinen Lauf.

Fünf Jahre nicht gemeldet

Gestern sass ein 71-jähriger Treuhänder vor dem Strafgericht in Liestal, der im Jahre 2003 das Mandat für die Metzgerei übernommen und danach fünf Jahre lang betreut hatte. Weil er in dieser Zeit die überschuldete Aktiengesellschaft nicht dem Konkursrichter gemeldet hatte, warf die Staatsanwaltschaft ihm Misswirtschaft vor und stellte einen Strafbefehl aus. Nebst einer bedingten Geldstrafe wurden auch Verfahrenskosten von rund 3000 Franken fällig.

Diesen Strafbefehl hob Einzelrichterin Monika Roth gestern aber auf und sprach den Mann kostenlos frei. Sie argumentierte, er habe die Überschuldung weder herbeigeführt noch verschlimmert und bleibe deshalb straflos. Es sei durchaus erlaubt, eine entsprechende Meldung an den Konkursrichter zu unterlassen, wenn die Erwartungen der Sanierungsbemühungen nicht übertrieben seien - auch die Bank und einige Lieferanten hätten diese mitgetragen.

Wie auch Protokolle belegten, hatte der Treuhänder in den Besprechungen mit dem Verwaltungsrat, der Bank und den Grosslieferanten jeweils auf die Probleme hingewiesen und auch auf die Konkursanzeige gedrängt - sowohl Banken wie Lieferanten wollten davon allerdings über Jahre hinweg nichts wissen. «Man lässt eine private Metzgerei nicht einfach in den Konkurs gehen», habe man ihm jeweils gesagt. Deshalb habe er selbst nichts unternommen - er habe den Sanierungsbemühungen aller Beteiligten nicht in den Rücken fallen wollen.

Ironischerweise fiel ihm nun einer der Grosslieferanten doch in den Rücken. Er verlangte eine Verurteilung wegen Misswirtschaft und meldete auch gleich eine Zivilforderung von rund 200'000 Franken an. Der Treuhänder solle für diese Summe geradestehen. «Der Privatkläger wollte den Konkurs über Jahre explizit nicht. Jetzt kommt er und sagt, der Revisor hätte ihn schützen müssen», sagte der Verteidiger kopfschüttelnd.

Eine Gläubigerin, die ihren Ausstand einfach weiter wachsen lasse, könne nicht hinterher den Revisor belangen. Auch Gerichtspräsidentin Monika Roth urteilte, der Lieferant habe die Risiken bewusst mitgetragen; die Forderung wies sie daher auf den Zivilweg. Sowohl der Zivilkläger als auch die Staatsanwaltschaft können den Freispruch noch weiter ziehen.