Reinach schrieb Schweizer Mediengeschichte. Die Gemeinde war zwischen Genf und St. Gallen die erste, die ihre Mitteilungen als Fernsehsendungen produzieren liess. Kurz nach der Lancierung von «Reinach aktuell» Anfang 2008 nahm die Inter-GGA das Format unter dem Namen Gemeinde TV in ihre Senderliste auf – «Reinach aktuell» fand den Weg in die gute Stube.

Doch die Ausgabe, die vergangene Woche aufgeschaltet wurde, wird auch die letzte gewesen sein. Reinach, die Inter-GGA und die Produktionsfirma haben keine Lust mehr auf Kommunal-TV.

In der letzten Folge von «Reinach aktuell» werden Highlights aus zehn Jahren gezeigt. Produziert hatte die Sendungen die fadeout GmbH in Basel. Die Inter-GGA, die Gemeinde TV in ihren Info-Kanal einspeiste, schreibt, das Ende der Zusammenarbeit erfolge in gegenseitigem Einverständnis: «Dies geschieht aufgrund der Erkenntnis, dass sich die Medienwelt und das Kundenbedürfnis seit den Anfängen vom Gemeinde TV stark verändert haben. Das Gemeinde TV wird ab 2019 nicht mehr auf dem Inter-GGA-Infokanal verfügbar sein.»

700 Sendungen in zehn Jahren

Reinach war aber nicht die einzige Gemeinde, die auch auf Fernsehen setzte, um die Einwohner über korrektes Kompostieren, die Ergebnisse der Gemeindewahlen und das Konzert der Musikschule zu informieren. Auch Aesch, Arlesheim und Therwil sprangen auf den Zug auf. Insgesamt sind gemäss fadeout in den vergangenen zehn Jahren 700 «Aktuell»-Sendungen produziert worden. Sie konnten jeweils auch online und via Gemeinde-Apps gekuckt werden. 

«Wir haben ein innovatives und attraktives Produkt umgesetzt, wenn man das vergleichsweise tiefe Budget in Betracht zieht», sagt Alexander Meyer. Der fadeout-CEO war in den Anfangszeiten mit einer einfachen semi-professionellen Videokamera unterwegs.

Die Sendungen produzierte er mit einem kleinen Team in einer Garage, zu Beginn noch in Reinach. Auch die Kooperation mit der Inter-GGA wurde spontan eingefädelt, erinnert sich Meyer: «Wir klopften bei der Inter-GGA an und sagten: ‹Wir haben Content mit regionalem Bezug. Den könnte man doch im TV zeigen?›.» Bei der Kabelnetz-Betreiberin war der Info-Kanal frei. Reinach als Inter-GGA-Aktionärin war es zudem nur Recht, dass ihre News im Kabelnetz zu sehen waren.

Fadeout steckt hinter dem wohl bekanntesten Video aus Basel

Das Zuschauerpotenzial von Gemeinde TV war immens. Neben der Inter-GGA nahm später auch die EBL die Sendungen ins Programm auf, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich bis ins Oberbaselbiet. Summiert ergab das rund 100 000 Haushalte.

Beim Gemeinde TV wäre es nach zehn Jahren geboten gewesen, das Format weiterzuentwickeln, sagt Meyer. «Es war eine gute Zeit. Doch die Welt hat sich weitergedreht. Heute ist viel mehr möglich, auch passt das Produkt nicht mehr so richtig zu unserem Kerngeschäft. So kamen wir mit der Inter-GGA und den Bestellern, also den Gemeinden, überein, das Format auslaufen zu lassen.»

Mittlerweile hat sich fadeout, Eigenbezeichnung «Agentur für digitale Kommunikation», in der Werbebranche einen Namen gemacht. So produzierte das Unternehmen 2016 einen viel beachteten Werbeclip für Basel Tourismus. Schauspieler simulieren Szenen des Augmented-Reality-Games Pokémon Go. Verkleidete rennen durch Basel und werfen Bälle auf scheinbar ahnungslose Passanten. Der Spot zählt auf Youtube über 13 Millionen, auf Facebook gar über 98 Millionen Views.

Reinach präsentiert 2019 ein neues Projekt

Derart hohe Werte waren für die «Aktuell»-Sendungen unrealistisch. Gemessen habe man die Einschaltquoten im TV nicht, sagt Meyer. «Doch im Internet haben unsere Beiträge rund 15 Prozent der Bevölkerung der Gemeinden erreicht. Das ist ein respektabler Wert.» 

Ganz verabschieden sich die Gemeinden nicht von den News in audio-visueller Form. Reinach kündigt ab 2019 ein «neues Sendeformat mit Informationen» an». Auf Nachfrage heisst es, Details würden in den kommenden Tagen bekannt gegeben. «Lassen Sie sich überraschen.» Auch zum Budget lässt sich Reinach keine Angaben entlocken. Eine «Reinach Aktuell»-Sendung kostete jedoch zwischen 2500 und 3000 Franken.

Was Arlesheim und Aesch planen, ist ebenfalls noch nicht spruchreif. fadeout verrät aber, dass Therwil weiterhin Sendungen bestelle. Die Inhalte würden über Gemeinde-Webseite und App verbreitet.