Coronavirus

Nach nationalem Aufruhr: Jetzt ist die Grenze auch fürs 10er-Tram dicht

Ab Samstag hält das 10er-Tram, das zwischen Dornach und Rodersdorf verkehrt, als Folge der Coronakrise nicht mehr in der französischen Gemeinde Leymen. Aufgrund der Anweisung der Eidgenössischen Zollverwaltung werde die Haltestelle im Elsass nicht mehr bedient. Anstatt die Fahrgäste, die in Leymen ein- und aussteigen zu kontrollieren, wird die Haltestelle ausgelassen.

Kurz vor dem Bahnhöfli in Flüh ertönt im 10er-Tram aus Basel eine Durchsage: «Auf Anweisung der Eidgenössischen Zollverwaltung wird ab Samstag die Haltestelle Leymen nicht mehr bedient.» Die Verwaltung hat entschieden, die französische Gemeinde nicht mehr anzufahren. Im elsässischen Dorf steigen im Schnitt rund 200 Personen täglich ein und aus – viele davon pendeln in die Schweiz zur Arbeit.

Wenige Meter vom Bahnhöfli in Flüh entfernt ist die Strasse nach Frankreich geschlossen. Mit Gittern wird den Autofahrerinnen und Autofahrern die Weiterfahrt ins Elsass verunmöglicht. «Grenze gesperrt Corona» steht schlicht als Grund für die Schliessung auf einem weissen Schild am Gitter. Grenzbeamte sind momentan bei der geschlossenen Strasse keine zu sehen. Dafür stehen weiter vorne an der Tramstation zwei Zöllner, die mit kritischem Blick durch das Tram laufen.

Für einige Grenzgänger ist die Haltestelle Leymen sehr wichtig

Die Coronakrise prägt seit Wochen das Leben der Menschen in der Schweiz. Besonders stark von den Restriktionen betroffen sind Personen, die in einem Grenzgebiet wohnen. In Gemeinden an der schweizerisch-französischen Grenze ist derzeit vieles anders als sonst. So auch für eine Pendlerin aus Leymen, die in Arlesheim arbeitet. Die nächsten geöffneten Grenzübergänge, welche die Autofahrerin passieren kann, um in die Schweiz zu gelangen, befinden sich in Allschwil und in Kleinlützel. Für sie ist aber klar, dass andere noch schlimmer dran sind: «Es gibt einige Grenzgänger aus Leymen, für die der Wegfall der Tram-Haltestelle weitreichende Konsequenzen hat.» Für Pendler bedeute dies einen grossen Einschnitt.

Es stellt sich die Frage, weshalb stattdessen nicht einfach die Fahrgäste, die in Leymen einsteigen, im Tram kontrolliert werden. Die bz hat in ihrer Montagsausgabe thematisiert, dass das Tram durch Leymen fährt, ohne dass Kontrollen durchgeführt werden. Gleichzeitig werden in Trams, die von Basel nach Deutschland verkehren, alle Personen kontrolliert. Daraufhin nahmen auch andere Medien diese Tatsache auf. Mehrere Nationalräte, etwa der SVP-Politiker Thomas Aeschi, kritisierten die lasche Praxis an der Landesgrenze im Leimental.

«Die Schliessung der Haltestelle in Leymen stand schon vergangene Woche in Prüfung und wird nun umgesetzt», sagt Jasmine Blum, Mediensprecherin der Eidgenössischen Zollverwaltung. Dank Schliessung der Haltestelle in Leymen könne die Einreise in die Schweiz besser auf andere Grenzübergänge kanalisiert und die dadurch gewonnenen personellen Ressourcen wiederum auf anderen Grenzübergängen oder im Zwischengelände eingesetzt werden. Schweizweit seien kleinere Grenzübergänge geschlossen worden.

Die kreisenden Hubschrauber seien unheimlich gewesen

Der Wegfall der Tramstation im Elsass steht im Zusammenhang mit einer verstärkten Kontrolltätigkeit der Schweizer Grenzwache an der französischen Grenze. Auch die sogenannten Grünen Grenzen werden bewacht, und es wurden auch schon zahlreiche Bussen ausgesprochen. Jasmine Blum von der Eidgenössischen Zollverwaltung schreibt, dass seit Mitte März gesamtschweizerisch 12'479 Personen an der Grenze zu Frankreich die Einreise in die Schweiz verweigert worden sei. Insbesondere die Überwachung des Zwischengeländes sei personalintensiv. Deshalb werde die Eidgenössische Zollverwaltung von 50 Angehörigen der Militärpolizei sowie einem Milizbataillon entlang der Schweizer Grenze unterstützt.

Um die Grünen Grenzen kontrollieren zu können, werden auch Hubschrauber eingesetzt. «Die Helikopter hörten wir vor allem Mitte März, als eine Schliessung vieler Grenzen angeordnet worden war. Das war unheimlich», erzählt Karin Kälin Neuner-Jehle (SP), die Gemeindepräsidentin von Rodersdorf. In ihrer Gemeinde befindet sich die Endstation des 10er-Trams. Sie zeigt sich sehr froh, dass das Tram weiterhin bis in den hintersten Zipfel des Leimentals fährt. Zumindest für die Tramfahrer aus Rodersdorf ändert sich nichts – bis auf den Wegfall der Haltestelle im benachbarten Leymen.

Für Autofahrer bedeuten die geschlossenen Strassen jedoch einen Umweg über Metzerlen-Mariastein. «Zuerst murrten viele», sagt die Rodersdorfer Gemeindepräsidentin. Mittlerweile sei aber den allermeisten klar, dass dies zum Schutz aller beitrage.

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