Quarantäne

Nach weiterem Coronafall an Therwiler Schule: Baselbieter Massnahmen stiften Verwirrung

In der Primarschule Therwil gibt es einen Coronafall.

In der Primarschule Therwil gibt es einen Coronafall.

Ein Coronafall in der Sekundarschule führte zur Quarantäne für 60 Personen – nach einem positiven Test in der Primarschule dürfen Mitschüler weiterhin den Unterricht besuchen.

Es ist schon der zweite Fall in Therwil: Vergangene Woche infizierte sich ein Sekundarschüler mit dem Coronavirus, am Dienstag wurde ein Kind der dritten Primarschulklasse positiv getestet. Doch in der Handhabung unterscheiden sich die Fälle massgeblich. Während beim Fall des Sekundarschülers rund 60 Personen – Mitschüler, Lehrpersonen und Familienmitglieder – in Quarantäne mussten, ist dies an der Primarschule nicht der Fall. Lediglich das Geschwisterkind aus der ersten Klasse wurde nach Hause geschickt, wie einem Elternschreiben zu entnehmen ist. Zusätzlich halten die beiden Klassen die Pausen zurzeit getrennt von anderen Schülern ab.

«In Fällen wie diesen sollte man meinen, dass Lockerungen rückgängig gemacht werden», schreibt ein Vater der betroffenen Klasse, der anonym bleiben möchte. Er und andere Eltern wundern sich, weshalb die Schüler an der Sekundarschule in Quarantäne geschickt wurden, in diesem Fall – dem zweiten in Therwil – jedoch nicht. «Das ist einfach unverständlich. Wo bleibt der Schutz für die anderen?»

Eltern wundern sich, wieso das Kind nicht zu Hause blieb

Weiter stört sich der Vater daran, dass das Kind zur Schule gegangen sein soll, auch während es auf das Testresultat wartete. Die Eltern müssten wissen, dass ihre Kinder während dieser Zeit zu Hause bleiben sollen. Besonders, weil Tests nur bei begründetem Verdacht und durch Überweisung des Kinderarztes durchgeführt würden. Auch die Schule müsste den Eltern «ausdrücklich zu verstehen geben», dass die Kinder zu Hause bleiben sollen, schreibt der Mann. Er habe gehört, dass es bereits zu einem dritten Coronafall in Therwil gekommen sei.

Das Problem ist: Es gibt im Baselbiet keine einheitlichen Regeln, wenn ein Kind positiv getestet wird. Jeder Fall wird individuell betrachtet. Das ist auch im Stadtkanton so. Laut BAG sei eine Quarantäne für Mitschüler und Lehrpersonen zwar nicht notwendig, aber: «Wir entscheiden grundsätzlich fallbezogen und berücksichtigen dabei Zusatzfaktoren wie zum Beispiel Ansteckungsquelle, besondere Situation im städtischen Umfeld, Handhabung der Schutzkonzepte oder lokale epidemiologische Lage», sagt der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen.

Ansteckung wahrscheinlich in der Familie

Der Schulleiter der Primarschule Therwil verweist auf Anfrage der bz auf Rolf Wirz, Mediensprecher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. Dieser erklärt die Handhabung der beiden Fälle: «Der grosse Unterschied ist, dass die Ansteckung des Sekundarschülers nicht rekonstruierbar war. Wir wissen bis heute nicht, wo er sich angesteckt haben könnte.» Ausserdem habe er den Unterricht drei Tage mit Symptomen besucht, bevor er sich testen liess. Dies sei ausschlaggebend gewesen für die Entscheidung, für Mitschüler, Lehrpersonen und sein Umfeld eine Quarantäne zu verordnen. Der Primarschüler hingegen habe sich mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Familie angesteckt.

Dass das Kind trotz ausstehendem Resultat zur Schule ging, sei nicht optimal. «Aber wir können nicht mehr machen, als an die Eltern zu appellieren, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken, wenn sie Symptome haben.» In diesem Fall sei der Schüler immerhin nicht lange im Unterricht gewesen. «Am Montag wurde er getestet, am Dienstagmorgen um 8.30 Uhr kam das Ergebnis und er wurde nach Hause geholt», so Wirz. Aus diesem Grund musste nur die Familie des Kindes in Quarantäne.

Keine weiteren Schüler angesteckt

Doch würde dieser Tag nicht ausreichen, um Mitschüler oder Lehrpersonen anzustecken? «Theoretisch schon», meint Wirz. «Das Risiko ist aber sehr klein.» Er vergleicht mit dem Sekundar-Fall: «Obwohl der Schüler drei Tage mit Symptomen in der Schule war, hat er niemanden angesteckt.» Der Primarschüler sei ausserdem erst neunjährig, was die Ansteckungsgefahr senke. Einen weiteren positiven Fall in der vierten Klasse dementiert Wirz: «Es hat zwei Verdachtsfälle gegeben. Beide waren negativ.» Stand gestern hat der Drittklässler also keine weiteren Kinder oder Lehrpersonen angesteckt.

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