Die Birs an der Kantonsgrenze zwischen beiden Basel ist bei Flusssurfern beliebt. Vor allem die grosse Birswelle wird als "schwierig", "unruhig" und "kopfhoch" beschrieben. Sie mache Eindruck. Ein besonderer Kick also für die Wassersportler.

Noch viel grösser ist der Kick, wenn die Birs Hochwasser führt, so wie diese Woche. Kaum hatte die Kantonspolizei am frühen Montagmorgen vor der gefährlichen Situation an Rhein, Birs und Wiese gewarnt, stiegen die ersten Surfer in den Fluss.

Hochwasser Birs - River-Surfer bei der Redingbrücke. Montagmorgen.

Hochwasser Redingbrücke

Hochwasser Birs - River-Surfer bei der Redingbrücke. Montagmorgen.

"Die Birs-Surfer setzen sich über die Warnung der Polizei hinweg - und riskieren ihr Leben." So titelte die bz auf ihrer Newsseite. Darin zitierte sie Andreas Flück, den Gefahrenexperten der Stadt Basel. Er sagte gegenüber der bz: "Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich diese Leute in eine grosse Gefahr begeben."

Und weiter: "Ich möchte nochmals betonen: Wenn etwas passiert, kann ihnen nicht geholfen werden." Zu reissend seien die Flüsse, zu mächtig bei Hochwasser. Zudem wurde die Schifffahrt eingestellt, auch für Rettungsschiffe.

Kontroverse: "Wie dumm muss man sein?"

Auf Facebook kommentierte ein User den Artikel: "Die Sufer wollen wohl jung sterben. Es ist daneben, was sie machen." Eine Userin doppelte nach: "Wie dumm muss man sein?"

Zwei weitere Kommentatoren hielten kräftig dagegen: "Diejenigen, die dort surfen, wissen, was sie tun. Man muss seine Fähigkeiten eben kennen, muss den Fluss gut beobachten, vor allem wegen des Schwemmholzes", schrieb einer.

So sieht Wellensurfen auf der Birs aus:

Youtube: Surfen auf der Birs (Kopro Basel, 2015)

Für Insider kalkuliertes Risiko

Dann meldet sich bei der bz ein Kenner der Szene. Er kritisiert den Beitrag als einseitig, schreibt in einer Mail: "Die Surfer riskieren ihr Leben nicht! Wie bei jeder anderen Outdoor-Sportart, etwa Bergsteigen oder Skitouren, ist die Eigenverantwortung entscheidend." 

Persönlich Stellung nehmen will der Insider nicht, verweist auf verschiedene einschlägige Publikationen, die allesamt eine Reihe von Regeln enthalten, die das Surfen auf Flüssen kalkulierbar machen.

Die Tipps vom Wellenreitverband

So gibt es beispielsweise Sicherheits-Regeln, die der Schweizer Wellenreitverband Waveriding zusammen mit den Rettungsschwimmern von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG erstellt haben.

Die Regeln reichen von Verhaltens- und Sicherheitsregeln, der richtigen Ausrüstung bis zur Warnung, nie alleine eine Flusswelle zu surfen. Ein Wellenritt daure etwa 30 Sekunden.

Der Wellenreitverband geht von etwa 30'000 aktiven Surfern in der Schweiz aus - das ist eine ganze Menge für ein Alpenland. Auf seiner Internetseite schwärmt der Verband für seinen Sport: "Obwohl die Flusswellen viel kleiner sind als ihre Schwestern im Ozean, bieten stehende Wellen grossartige Möglichkeiten den Surfsport zu erlernen und Figuren zu verbessern. Diese Wellen haben einen geschmeidigen Fluss und eine konstante Form."

Der Wellensurfer schreibt in seiner Mail an die bz: "Die Situation und mögliche Gefahren müssen immer mit der nötigen Erfahrung, professionell eingeschätzt werden, bevor man surft."

Ein bisschen gefährlich

Das sieht auch Surfer Claude Zihlmann aus Basel so. Gegenüber SRF sagte er am Dienstag: «Natürlich ist es ein bisschen gefährlich, aber wir schauen immer gegenseitig und warnen uns auch, falls Holz auf uns zutreibt.»

Youtube: Surfen auf der Birs (Elisabeth Imholz, 6.1.2018)