Alles ging offenbar gestern Sonntagmorgen blitzschnell: Um 8.57 Uhr erreichte die Baselbieter Polizei ein Anruf aus Rünenberg, dass ein Nachbarschaftsstreit mit Schüssen im Gang sei.

Als die Polizei laut Einsatzleiter Bernhard Baumgartner kurz danach mit einem Grossaufgebot in Rünenberg eintraf, fand sie einen Toten vor einer stattlichen Liegenschaft am Zielweg und einen Schwerverletzten im Eingang des Hauses.

Trotz sofortiger Reanimation durch Sanität und Rega verstarb der Angeschossene noch vor Ort. Bei ihm handelte es sich um den bekannten, 57-jährigen Basler Medienanwalt Martin Wagner.

Der Tote vor dem Haus war aller Voraussicht nach der Täter, ein 39-jähriger Schweizer aus der Nachbarschaft. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass er sich nach Abgabe der Schüsse auf Wagner selbst gerichtet hat

70 Personen im Einsatz

Der Täter sei kurz vor neun Uhr zur Liegenschaft gegangen, sagte Pascal Pilet von der Baselbieter Staatsanwaltschaft. Das Motiv sei unklar, stehe aber nicht mit Wagners beruflicher Tätigkeit in Zusammenhang. Pilet: «Das Motiv ist im privaten Umfeld zu suchen.» So steht fest, dass sich Opfer und Täter gekannt haben. So weit bekannt kam es im Vorfeld der Tat zu keinen Drohungen gegenüber Wagner.

Ob es vor den Schüssen noch eine verbale Auseinandersetzung gegeben hatte, konnte die Polizei an der gestern Nachmittag kurzfristig einberufenen Medienkonferenz nicht sagen. Baumgartner konnte auf die meisten Fragen nur immer wiederholen: «Die Untersuchungen und die Spurensicherung laufen auf Hochtouren.»

Insgesamt waren gestern 70 Personen im Einsatz, darunter auch die Polizei-Sondereinheit Barracuda und ein Care-Team, das sich um Angehörige und Nachbarn kümmerte. Das Care-Team war auch bitter nötig. Denn noch tragischer macht Wagners gewaltsamer Tod, dass erst vor Kurzem seine Frau an einer schweren Krankheit gestorben ist und jetzt drei Kinder im jugendlichen Alter Vollwaisen sind.

Rünenberg BL: Medienanwalt Martin Wagner erschossen

Rünenberg BL: Medienanwalt Martin Wagner erschossen

 

Das Gebiet um Wagners Villa war gestern grossräumig abgesperrt. Der Zufall wollte es, dass der Leichenwagen die Toten just in dem Moment abholen kam, als die Polizei die Medienvertreter auf eine Distanz von einigen Dutzend Metern zu Wagners Haus führte.

Diese Szenerie mit Polizeiautos, Polizisten in Schutzkleidern, Absperrbändern, Leichenwagen und einer grossen Schar von Fotografen und Kameraleuten aus der halben Schweiz und die an diesem sonnigen Nachmittag nur wenig entfernt friedlich spazierenden Familien hatte etwas Surreales.

Noch nie sei so etwas Tragisches in Rünenberg passiert, soweit sie sich zurückerinnern könne, sagte die hörbar mitgenommene Astrid Buser gestern Abend. Sie war bis Ende letzten Jahres während fast zwölf Jahren Gemeindepräsidentin im ansonsten so beschaulichen Dorf im Tafeljura.