Ziefen

Nach Renovation: Die alte Schmitte erstrahlt in neuem Glanz

Die alte Schmitte in Ziefen ist renoviert und wird bereits bewohnt. Auch das Handwerk soll wieder einziehen

Der Zügelwagen steht vor der Tür. Noch ist das Haus aber voller Gäste, die die neue alte Schmitte in Ziefen einweihen. Die neuen Bewohner müssen sich etwas gedulden, bevor sie das renovierte, geschichtsträchtige Gebäude beziehen können.

«Für mich ist es ein sehr bewegender Tag», sagt Daniel Burckhardt. Der Architekt hat in den vergangenen 15 Jahren die 180-jährige ehemalige Schmiede restauriert – und dafür Samstag für Samstag gekrampft. Das Haus sei sein Kind, meint Burckhardt. «Ich habe es gekauft, weil ich es irgendwie als meine Pflicht ansah, einmal im Leben ein Haus zu renovieren.»
Kennen tut er das Gebäude seit seiner Kindheit. Mit seinen Eltern fuhr er stets daran vorbei ins Ferienhaus nach Lauwil. Schon damals hat ihm das markante Haus Eindruck gemacht. Andere sahen im Gebäude einen Schandfleck.

Zehn Jahre dauerte der Kampf, bis es unter Schutz gestellt wurde. Die kantonale Denkmalpflegerin Brigitte Frei zeigt sich am vergangenen Freitagabend froh darüber, dass die Schmiede – als eine von wenigen im Kanton – erhalten geblieben ist und heute «ihren Platz im Dorf wieder einnehmen kann». Sie zollt Burckhardt grosses Lob: «Für uns ist es toll, dass das Haus mit so viel Sachverstand und langem Atem renoviert worden ist.» Sie selber hat den Architekten dabei beraten, etwa als es um den Standort des Badezimmers oder die Treppe ging.

Die Stufen der Treppe tragen noch die alten Eisenverstärkungen, die von der Erbauerfamilie Henny angebracht worden sind. Der letzte der Hennys ist unter den Besuchern. Er hat seine ersten vier Lebensjahre im Haus verbracht. «Wo das Bad ist, war früher ein Plumpsklo», erzählt er und erinnert sich auch noch an die heimelige Ofenchouscht. Die gibt es nicht mehr. Ein anderer Ofen, der aber aus derselben Zeit stammt wie die Schmitte, heizt nun das grosszügige Wohnzimmer im ersten Stock. Zu Hennys Zeit befanden sich da drei Zimmerchen. Die Schwelle zur Stube ist jedoch noch die alte doppelstufige.

So originalgetreu wie möglich

Burckhardt hat das Haus so originalgetreu wie möglich renoviert, die ursprüngliche Substanz freigelegt. Die Wohnzimmerdecke ist noch die alte. Wie vieles andere aber musste mit neuen Teilen ergänzt werden. Der alte Fussboden befindet sich unter dem neuen Boden, der ein genaues Abbild darstellt. Auffällig sind die hohen, blauen Sockelleisten. Die Farbgebung geht auf die Ursprungszeit von 1837 zurück. Die Doppelfenster sind nach alter Vorlage neu gemacht.

Auf derselben Etage befinden sich eine neue Küche und eine Laube, die auf die Frenke hinausgeht. Der Dachstock weist ein grosses Schlafzimmer sowie ein Vorzimmer auf, von dem aus eine Treppe auf die Galerie führt. Das Dach ist mit Biberschwanzziegeln gedeckt, die von einer alten Ziefener Scheune stammen.

Der Vertreter der Gemeinde, Lukas Geering, zeigt sich beeindruckt von der «Feinfühligkeit und vom Herzblut» von Burckhardt. Aus Visionen, Kreativität und Achtsamkeit sei etwas Gutes entstanden. «Ich habe dem Haus seine Würde zurückgeben können», meint Burckhardt. Und bald dürfte wieder ein Handwerk darin betrieben werden: Einer der neuen Bewohner will im noch nicht renovierten Teil des Erdgeschosses ein Atelier einrichten und Theaterkostüme sowie Hochzeitskleider schneidern.

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